News für die Hotellerie

Wie Hotels von geopolitischen Veränderungen profitieren können

Die diesjährige Veranstaltung aus der Reihe "Redebedarf" von QR Reservations stand unter dem Motto "Sag Hallo zu neuen Märkten" und fand wie immer in den Design Studios in Frankfurt statt. Tenor der Veranstaltung war: Die Hotellerie muss sich stärker um neue Märkte, Trends und Vermarktungsstrategien kümmern. Die gute Nachricht: Es gibt erfolgversprechende Strategien dafür.

Ein kleines und ein größeres Jubiläum gab es zu feiern: Die Veranstaltung Redebedarf fand zum fünften Mal statt und das Unternehmen QR Reservations feierte 30. Geburtstag. Ivo Damkot führte die gut 150 Teilnehmer durch die Unternehmenshistorie und der Blick auf ehemalige Praktiken erzeugte das ein oder andere Schmunzeln im Publikum. 1996 startet QR mit einer Handvoll Kunden und vier Mitarbeitern, heute zählt das Unternehmen 20 Beschäftigte und betreut rund 300 Hotels.

Der internationale Hotelmarkt wächst weiter

Denise Seeholzer vom Hoteldatendienstleister STR zeichnete ein insgesamt positives Bild des Hotelmarkts. Trotz schwächerem Wachstum bei Angebot und Nachfrage steigen Auslastung und Zimmerpreise in vielen Regionen weiter. Europa profitiert von hoher Freizeitreisenachfrage und zusätzlichen Gästen aus den USA. In Deutschland legte die Auslastung zu, während die durchschnittlichen Zimmerpreise weitgehend stagnierten. Für die kommenden Jahre erwartet STR weiteres Wachstum bei Umsatz und Ertrag, wobei die Buchungsfenster immer kürzer werden.

Neue Quellmärkte eröffnen Chancen für die deutsche Hotellerie

Markus Tressel, früher MdB und Obmannn im Tourismusausschuss des Bundestages, heute Chef des Politikberatungsunternehmens Trepublica und Präsident des Travel Industry Club, spannte den Bogen von geopolitischen Krisen bis zu deren Folgen für den Tourismus. Seine zentrale These: Reiseströme orientieren sich zunehmend an Sicherheit, Stabilität und Verlässlichkeit. Deutschland und der DACH-Raum sind hier besonders gut aufgestellt und könnten daraus einen Wettbewerbsvorteil ziehen. Hotels riet Tressel, geopolitische Entwicklungen stärker in Marktstrategien einzubeziehen, neue Quellmärkte wie etwa Indien und Südamerika, insbesondere Brasilien und Mexiko, in den Blick zu nehmen und ihr Sicherheits- und Qualitätsversprechen aktiv zu kommunizieren.

Was erwarten die neuen Gäste?

Coach und Autor Markus Milz knüpfte an die geopolitischen Ausführungen an und übersetzte sie in konkrete Anforderungen für Hotels. Sein Plädoyer: Neue Quellmärkte erschließen sich nicht über Standardangebote, sondern über das Verständnis von Bedürfnissen und Erwartungen der Gäste. Entscheidend seien verlässliche Basisleistungen, persönliche Ansprache und ein Service, der sich an individuellen Reiseanlässen orientiert. Technologie könne dabei unterstützen, Freiräume für mehr Gastorientierung zu schaffen.

Stark bei Mice und neue Chancen jenseits der Kernmärkte

In der von QR-Chefin Carolin Breuer moderierten Podiumsdiskussion wurde deutlich, wie stark geopolitische Entwicklungen inzwischen die Rahmenbedingungen für die Hotellerie prägen. Gleichzeitig herrschte Einigkeit darüber, dass der heimische Markt für viele Betriebe das stabile Fundament bleibt. Matthias Schulze vom German Convention Bureau verwies auf die führende Stellung Deutschlands im internationalen Mice-Geschäft. Diskutiert wurde zudem, dass asiatische Quellmärkte bislang nicht überall die Aufmerksamkeit erhalten, die ihrem Potenzial entspricht. Chancen sehen die Branchenvertreter auch im Bleisure-Segment: Bereits zwei Drittel der deutschen Geschäftsreisenden verlängern ihren Aufenthalt privat, im Schnitt um fast drei Tage. Für Hotels bedeutet das einen zusätzlichen Umsatz von durchschnittlich 278 Euro.

Große Chancen trotz Unsicherheiten

Carolin Breuer zog ein positives Fazit. Die Beiträge und Diskussionen hätten gezeigt, wie eng geopolitische Entwicklungen, Marktdaten und operative Hotelpraxis inzwischen miteinander verknüpft sind. Zugleich sei deutlich geworden, dass die Branche trotz vieler Unsicherheiten über erhebliche Wachstumschancen verfügt, wenn sie neue Märkte und Gästebedürfnisse frühzeitig in den Blick nimmt.

Frank Winter