In der Erklärung fordert der Dehoga Sachsen-Anhalt eine handlungsfähige Landesregierung, die sich zu Weltoffenheit und einer klaren Fachkräfte- und Zuwanderungspolitik bekennt. Der Verband verweist auf Gästeanfragen, wonach Reisende Sachsen-Anhalt aus Sorge vor der politischen Lage meiden würden. Weiter führt der Dehoga aus, dass ohne qualifiziertes Personal aus dem In- und Ausland weitere Betriebsschließungen im Land drohen würden. Die AfD wird in dem Statement namentlich nicht genannt.
Gegenüber Hotel vor9 erklärte Dehoga-Präsident Michael Schmidt, dass er die Pressemitteilung an die AfD adressiert hat, auch wenn diese nicht explizit erwähnt werde. Es gehe ihm primär darum, dass es nach der Wahl keine Hängepartie gebe, sondern das Land zügig eine Regierung erhalte. Mit dieser wolle der Dehoga in den Dialog treten und die Themen sowie Sorgen der Branche erörtern.
Der Dialog müsse "oberste Priorität" für die neue Regierung haben, findet der Dehoga-Präsident. Der Appell richtet sich ausdrücklich an den "zukünftigen Ministerpräsidenten" und alle demokratischen Gremien, erläutert Schmidt gegenüber unserer Redaktion. Konkrete Angaben zur Größenordnung der erfolgten Stornierungen könne er allerdings nicht machen.
Wie dem auch sein. Auf wirklich viel Zustimmung im Netz stoßen die Forderungen des Dehoga-Landesverbands nicht, wohl aber auf eine unbestritten gewaltige Resonanz. Am Mittwochnachmittag hatte der Zähler für die abgegebenen Kommentare bei Facebook die Marke von 3.000 überschritten. Die deutliche Mehrheit der Kommentare richtet sich dabei, mit teils sehr drastischen Formulierungen, explizit gegen den Verband.
Die Kritik reicht dabei vom Vorwurf, der Dehoga schade mit seiner Kommunikation dem eigenen Reiseland, bis hin zu Aufrufen, über einen Verbandsaustritt nachzudenken. Auch von "wirtschaftsschädigende Panikmache" war die Rede. Gleichzeitig fordern andere Kommentatoren eine noch deutlichere politische Positionierung des Verbandes und eine klare Abgrenzung zur AfD.
Pascal Brückmann
