Herr Mufraggi, Ihr Unternehmen bezeichnet sich selbst als „die führende Marke für Boutique- und Lifestyle-Unterkünfte“. In Wahrheit betreibt Generator Hostels und bietet Gästen die Möglichkeit, in Mehrbettzimmern zu übernachten. Bitte klären Sie uns auf.
Xavier Mufraggi: Ich würde sagen, dass die klassische Unterscheidung zwischen Hostel und Hotel für heutige Reisende deutlich an Bedeutung verloren hat. Generator bietet Übernachtungen in Mehrbettzimmern an. Gleichzeitig gibt es auch private Zimmer, darunter etwa Deluxe-Kingsize-Zimmer mit eigener Terrasse. Entscheidend ist für uns daher nicht die klassische Einteilung in Hotel oder Hostel, sondern das Gesamterlebnis. Manche Gäste schätzen die Ruhe und Privatsphäre eines eigenen Zimmers. Andere entscheiden sich bewusst für ein Mehrbettzimmer, weil sie den Austausch mit anderen Reisenden suchen. Genau das verstehen wir unter erschwinglicher Lifestyle-Hotellerie.
Sie behaupten, Generator sei „Europas am schnellsten wachsende Hostel-Kette“. Bitte erläutern Sie uns, worauf Sie diese Aussage stützen. Sowohl A&O Hostels als auch Meininger sind zumindest gemessen an der Anzahl der Objekte und Betten deutlich größer, und die Projekt-Pipelines beider Anbieter gelten als sehr gut gefüllt.
Wir behaupten nicht, der größte Betreiber Europas zu sein, weder gemessen an der Zahl der Häuser noch an der Zahl der Betten. Es gibt zweifellos größere Anbieter auf dem Markt. Wenn wir von starkem Wachstum sprechen, geht es vielmehr darum, wie schnell und in welchem Umfang wir unser Geschäft in den kommenden Jahren ausbauen wollen. Durch die Übernahme durch Brookfield (das Investmentunternehmen hatte Generator im Jahr 2025 übernommen, Anm. d Red.) haben wir die Möglichkeit, Generator deutlich zu vergrößern. Durch neue Häuser, Zukäufe und Kooperationen mit Betreibern. Dabei geht es uns nicht allein darum, möglichst viele Betten oder Häuser hinzuzugewinnen. Unser Ziel ist es, Generator als führende Marke für bezahlbare Lifestyle-Hotellerie weiter auszubauen und unser Konzept an weitere Standorte zu bringen.

Generator strebt an, die Zahl seiner Häuser bis 2030 zu verdoppeln, das wäre dann gut 30 Standorte. Wie wollen Sie in so kurzer Zeit neue Häuser erwerben, und nach welchen Immobilien suchen Sie?
Drei Neueröffnungen sind bereits geplant. Gleichzeitig investieren wir weiter in unsere bestehenden Häuser in London, Paris, Dublin und Hamburg. Für das weitere Wachstum setzen wir bewusst auf verschiedene Wege: den Kauf bestehender Häuser, Managementverträge, die Umwandlung von Hotels sowie die Neunutzung bestehender Gebäude. Besonders interessant sind für uns zentral gelegene Immobilien, in denen wir das typische Generator-Erlebnis schaffen können. Ein Beispiel sind gut gelegene Vier-Sterne-Hotels. Aus einem Hotel mit 100 Zimmern könnte beispielsweise ein Generator mit mehr als 400 Betten entstehen.
Sie haben die Position des CEO bei Generator erst vor Kurzem übernommen, zuvor waren Sie im Management bei Club Med. Wie zufrieden sind Sie mit Ihren Häusern in Berlin und Hamburg, und in welcher deutschen Stadt wird das nächste Generator-Hostel eröffnen?
Deutschland ist für Generator ein wichtiger Markt, sowohl als Reiseziel als auch als Herkunftsmarkt für unsere Gäste. In Berlin und Hamburg sind wir bereits fest etabliert und sehen in beiden Städten noch großes Potenzial. Genauso wichtig ist es für uns, in unsere bestehenden Häuser zu investieren. So soll beispielsweise die Renovierung des Generator Hamburg bis Ende 2027 abgeschlossen sein. Bei der Suche nach einem weiteren Standort in Deutschland schauen wir uns verschiedene Städte und Möglichkeiten genau an. Wichtig sind für uns eine gute Verkehrsanbindung, eine Mischung aus nationalen und internationalen Gästen sowie ein lebendiges kulturelles Umfeld, das zu Generator passt. Welche Stadt als Nächstes dazukommt, steht aber noch nicht fest.
Das Gespräch führte Pascal Brückmann
Zum Unternehmen: Generator gehört seit 2025 zum Investmentunternehmen Brookfield. Die Marke wurde 1995 gegründet und betreibt Unterkünfte für preisbewusste Reisende mit Schwerpunkt auf Design und zentralen Lagen. Zum Portfolio gehören Häuser in Amsterdam, Barcelona, Berlin, Kopenhagen, Dublin, Hamburg, London, Madrid, New York, Paris, Stockholm, Rom und Venedig.
