Wer gehofft hatte, dass nach den erheblichen Nebengeräuschen rund um die von Prism übernommenen Revo-Hotels etwas Ruhe eingekehrt wäre, sieht sich getäuscht. Regelmäßig wenden sich Mitarbeiter von Hotels, die zuletzt von Prism übernommen wurden, an die Redaktion von Hotel vor9. Sie berichten über Methoden des neuen Arbeitgebers, die sie als unzumutbar oder fragwürdig empfinden.
Diesmal sind es unter anderem Mitarbeiter ehemaliger GCH-Hotels. Was sie schildern, zeichnet das Bild eines Betreibers, der offenbar versucht, deutsche Hotelstandards im Eiltempo auf ein Minimum herunterzufahren. Die Vorwürfe betreffen Häuser in Bielefeld, Peine und Braunschweig und ähneln sich. Hotel vor9 hat Prism zu den Vorwürfen befragt und das Unternehmen hat zu den strittigen Sachverhalten Stellung genommen.
Zunächst geht es um die Arbeitsplätze. Wenige Wochen nach der Übernahme eines Hotels kommt es in aller Regel zu Kündigungen durch den neuen Betreiber. In dem von Prism übernommenen Haus in Bielefeld sollen beispielsweise gleich sieben Beschäftigte ihren Job verloren haben, ein erheblicher Einschnitt. Dass derzeit viele Hotelbetreiber ihre Belegschaften ausdünnen und dabei auch vor betriebsbedingten Kündigungen nicht zurückschrecken, ist freilich kein reines Prism-Phänomen. Jedoch ist es eher ungewöhnlich, dass zeitgleich mit den Entlassungen im großen Stil nach neuen Mitarbeitern gesucht wird.
Kündigungen auf der einen, Stellenangebote auf der anderen Seite
So schalten Mitarbeiter der Prism-Muttergesellschaft Oyo auf Linkedin derzeit in großem Umfang Stellenanzeigen. Insgesamt sollen über 500 Positionen in Rezeption, Housekeeping, Service und Küche an über 50 Standorten in Deutschland besetzt werden, darunter auch in Bielefeld, Peine und Braunschweig. Also genau dort, wo gerade erst Kündigungen ausgesprochen worden sind. Die Anzeigen richten sich gezielt an Migranten. Gesucht werden Mitarbeiter, die sich bereits mit Chancenkarte oder Jobsuchenden-Visum in Deutschland aufhalten, und versprechen neben Gehältern zwischen 2.410 und 2.800 Euro eine Gemeinschaftsunterkunft sowie Unterstützung bei der Visumsumwandlung.
Und es gibt ein weiteres Phänomen, zumindest in Bielefeld. Dort tauchten plötzlich Arbeitskräfte indischer Herkunft auf, die im Housekeeping eingesetzt werden. Es wird berichtet, dass die Mitarbeiter im Hotel schlafen und sieben Tage die Woche arbeiten würden. Das genaue Anstellungsverhältnis und das Regelwerk seien unklar. Ein Sprecher von Sunday bestätigt den Einsatz, erklärte auf Anfrage von Hotel vor9 jedoch: „Die betreffenden Personen sind keine Angestellten von Sunday Hotels. Sie sind bei externen Dienstleistern für Housekeeping und Nachtaudit beschäftigt, die für deren Verträge, Arbeitszeiten, Ruhezeiten und Unterbringung verantwortlich sind." All dies müsse deutschem Recht entsprechen.
Angeblich soll es steuerliche Unregelmäßigkeiten geben
Doch die Personalfrage ist nur ein Aspekt. Die Vorwürfe, die Mitarbeiter gegenüber Hotel vor9 erheben, gehen weit über Kündigungen und fragwürdige Rekrutierungspraktiken hinaus. So berichten Beschäftigte von möglichen steuerlichen Unregelmäßigkeiten. Aus unterschiedlichen Sunday-Hotels heißt es, dass in Fällen, in denen Gäste beim Check-out keine Quittung verlangten, auch keine Umsatzsteuer abgeführt werde.
Sunday widerspricht hier in aller Deutlichkeit. „Alle unsere Hotels arbeiten mit dem Property-Management-System Ibelsa mit zertifizierter Fiskalisierung", so der Sprecher. „Sämtliche Transaktionen werden fiskalisch erfasst, unabhängig davon, ob ein Gast eine Quittung verlangt." Die Umsatzsteuer werde zentral abgeführt. „Hotelmitarbeiter haben keinerlei Möglichkeit, Transaktionen außerhalb des fiskalischen Systems abzuwickeln."
Ein weiterer Vorwurf, der im Raume steht, betrifft die pünktliche Durchführung von gesetzlich vorgeschriebenen Wartungen oder Serviceintervallen im Bereich der Haustechnik, etwa der Klimaanlagen oder der sogenannten DGUV-V3-Prüfung elektrischer Betriebsmittel. Auch hier widerspricht Sunday: „Wir nehmen unsere gesetzlichen Sicherheitspflichten sehr ernst. Inspektionen und Wartungen werden zentral über unser gesamtes Portfolio geplant und durch ein eigenes Wartungsteam begleitet." Überfällige Prüfungen seien dem Unternehmen nicht bekannt.
Fehlende Lizenzen für Alkoholausschank und Fragen rund um die Gema-Gebühren
Neben den Fragen zu Personal, Steuern und Haustechnik reißt die Liste der Vorwürfe nicht ab. So operierten mehrere Hotels laut Mitarbeitern seit Monaten ohne gültige Alkoholausschank-Lizenz.
Sunday räumt ein, dass Ausschanklizenzen bei einem Betreiberwechsel neu beantragt werden müssten. „Wir haben bei der Übernahme entsprechende Anträge gestellt. Einige wurden bereits erteilt, die übrigen befinden sich im Verfahren bei den zuständigen Behörden", so der Sprecher. Dort, wo die Lizenz noch ausstehe, werde selbstverständlich kein Alkohol ausgeschenkt.
Auch bei den Gema-Gebühren gibt es laut Mitarbeitern offene Fragen. Sunday erklärt dazu: „Wir verwenden in vielen unserer Hotels urheberrechtsfreie Sunday-Musik, für die keine Gema-Gebühren anfallen." Die Gema-Registrierungen würden im Rahmen des Übergangsprozesses für alle Bereiche jedes Hotels abgeglichen.
Pascal Brückmann
