Das Umweltbundesamt (UBA) hat Kriterien festgelegt, anhand derer Nachhaltigkeitszertifikate für die Hotelliste des Bundes bewertet werden. Diese sind deshalb so wichtig, da Beamte bei der Buchung eines als nachhaltig anerkannten Hotels im Rahmen ihre Dienstreise bis zu 20 Prozent höhere Übernachtungskosten geltend machen können, wenn kein passendes Hotel aus dem regulären Verzeichnis verfügbar ist.
Doch für Markus Luthe, Geschäftsführer des Hotelverbands Deutschland (IHA), sind eben diese Kriterien als Orientierung für die Buchung von Geschäftsreisen der öffentlichen Hand höchst unzureichend. In seinem Blogbeitrag „Nachhaltig amtlich“ kritisiert er mehrere Punkte.
Langfristig erkennt das UBA fünf Zertifizierungen an: Austrian Ecolabel for Tourism, EarthCheck, EU Ecolabel, Preferred by Nature und Viabono plus. Weitere Systeme wie GreenSign, Green Key, Green Globe, Travelife und Certified Green Hotels werden zunächst bis Februar 2029 übergangsweise berücksichtigt.
Luthe bemängelt, dass das Verfahren teilweise auf veralteten Grundlagen beruhe. So verweise das UBA bei GreenSign noch auf die inzwischen überholten Kategorien „Level 4 und 5“. Dies könne bei Hotels, die bereits nach dem neuen Verfahren zertifiziert sind, für unnötige Irritationen und Bürokratie sorgen.
Kritisch sieht der IHA-Geschäftsführer zudem die inhaltliche Gewichtung. Zwar unterscheide das UBA zwischen ökologischen und strukturellen Kriterien, tatsächlich stehe jedoch vor allem die ökologische Nachhaltigkeit im Mittelpunkt. Soziale und wirtschaftliche Aspekte sowie Governance würden weitgehend ausgeblendet. Für Luthe stellt sich deshalb die Frage, ob tatsächlich Nachhaltigkeit oder vor allem Umweltmanagement bewertet werde.
Auch die Bewertung der Zertifizierungssysteme selbst hält er für problematisch: Nicht die konkrete Nachhaltigkeitsleistung eines Hotels werde geprüft, sondern zunächst das jeweilige Zertifizierungssystem. Zudem könnten Hotels trotz umfangreicher Nachhaltigkeitsmaßnahmen durchs Raster fallen, wenn ihre Zertifizierung andere Kriterien abdeckt. Luthe fordert damit indirekt eine zeitgemäßere und stärker an der tatsächlichen Hotelpraxis orientierte Bewertung.
