Wyndham hat auf seiner Unternehmenswebsite eine direkte Anbindung an das Sprachmodell Claude veröffentlicht. Gäste können der KI in natürlicher Sprache mitteilen, was sie suchen, etwa ein Familienhotel mit Pool in Orlando, und erhalten in Echtzeit Verfügbarkeiten, Preise und Zimmeroptionen aus dem Wyndham-Bestand. Booking.com, Expedia und andere Vermittler werden dabei vollständig umgangen. Die strategische Absicht ist klar: Jede Buchung über diesen Kanal spart die OTA-Provision. Gleichzeitig behält Wyndham die Kontrolle über Preisgestaltung und Verfügbarkeit, weil das eigene System die Daten liefert.
Allerdings hat die Sache derzeit noch zwei Haken. Erstens: Die finale Buchung wird laut der verfügbaren Dokumentation weiterhin über die Wyndham-Website abgeschlossen. Die KI übernimmt Suche, Vergleich und Vorauswahl, nicht jedoch den Buchungsabschluss selbst. Zweitens: Um die Funktion überhaupt nutzen zu können, müssen Gäste in den Claude-Einstellungen unter "Connectors" manuell den Wyndham-Connector aktivieren. Ein Schritt, den sich im Alltag wohl kaum ein Endverbraucher machen dürfte, der einfach nur ein Hotelzimmer sucht.
Der Vorstoß von Wyndham wirkt deshalb weniger wie ein fertiger Vertriebskanal und eher wie ein strategischer Infrastruktur-Test. Die Kette positioniert sich frühzeitig für ein Szenario, in dem KI-Assistenten nahtlos in den Buchungsprozess integriert sind, ohne dass Nutzer dafür erst Einstellungen konfigurieren müssen. Sollten Sprachmodelle wie Claude solche Hotel-Anbindungen künftig standardmäßig mitbringen, wäre Wyndham bereits angeschlossen.
Pascal Brückmann
