Novum-Eigentümer suchen Schulterschluss mit der Belegschaft
Es gab einigen Wirbel rund um die Hamburger Hotelgesellschaft Novum Hospitality. Jetzt meldet sich Geschäftsführerin Samira Etmenan (Foto) im Gespräch mit Hotel vor9 ausführlich zu Wort. Sie betont das Miteinander mit Belegschaft und Partnern und erklärt, dass sie das Familienunternehmen gemeinsam mit ihren Geschwistern in eine stabile Zukunft führen wolle.
Novum Hospitality
Novum-CEO Samira Etmenan betont im Gespräch mit Hotel vor9, dass Mitbestimmung ein hohes Gut sei
Es ist einiges passiert und auch viel geschrieben worden über Novum Hospitality in den vergangenen Wochen. In Mainz wurde überraschend einer kompletten Hotelbelegschaft gekündigt, wenig später der Aufsichtsrat der Gruppe aufgelöst. Gleichzeitig gab das Unternehmen die Rückkehr in die Hotelverbände Dehoga und IHA bekannt und damit ein Bekenntnis zur Tarifbindung ab. Und parallel laufen im Hintergrund gerade organisatorische Veränderungen in der Hotelgruppe, die im Besitz der Familie Etmenan ist.
Gemeinsam mit ihren Geschwistern will Samira Etmenan Novum Hospitality langfristig erfolgreich weiterentwickeln und das Unternehmen zu gegebener Zeit an die dritte Generation der Familie übergeben. Das ist eine der zentralen Botschaften des Exklusivgesprächs mit Hotel vor9. Ein Verkauf an einen Investor komme für die Eigentümerfamilie nicht infrage. Das Lebenswerk des Vaters solle auch künftig in Familienhand bleiben. In dem Gespräch wird aber auch deutlich: Es ist eine enorme Verantwortung, die auf den Schultern der Geschwister Etmenan lastet.
Die vergangenen Jahre seien von einem starken Wachstum geprägt gewesen, so Etmenan. Manchmal sei einiges vielleicht auch zu schnell erfolgt, die Expansion zu aggressiv gewesen, räumt sie ein. Nun aber richte das Unternehmen den Fokus bewusst darauf, die Organisation weiter zu stärken und Prozesse nachhaltig auszubauen. "Unser Fokus liegt künftig auf Qualität, Stabilität und unseren Mitarbeitenden. Wir möchten Novum Hospitality nachhaltig weiterentwickeln und gemeinsam die Zukunft gestalten", macht Etmenan klar.
KfW-Kredite vollständig zurückgeführt
Die im Zuge der Corona-Pandemie aufgenommenen KfW-Kredite in Höhe von 45 Millionen Euro wurden laut Etmenan im Jahr 2025 vollständig zurückgezahlt. Dennoch bestehen weiterhin erhebliche Verbindlichkeiten, insbesondere aus gestundeten Miet- und Pachtzahlungen. Die Refinanzierung dieser Verpflichtungen bleibt damit ein zentrales Thema für die weitere Unternehmensentwicklung.
Angesichts steigender Zinsen und zurückhaltender Banken ist das kein Spaziergang. Doch Etmenan ist zuversichtlich: Mit den Finanzierungspartnern stehe man in einem engen und partnerschaftlichen Austausch. Die finanzielle Stabilität des Unternehmens habe für die Eigentümerfamilie "oberste Priorität". Ziel sei es, Novum Hospitality langfristig solide und zukunftssicher aufzustellen.
"Schulter an Schulter mit den Arbeitnehmervertretern zusammenarbeiten"
Auffällig ist, wie stark Etmenan das Miteinander mit der Arbeitnehmerschaft betont. "Wir möchten Schulter an Schulter mit den Arbeitnehmervertretern zusammenarbeiten und die Anliegen unserer Mitarbeitenden gemeinsam konstruktiv lösen. Mitbestimmung ist für uns ein hohes Gut", sagt sie klar und deutlich. Im Zusammenhang mit den Vorgängen in Mainz sehe man rückblickend bei einzelnen Abläufen und in der Kommunikation Verbesserungspotenzial. Gleichzeitig seien einzelne Darstellungen in der bisherigen Berichterstattung aus Sicht des Unternehmens nicht vollständig gewesen. Tatsächlich hätten die Maßnahmen lediglich ein Hotel sowie eine geringere Anzahl von Mitarbeitenden betroffen als teilweise berichtet.
Zur künftigen organisatorischen Aufstellung, etwa zur Frage, ob Bereiche wie Housekeeping oder Haustechnik über Zentralgesellschaften gebündelt werden, gebe es derzeit noch keine abschließenden Entscheidungen. Das Unternehmen befinde sich in einem konstruktiven Austausch mit den zuständigen Gremien sowie den Arbeitnehmervertretern. Ziel sei es, gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln und anschließend transparent darüber zu informieren.
Pascal Brückmann