Olaf Seibicke, als vorläufigen Höhepunkt Ihrer achtmonatigen Amtszeit im Hohenhaus hatten Sie Günther Jauch zu Gast in Ihrer Abendveranstaltung. Wie war die Nachfrage?
Seibicke: Obwohl wir in einer strukturschwachen Region sind und von allen größeren Städten weit entfernt liegen, haben wir in kürzester Zeit alle 200 Karten verkauft. Es hätte auch leicht das Doppelte sein können.
Sie haben ihre Gesprächsreihe "Ein Abend mit…" vor 18 Jahren im kleinen Hotel Lindenhof in Gotha entwickelt und zu einem großen Erfolg geführt. Nun haben Sie das Format mit nach Hohenhaus genommen. Passt der Talk mit Prominenten in jedes Hotel?
Das Format zieht die Menschen an und es ist wirtschaftlich erfolgreich. Die Tickets kosten ab 190 Euro, und die Gäste bekommen dafür am Abend neben dem Talk ein Vier-Gänge-Menü unseres Sternekochs Alexander Mayer. Insgesamt liegt der Umsatz im Hotel bei 55.000 bis 60.000 Euro. Der Deckungsbeitrag ist deutlich höher als im normalen Restaurantgeschäft. Und wer hat schon 200 Couverts am Freitagabend?
Wenn Sie auf der Bühne stehen, sind Sie der geborene Moderator. Dabei haben Sie ursprünglich eine Elektrikerlehre absolviert. Was hat Sie in die Hotellerie gezogen?
Als Elektriker war ich nicht gut, habe viele Stromschläge bekommen und war dann froh, dass ich in einem Jugendclub Bier zapfen konnte. Als ich mit der Ausbildung fertig war, habe ich Hotelfach gelernt. Ich wollte mit Menschen zu tun haben, nicht mit Stromkabeln. Zur Moderation kam ich dann eher zufällig, als wir mit Alfons Schuhbeck ein Kochevent im Hotel hatten und ich ihm ein paar Fragen stellte. Dann haben immer mehr Gäste nach einem längeren Gesprächsanteil bei unseren Veranstaltungen gefragt.
Wie bringen Sie Ihre Rollen als Gastgeber, Entertainer und Eventmanager unter einen Hut?
Wir können nicht von diesen Abenden leben, so gut sie auch laufen. Ich bin in erster Linie Hotelier. Und da gibt es einiges zu tun. Als ich kam, waren die Bauarbeiten für 16 neue Suiten im Schloss in vollem Gange. Es ging darum, Betten und Interieur auszuwählen. Wir haben die Personalstruktur angepasst. Da wir neue Akzente setzen, war die Frage, wer geht das Tempo mit. Zurzeit haben wir 36 Mitarbeiter, wollen auf 40 aufstocken.
Welche Ziele haben Sie?
Wir sind eine eigene Destination und möchten eines der führenden Privathotels in Deutschland werden. Kürzlich haben wir die Auszeichnung zu Fünf Sterne Superior vom Dehoga erhalten. Damit sind wir weit und breit allein, haben hier keine Konkurrenz. Im Fokus steht die herausragende Küche von Alexander Mayer. Wir hoffen, den zweiten Michelin-Stern zu bekommen und auch einen Key für das Hotel. Die Lage ist einzigartig, Hühner und Schafe laufen frei herum. Das Retreat verfügt über eine eigene Forstwirtschaft mit 1.200 Hektar Wald und eine Schafzucht. Wir backen Brot selbst, die Früchte unserer alten Apfelsorten werden in der eigenen Mosterei verarbeitet. Mit unserer Photovoltaikanlage erzeugen wir mehr Strom für die Gebäude und auch das Schwimmbad, als wir brauchen.
Wie steht es mit der Wirtschaftlichkeit?
Unsere Durchschnittsrate liegt bei 250 Euro, in den neuen Zimmern im Schloss bei 400 Euro. Die Auslastung liegt bei 50 bis 60 Prozent. Wir kommen aus einem Tal. Wichtig ist, dass das Hotel mehr wahrgenommen wird.
Wie viele Talk-Events planen Sie pro Jahr?
Vielleicht alle zwei Monate ein Event. In diesem Jahr kommt noch Christine Neubauer und 2027 der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach. Im Februar wird Florentine Joop Malkurse anbieten. Es gibt noch viele interessante Persönlichkeiten, die wir ansprechen können, darunter die Schauspielerin Ornella Muti oder auch Tennis-Ass Alexander Zverev.
Rolf Westermann
Hotel Hohenhaus
Das Fünf-Sterne-Superior-Hotel (38 Zimmer) befindet sich in einem ehemaligen Rittergut.1934 erwarb die Hamburger Verlegerfamilie Ganske das Anwesen und eröffnete 1982 in der früheren Remise das Hotel. Dort übernahm im Sommer 2025 Küchenchef Alexander Mayer (zuvor: Hotel Atlantic Hamburg) das Fine-Dining-Restaurant "La Vallée Verte" (ein Michelin-Stern). Seit Anfang 2026 leitet Olaf Seibicke als Hoteldirektor die Geschicke des Hauses. Zuvor war er 26 Jahre lang Chef im Lindenhof in Gotha (Thüringen) und begann dort 2008 seine Gesprächsreihe "Ein Abend mit…". In 105 Events brachte er Prominente wie Boris Becker, Uli Hoeneß, Johann Lafer oder Gregor Gysi auf die Bühne.
