Wer verstehen will, wie Dormero (lesen Sie hier Teil 1 unserer Berichterstattung) an die Revo-Standorte kam, muss ein paar Jahre zurückspulen. Denn bevor Dormero eine ganze Reihe von ehemaligen Revo-Häusern übernehmen konnte, war das Unternehmen selbst ein gefragtes Übernahmeziel. Revo-Gründer Ruslan Husry habe über vier bis fünf Jahre immer wieder versucht, Dormero zu kaufen, berichtet Wöhrl. Er lehnte wiederholt ab, doch aus den Gesprächen entstand ein persönliches Verhältnis, das sich später als nützlich erweisen sollte.
Bevor Wöhrl über die konkreten Übernahmen spricht, setzt er allerdings ein Ausrufezeichen, das man in der Branche selten gehört hat. Er nimmt die ehemalige Revo-Führung gegen die massive Kritik im Zuge der Insolvenz in Schutz. Die Ursachen des Scheiterns seien überwiegend externer Natur gewesen, findet Wöhrl: Corona, der Ukraine-Krieg und eine Inflation, die über Indexierungsklauseln zu Mietsteigerungen von 25 bis 30 Prozent geführt habe. „Wäre all das nicht gekommen, dann würde es Revo heute auch noch geben", ist sich Wöhrl sicher.
Dormero konnte noch vor der Insolvenz die ersten Revo-Hotels übernehmen
Als sich die finanzielle Schieflage bei Revo dann aber immer deutlicher abzeichnete, handelten viele Vermieter schnell und kündigten ihre Mietverträge noch vor der offiziellen Insolvenz. In genau diese Phase fielen die ersten Dormero-Übernahmen. So wurde das Dormero DeHo Linz (vormals Amedia Hotel) bereits im Januar 2026 übernommen, also noch vor der offiziellen Insolvenz.
Im weiteren Verlauf folgten das Dormero PaHo Wels im März, das Dormero JeHo Graz Airport im April sowie das Dormero Hotel Werther, das Dormero Hotel Freiburg (vormals Vienna House Easy) und das Dormero Express Hotel Passau im Mai 2026. Während die früheren Übernahmen auf direkten Vereinbarungen mit den Vermietern basierten, wurden Hotels wie Passau und Freiburg auf dem formellen Weg im Insolvenzverfahren vom Insolvenzverwalter an Dormero übertragen. Dass die Gruppe in beiden Szenarien so schnell zum Zuge kam, führt Wöhrl nicht zuletzt auf die Konzerngarantie zurück: In einem Markt, in dem Vermieter nach der Revo-Erfahrung vor allem auf Sicherheit bedacht waren, habe dieses Instrument regelmäßig den Ausschlag gegeben.
Das rasante Wachstum gilt es jetzt erst einmal zu verdauen
Insgesamt hat Dormero sein Portfolio seit 2022 von 37 auf 72 Hotels nahezu verdoppelt und erzielte 2025 einen Nettoumsatz von 111 Millionen Euro. Ein Wachstumstempo, das Wöhrl stolz und gleichzeitig demütig macht: „Wir sind von der dritten Liga in die erste Liga durchmarschiert. Aber wir haben noch nicht so viel an den Rippen, um nicht gleich wieder abzusteigen."
Die Ansage für das kommende Jahr ist deshalb klar: Transformation und Stabilisierung statt wilde Expansion. Geschäftsführerin Halm und die Vorstände hätten ihm unmissverständlich signalisiert, dass Strukturen, Prozesse und Personal dem Wachstum der vergangenen Monate hinterherhinken, räumt Wöhrl ein. Bevor weitere Hotels hinzukommen, müsse jetzt auch der organisatorische Unterbau stimmen. Das Dormero-Feeling, wie Wöhrl es nennt, müsse auch im kleinsten Haus in Baden-Württemberg spürbar sein.
Ganz zum Stillstand kommt die Expansion damit aber nicht. Punktuelles Wachstum bleibe möglich, wobei der Fokus klar auf Österreich liege. Dort betreibt Dormero derzeit sieben Hotels und will in den kommenden Monaten drei weitere übernehmen. In Deutschland hingegen werde nur noch zugeschlagen, wenn Standort, Konditionen und der Zustand der Immobilie stimmen und wenn Ben Dahlheim, der Investor und Aufsichtsratsvorsitzende von Dormero, als Eigentümer mit im Boot sei. Perspektivisch hält Wöhrl eine Größenordnung von 80 Hotels für realistisch, eine dreistellige Zahl benennt er bewusst nicht als Ziel. „Ein radikales Wachstum bloß um des Ego-Willens ist im Moment wirklich nicht mein Ding."
Pascal Brückmann
