Novum hatte die Schließung des 395-Zimmer-Hotels mit erheblichen Gebäudemängeln begründet. Genannt wurden unter anderem Defizite beim Brandschutz, bei der Befestigung von Fassadenelementen und der Betriebssicherheit der Aufzüge sowie Probleme im Umgang mit asbesthaltigen Baustoffen. Hinzu kam nach Angaben des Betreibers ein nicht mehr ausreichender Versicherungsschutz. Mit dem Eigentümer habe trotz intensiver Bemühungen keine Einigung über die notwendigen Sanierungsmaßnahmen erzielt werden können.
Praemia zeichnet nun ein anderes Bild. Der technische Zustand des Gebäudes sei regelmäßig von Praemia und seinen Partnern in Abstimmung mit dem Betreiber überwacht worden, heißt es gegenüber Hotel vor9. Es habe technische Prüfungen und verschiedene Maßnahmen gegeben. In regelmäßigen Gesprächen mit Novum seien zudem Sanierungsvarianten entwickelt worden.
Die Eigentümerseite sagt, keine Behörde habe eine Schließung aus Sicherheitsgründen angeordnet
Nach Angaben des Eigentümers waren sogar zwei weitere Gespräche für den 23. und 30. September mit dem Betreiber angesetzt. Dabei sollten die verschiedenen Sanierungsszenarien vorgestellt und die Gespräche mit Novum fortgesetzt werden. Praemia betont deshalb, es sei unzutreffend, den Eindruck zu erwecken, die Probleme seien ignoriert worden.
Noch deutlicher fällt die Aussage zur Schließung selbst aus: Die Entscheidung sei einseitig vom Betreiber getroffen worden. Nach Kenntnis des Eigentümers habe zudem keine zuständige Behörde eine Schließung des Hotels aus Sicherheitsgründen angeordnet.
Wie hoch der Sanierungsaufwand tatsächlich wäre, ist offiziell bislang nicht bekannt. Nach Informationen aus dem Umfeld des Hotels bewegen sich die notwendigen Investitionen allerdings im zweistelligen Millionenbereich. Ein wesentlicher Kosten- und Komplexitätstreiber dürfte dabei der Brandschutz sein. So soll unter anderem die Installation einer neuen Sprinkleranlage unvermeidlich sein. Die dafür notwendigen Eingriffe in die Bausubstanz könnten zugleich Arbeiten an asbesthaltigen Materialien erforderlich machen, was die Kosten der Sanierung in die Höhe treiben und die gesamte Maßnahme letztlich unwirtschaftlich machen könnte.
Unterdessen haben die Folgen für die zunächst freigestellten Beschäftigten begonnen. Nach Informationen von Hotel vor9 haben die Mitarbeiter bereits ihre Kündigungen erhalten.
IHG äußert sich weiter nicht zu den plötzlichen Ende des Crowne Plaza in Frankfurt
Derweil hält sich IHG Hotels & Resorts weiterhin bedeckt. Der Franchisegeber hat sich gegenüber Hotel vor9 bislang trotz mehrfacher Anfragen nicht zur Schließung und zur Auseinandersetzung zwischen Betreiber und Eigentümer geäußert. Warum eigentlich nicht?
Das ist bemerkenswert, weil IHG das Haus bei der Eröffnung 2019 noch als wichtiges Leuchtturmprojekt für den Konzern bezeichnet hatte. Damals sagte Mario Maxeiner, Managing Director Northern Europe bei IHG: „Crowne Plaza ist die drittgrößte Hotelmarke im gehobenen Segment, mit derzeit 420 Standorten. Wir freuen uns, dass wir gemeinsam mit Novum Hospitality nun das erste Crowne Plaza nach Frankfurt bringen konnten – eine absolute A-Location in Deutschland. Das entspricht auch unserer langfristigen Vision für Crowne Plaza: Wir wollen es zur bevorzugten Business-Class-Hotelmarke weltweit machen.“
Zumindest in Frankfurt-Niederrad ist dieses Vorhaben nun krachend gescheitert.
Pascal Brückmann
