Viele offene Rechnungen werden kurz nach der Übergabe an ein Inkassounternehmen beglichen. Das zeigt der erste Forderungsmonitor von Germania Inkasso, für den rund 26.000 Forderungsakten aus dem Zeitraum März 2025 bis August 2026 ausgewertet wurden. Fast drei Viertel aller vollständigen Zahlungen gehen in den ersten 100 Tagen nach der Übergabe ein. Wer zahlt, tut dies meist innerhalb weniger Wochen.
Hotellerie mit langen Wartezeiten
Zwischen den Branchen gibt es deutliche Unterschiede. Forderungen aus Software- und Elektrounternehmen werden besonders häufig vollständig bezahlt. Hotel und Gastronomie zählen zu den Branchen mit den geringsten Erfolgsquoten bei der Beitreibung offener Forderungen. Zudem vergehen dort bis zur vollständigen Zahlung im Median 106 Tage.
Vor allem Hotels warten laut Dominik Knoblich, Geschäftsführer von Germania, zu lange, bevor sie ein Inkassounternehmen einschalten. Im Durchschnitt übergeben sie offene Forderungen erst nach 200 Tagen. Noch seltener als in Hotellerie und Gastronomie werden Forderungen von Immobilienunternehmen und Verwaltungen vollständig beglichen.
Je älter die Forderung, desto höher das Ausfallrisiko
Für Unternehmen ist vor allem das Alter einer Forderung entscheidend. Die besten Ergebnisse erzielen Forderungen, die zwei bis sechs Monate nach Rechnungsstellung an das Inkasso übergeben werden. Mit zunehmender Wartezeit sinken die Chancen auf einen Zahlungseingang deutlich. Werden Forderungen erst nach mehr als zwei Jahren übergeben, fällt der realisierte Rückfluss auf einen Bruchteil dessen, was bei einer früheren Übergabe möglich gewesen wäre.
Geschäftskunden zahlen langsamer
Die Auswertung zeigt zudem einen Trend zu längeren Zahlungszeiten. Seit dem Sommer 2025 begleichen säumige Geschäftskunden offene Forderungen seltener innerhalb der ersten 100 Tage. Laut Dominik Knoblich werden die finanziellen Spielräume vieler Betriebe enger, was sich zuerst in deren Liquidität bemerkbar mache.
