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Hotelwachstum allein reicht nicht mehr aus

Gute Nachfrage allein sichert keine ausreichenden Erträge. Beim Online-Event "Booking the Future" vom Beratungsunternehmen MRP Hotels ging es um Preisspielräume im DACH-Markt, rentable Betreiberstrategien und die Kosten internationaler Marken. Vorgestellt wurden Beiträge zum aktuellen Expertenbericht. Mit dabei war unter anderem Lindner-CEO Adrian Lindner (Foto).

Die vorgestellte Analyse von Can Erdem vom Hoteldatenanbieter STR/Costar zeigt, warum Hotels steigende Kosten nicht überall durch höhere Preise ausgleichen können. Während die Durchschnittsraten europaweit weiter wachsen, fällt es Häusern im deutschsprachigen Raum schwerer, Aufschläge durchzusetzen. Veranstaltungen bleiben wichtige Nachfragetreiber für deutsche Stadthotels.

Gleichzeitig verschärfen neue Hotels den Wettbewerb. In Deutschland befinden sich laut Erdem rund 27.000 Zimmer im Bau. Besonders groß ist die Pipeline in Berlin und Hamburg. In Berlin entspricht sie 7,2 Prozent des bestehenden Angebots. Für Betreiber erhöht das den Druck, Auslastung und Preise gegen zusätzliche Konkurrenz zu verteidigen.

Lindner überprüft Standorte und Verträge

„Es ist nicht die Anzahl der Hotels, die über den Erfolg entscheidet, sondern die nachhaltige Profitabilität“, sagte Lindner-Hotel-CEO Adrian Lindner (Foto). Seine Gruppe habe nach der Insolvenz das Portfolio deutlich reduziert. Sie trenne sich von nicht funktionierenden Standorten und überprüfe Vertragsstrukturen. Derzeit habe die wirtschaftliche Verbesserung der bestehenden Hotels Vorrang.

Wachstumschancen sieht Lindner bei familiengeführten Hotels, deren Eigentümer keinen Nachfolger in der Familie finden, besonders in deutschsprachigen Ferienregionen. Die Gruppe könne solche Häuser weiterführen, professionalisieren und zugleich deren Identität erhalten. Viele verfügten über attraktive Immobilien und treue Gäste.

Markengebühren brauchen zusätzlichen Ertrag

Hannah Struck von MRP Hotels erläuterte die Kosten einer Bindung an einer internationalen Marke. Neben der Franchise-Gebühr zahlen Betreiber etwa für Reservierungssysteme, Kundenbindungsprogramme und Vertriebsleistungen. In ihrer Modellrechnung für ein Stadthotel summiert sich die Belastung auf neun bis elf Prozent des Gesamtumsatzes.

Im Beispiel aus dem Expertenbericht müsste der Zimmererlös je verfügbarem Zimmer von 112 auf 131 bis 135 Euro steigen. Erst dann könnte das Hotel die Markengebühren decken. Denn zusätzliche Einnahmen verursachen auch zusätzliche Betriebskosten. Trotz des Erlösanstiegs um 17 bis 20 Prozent bliebe dem Hotel damit zunächst genauso viel übrig wie ohne Marke.

Entscheidend sei, ob die Marke zusätzliche Gäste gewinnt oder nur Buchungen vermittelt, die das Hotel auch ohne Markenbindung erhalten hätte. Gerade bei Ferienhotels wählen Gäste häufig nach Destination, Lage und Produkt. Vor Vertragsabschluss müsse deshalb ein Vergleich mit und ohne Marke stehen, der Gebühren und erforderliche Investitionen berücksichtigt und bis zum operativen Ergebnis reicht.

Stella König