Vor drei Jahren war das Ziel, innerhalb von fünf Jahren zehn Hotels zu betreiben. Jetzt sind Sie diesem Ziel schon sehr, sehr nahe. Hat Sie dieses Tempo selbst überrascht?
Alexander Aisenbrey: Vor drei Jahren hatten wir noch gar nicht daran gedacht, Hotels zu pachten. Den ersten Pachtvertrag haben wir Ende 2024 unterschrieben und waren zunächst der Meinung, dass das schon genügend Aufgabe ist, weil es sich bei Terra Saar um eine komplette Neuentwicklung handelt, die wir nun in Kürze eröffnen. Durch unseren Aufsichtsrat konnten wir dann weitere Kontakte generieren. Gleichzeitig hat die Dynamik auf dem Markt die Möglichkeit eröffnet, weitere Hotels zu pachten. Und so schließen wir nun das Jahr 2026 mit zehn Hotels ab.
Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Gründe für das schnelle Wachstum? Der Umstand, dass gerade andere Betreiber aufgeben müssen…?
Die Möglichkeit des schnellen Wachstums ist natürlich auch der Tatsache geschuldet, dass durch die Insolvenz von Revo über 200 Hotels auf dem Markt zur Verfügung standen. Ein weiterer Vorteil ist, dass wir in der Branche bekannt sind und dadurch Zugang zu sehr guten Kontakten haben. Und sicherlich gehört auch der Mut dazu, es einfach zu machen.
Das Spektrum an Vorreiter-Hotels reicht von Häusern wie Hilton Garden, Adagio, Ibis Budget, Ibis Style bis hin zu einem Relais & Châteaux Hotel. Erklären Sie uns bitte den roten Faden?
Im Grunde haben wir keinen roten Faden, was den Hoteltyp betrifft. Da wir drei ausschließlich in der Fünf-Sterne-Hotellerie unterwegs waren, wissen wir, was das Maximum ist, und können dieses Wissen sinnvoll bis auf ein Budgethotel herunterskalieren. Der Mix ergibt sich daraus, dass wir uns die Objekte anschauen und überzeugt sind, dass wir sie erfolgreich betreiben können. Die Grundsätze der Hotellerie sind in jedem Haus gleich: den Gast begeistern, ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bieten und langfristig wirtschaftliche Sicherheit schaffen. Deswegen werden wir auch in Zukunft ein sehr bunter Betreiber bleiben, aber nicht auf Teufel komm raus wachsen.
Wie wählen Sie denn neue Hotels und Standorte aus. Was muss ein Haus mitbringen, damit es zu Vorreiter passt?
Wir schauen uns die Standorte und die Objekte an. Am Ende ist es ein Mix aus Wirtschaftlichkeit, Standort, Objekt, Entwicklungspotenzial und dem Verhältnis zum Verpächter.
Mit dem Terra Saar entwickeln Sie erstmals ein eigenes Hospitality-Konzept von Grund auf. An welcher Stelle erfinden sie das Rad neu und ist das überhaupt möglich?
Das Rad neu zu erfinden, ist nicht nötig. Mit dem Standort in Saarburg und dem dort entstehenden Hotel ist bereits ein Alleinstellungsmerkmal gegeben. Die Region ist absolut im Aufschwung, gerade in der Ferienhotellerie. Es gibt Neuerungen, die wirklich Sinn machen, und es gibt Trends, die niemand braucht und am Ende nur Geld kosten. Unserer Ansicht nach sollten wir uns vielmehr wieder auf die Grundwerte der Hotellerie besinnen: den Gast begeistern, die Mitarbeiter begeistern und entwickeln sowie eine verlässliche Gastfreundschaft und Qualität bieten. Das ist schon Aufgabe genug. Und wenn das Haus dann die richtige Zielgruppe anspricht, ist auch der wirtschaftliche Erfolg gesichert.

Warum haben Sie sich gemeinsam mit ihren Partnern für die Rechtsform einer AG entschieden. Welche Vor- und Nachteile bringt die AG für Ihr Geschäftsmodell?
Darüber kann man trefflich streiten. Die Entscheidung fiel zwischen einer GmbH und einer AG. Mit Blick auf die Zukunft und die mögliche Weiterentwicklung von Vorreiter, aber auch im Hinblick auf unser Alter, haben wir uns für die Rechtsform der AG entschieden, da wir hier eine bessere Nachfolgeregelung treffen können.
Wie hoch ist der aktuelle Kapitalbedarf und woher stammt das Kapital?
Der größte Kapitalbedarf besteht in der Erbringung der Mietsicherheiten. Hier haben wir mit der R+V und der Betreuung durch die Napp Group einen sehr guten Partner gefunden. Auch unsere Hausbank steht uns mit großem Vertrauen gegenüber. Ansonsten haben wir keine Geldgeber. Wir finanzieren alles selbst und aus dem laufenden Geschäft, was schon ein Kraftakt ist. Wenn wir Saarburg in Kürze eröffnen, kommen wir in ruhigeres Fahrwasser, da wir dann alle Häuser operativ am Markt haben und den benötigten Cashflow erwirtschaften.
Könnte das Consultinggeschäft in der Zukunft schwieriger werden, wenn potenzielle Kunden Vorreiter zunehmend auch als Betreiber und damit als Wettbewerber wahrnehmen?
Das Consultinggeschäft läuft weiterhin stabil. Die Mandanten sehen den großen Vorteil darin, dass wir aus der Praxis beraten und die täglichen Herausforderungen selbst zu lösen haben. Natürlich müssen wir mit unseren eigenen Häusern auch die Frage, wie sich die Zukunft entwickelt, selbst angehen. Daher haben wir sehr viele Beratungsanfragen auch aus anderen Branchen, die neben unserer langjährigen Expertise gerade das praxisnahe Wissen schätzen.
Das Gespräch führte Pascal Brückmann
