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29. Juli 2026 | 07:00 Uhr
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Ohne Steigenberger steht der Sonnenhof besser da

Sechs Monate nach der Trennung von Steigenberger zieht das nun eigenständige Fünf-Sterne-Hotel Sonnenhof in Bad Wörishofen eine positive Bilanz. Auch ohne die große Marke und das Steigenberger-Netzwerk steigen die Umsätze weiter. General Manager Rolf Wernicke (Foto) erklärt, warum er den Schritt in die Unabhängigkeit nie als Risiko empfunden hat.

General Manager Rolf Wernicke Der Sonnenhof Bad Wörishofen

General Manager Rolf Wernicke steht auch ohne die große Marke Steigenberger gut da

Rolf Wernicke kennt den Sonnenhof besser als die meisten. Nach dem Abitur begann er dort seine Ausbildung zum Hotelfachmann, später kehrte er ein zweites Mal nach Bad Wörishofen zurück. Und nach einem zwischenzeitlichen Abstecher in die Shoppingcenter-Branche heuerte der heute 39-Jährige im April 2023 erneut dort an, wo seine Karriere begonnen hatte. Diesmal als General Manager – und ausgestattet mit dem Auftrag, das Haus in eine neue Phase zu führen.

Was Wernicke bei seiner Rückkehr vorfand, war ein Hotel im Umbruch. Die goldenen Zeiten des Kurbetriebs, als Krankenkassen die Bäder füllten und Damen im Pelzmantel dem Oberkellner Trinkgeld für den besten Tisch zuschoben, waren längst vorbei. "Viele dieser Gäste sind von uns gegangen – im wörtlichen Sinne", sagt Wernicke. Die Stammklientel war mit dem Haus gealtert, die Zielgruppe geschrumpft.

Vom Kurhotel zur eigenständigen Marke für neue Zielgruppen

Doch der Eigentümer, die DEVK-Versicherung in Köln, hatte erkannt, dass man das Hotel verändern und neu positionieren musste, um auch künftig am Markt bestehen zu können. Dabei beschränkte man sich nicht auf einen neuen Internetauftritt oder eine eigene Social-Media-Strategie, man investierte auch in den Standort. Nicht zuletzt der 2019 gebaute Infinity-Außenpool half dabei, dem Hotel neue Zielgruppen zuzuführen.

Im Zuge der Veränderungen sei dann auch die Partnerschaft mit Steigenberger, die über rund 20 Jahre bestand, auf den Prüfstand gestellt worden. Die Ausgangslage dafür war immer gegeben. "Wir hatten uns zu keiner Zeit abhängig gemacht", betont Wernicke. Das Hotel unterhielt stets eigene Teams für Reservierung, Einkauf und Marketing. Der Weg zur Trennung brauchte rund zwei Jahre – ein erstes Jahr für die interne Überlegung, anschließend noch ein Jahr nach der Kündigung des Vertrages. Ende 2025 war die Trennung dann vollzogen und die Steigenberger-Logos gehörten der Vergangenheit an.

Am Tag X war die ganze Arbeit schon erledigt

Den operativen Wechsel beschreibt Wernicke als "nicht wild". Man habe zunächst das neue Corporate Design intern entwickelt. Ab dem Tag der Entscheidung wurde jede Neubestellung bereits mit dem neuen Logo versehen. Die größte Herausforderung lag laut dem General Manager nicht bei Systemen oder Schildern, sondern bei den weichen Faktoren: Die Mitarbeiter verloren mit dem Ausstieg ihre vergünstigten Übernachtungsmöglichkeiten in Steigenberger-Häusern. "Das war ein sehr emotionales Thema", räumt Wernicke ein. Man habe daher alternative Partnerprogramme verhandelt, um diesen Verlust aufzufangen. Und für die Stammgäste setzte das Hotel ein neues Loyalty-Programm über einen österreichischen Anbieter auf, der automatisiert über das PMS Punkte gutschreibt und per Mail zur Einlösung einlädt.

Der Sonnenhof Bad Wörishofen Hotel Pool

Strategisch nutzt der Sonnenhof die Eigenständigkeit, um auch Regeln zu lockern, die unter dem Einfluss einer überalterten Stammgästeschaft entstanden waren. Kinder unter 16 durften zuvor etwa nur bis 14 Uhr in den Pool. Mittlerweile gilt während der bayerischen Schulferien eine Öffnung von 10 bis 18 Uhr. "Die Enkel sind die Gäste von morgen", ist Wernicke überzeugt. Das Haus mit seinen 156 Zimmern, drei Restaurants, großem Spa-Bereich und einem Tagungszentrum für bis zu 400 Personen positioniere sich jetzt als Ganzjahresresort für mehrere Generationen.

Wirtschaftliche Bilanz nach sechs Monaten äußerst positiv

Die wirtschaftliche Bilanz nach einem halben Jahr fällt laut Wernicke positiv aus: Das Hotel verzeichne erkennbares Wachstum, die zuvor über das Steigenberger-Netzwerk generierten Buchungen seien sogar überkompensiert worden. Das frei gewordene Budget nutze man nun für eigenes Marketing und regelmäßige Influencer-Kooperationen.

Kollegen in ähnlicher Lage rät Wernicke, nüchtern zu rechnen: Wie viel Umsatz bringt der Partner tatsächlich? "Wer große Individualität will, der sollte vielleicht auf so eine Partnerschaft verzichten", sagt er. Gleichzeitig warnt er vor Pauschalurteilen: Lage, Abhängigkeitsgrad und Geschäftsmodell spielten bei der Entscheidung eine zentrale Rolle. Und die Steigenberger-Zeit will man trotzdem nicht missen. "Steigenberger war ein sehr guter und professioneller Partner."

Pascal Brückmann

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