In der Schweiz gilt Mirus als Branchenstandard: Rund 85 Prozent der Vier- und Fünf-Sterne-Hotels nutzen laut Unternehmensangaben die Software des 1993 gegründeten Anbieters für Lohnabrechnung, Zeiterfassung und Dienstplanung. Jetzt will die Gruppe, die seit 2023 zum Wiener Investor Alpha VCX gehört, diese Position in den deutschsprachigen Raum übertragen. Den Anfang machte im September 2025 die Übernahme der Lohn AG, eines etablierten Payroll-Dienstleisters mit Sitz in Baden-Baden. Aus ihr ging die Mirus Deutschland hervor, die heute rund 1.600 Betriebe betreut, davon etwa 400 bis 500 aus der Hotellerie.
Vom Lohnzettel hin zur Gewinnsteuerung des Hotelbetriebs
Patrick Attanasio, der als Geschäftsführer die strategische Entwicklung der gesamten Mirus-Gruppe verantwortet, sieht im deutschen Markt erheblichen Nachholbedarf. Viele Hotels hätten in den vergangenen Jahren zwar ihr Revenue Management professionalisiert, die Kostenseite aber vernachlässigt, sagt er.
„Wir wollen unsere Kunden in die Lage versetzen, nicht erst am Ende des Monats zu merken, wo sie gelandet sind, sondern proaktiv so zu planen, dass am Ende nicht nur der Umsatz, sondern auch der Profit stimmt", so Attanasio. Dass Mirus aus der Schweiz komme, sei dabei kein Nachteil, im Gegenteil: Den Margendruck, den deutsche Hoteliers durch steigende Personal- und Energiekosten zunehmend spürten, kenne man in der Schweiz mit ihrem hohen Lohnniveau seit Langem.
Ab Ende 2026 soll ein besonderes Modul des Unternehmens auch deutschen Kunden zur Verfügung stehen. Es nutzt laut Attanasio Machine-Learning-Algorithmen, die auf Basis historischer Betriebsdaten Prognosen für den Personalbedarf erstellen. Dabei fließen Faktoren wie Wetterdaten, Feiertage, lokale Veranstaltungen oder hoteleigene Events ein. Das System schlage dann optimierte Schichtpläne vor, bis hin zur Berücksichtigung individueller Mitarbeiter-Qualifikationen. In der Schweiz sei die Lösung bereits im Einsatz und liefere nachweislich zuverlässige Ergebnisse.
Zehn Vertriebler für den deutschen Markt
Um im deutschen Markt Fuß zu fassen, setzt Mirus auf eine Mischung aus persönlichem Vertrieb, Messeauftritten und Partnerschaften. Attanasio zufolge werde das Vertriebsteam bis 2027 auf zehn Mitarbeitende wachsen. Sechs im Neukundengeschäft, vier im Key Account Management für Bestandskunden.
Im Wettbewerb grenzt sich Attanasio bewusst von spezialisierten Nischenanbietern wie Nesto, Gastromatic oder E2N ab, die sich auf einzelne Bereiche wie Schichtplanung oder Zeiterfassung konzentrierten. „Wir wollen den kompletten Mitarbeiterlebenszyklus abbilden. Also von der Personalgewinnung über die Lohnabrechnung bis zur optimierten Einsatzplanung", erklärt er. Gleichzeitig unterscheide man sich von großen Generalisten durch den klaren Branchenfokus auf personalintensive Betriebe.
Plattform für den gesamten DACH-Raum
Langfristig verfolgt Mirus das Ziel einer einheitlichen, länderübergreifenden Plattform. Hotelgruppen, die sowohl in Deutschland, Österreich und der Schweiz aktiv sind, sollen künftig über eine einzige Lösung bedient werden können. Mit dann jeweils länderspezifischen Modulen etwa für die Lohnabrechnung. Der Markteintritt in Österreich stehe laut Attanasio unmittelbar bevor. Die Gruppe wachse dabei über eine Buy-and-Build-Strategie mit gezielten Zukäufen und paralleler Produktentwicklung.
Aktuell beschäftigt die Mirus-Gruppe rund 220 Mitarbeiter in der Schweiz und Deutschland und erwartet für 2026 einen Umsatz von etwa 28 Millionen Euro. Monatlich werden über die Systeme mehr als 160.000 Mitarbeitende verwaltet. Das Preismodell basiert auf einem transparenten Betrag pro Mitarbeitendem und Abrechnungsfall. Sinnvoll sei der Einsatz laut Attanasio für Hotels ab etwa 30 bis 40 Beschäftigten.
Pascal Brückmann
