News für die Hotellerie

Wie Hospitality X Hotels mit dem richtigen Thema verbindet

Was kommt eigentlich dabei raus, wenn die nächste Generation ein Hotelunternehmen gründet? In Düsseldorf lässt sich das gerade eindrucksvoll beobachten. Dort haben Otto Konstantin Lindner (34, rechts) und Tobias Oberdieck (41, links) vor vier Jahren Hospitality X gegründet. Ihr Ansatz: Hotellerie konsequent mit branchenfremden Themen verbinden.

Otto Konstantin Lindner hätte es sich leicht machen können. Als Enkel des Lindner-Hotels-Gründers und Sohn von Otto Lindner wäre der Weg ins Familienunternehmen vorgezeichnet gewesen. Stattdessen ging er nach Los Angeles, baute dort für den Consulting-Bereich der Deutschen Bahn ein Team von fünf auf 75 Berater auf und lernte, was es heißt, innerhalb eines Konzerns ein Startup hochzuziehen. Tobias Oberdieck, 41, hatte über zehn Jahre lang bei Lindner Hotels gearbeitet, zuletzt als Corporate Director Business Development. Er kennt die Mechanismen der klassischen Hotelbranche bis ins Detail. Was beide eint: ein über Jahre gewachsener, zunehmend kritischer Blick auf die eingefahrenen Strukturen der Branche.

Auf Trendreisen weltweit sahen sie, wie Hotels anderswo gedacht werden, und fragten sich, warum in Deutschland so vieles beim Alten bleibt. Warum Eigentümer ihre Häuser an Franchise-Ketten abgeben und damit die Hoheit über ihre Gästedaten verlieren? Warum Hotelkonzepte aus dem Franchise-Handbuch kommen statt aus der Immobilie heraus? Und warum kaum jemand fragt, was ein Standort wirklich braucht, bevor eine Marke darübergestülpt wird?

Als Corona kam, reifte die Überzeugung, dass die Zeit reif war, um mit einem neuen, eigenen Konzept durchzustarten. Mitte 2022 gründeten die Jungunternehmer Hospitality X in Düsseldorf. Nicht als Ableger des Familienunternehmens, sondern als eigenständige Firma mit einer klaren These: Hotels brauchen keine Franchise-Marke, um erfolgreich zu sein. Sie brauchen ein Konzept, das zur Immobilie passt, und Eigentümer, die Herr ihrer eigenen Daten bleiben.

Das Unternehmen ist vollständig in Familienhand

Das Konzept überzeugte die Familien, die als Gesellschafter hinter Hospitality X stehen. 75 Prozent liegen bei der Familie Lindner, aufgeteilt auf Otto Konstantin, seinen Bruder Max und seine Schwester Josephine. Letztere verantwortet mit Hospitality X Invest den Investmentbereich des Unternehmens und führt als Geschäftsführerin das Hotel Vier Jahreszeiten am Schluchsee im Schwarzwald. Die übrigen 25 Prozent des Unternehmens liegen bei Tobias Oberdieck, dessen Familie sich ebenfalls finanziell beteiligte.

Vater Otto Lindner sitzt dem Beirat vor, externe Investoren oder Bankenbeteiligungen gibt es nicht. „Wir haben keine Gesellschafter im Nacken, die uns zwingen, neue Projekte zu machen", betont Otto Konstantin Lindner. Hospitality X wächst aus eigener Kraft und entscheidet selbst über Tempo und Richtung. Das Ergebnis nach drei Jahren kann sich mehr als sehen lassen: 70 Millionen Euro Revenue under Management, rund 500 Mitarbeiter, sechs Hotels und sogar ein Parkhaus. Und alle Geschäftseinheiten und auch die Zentrale arbeiten bereits profitabel.

Jedes Hotel wird mit einem branchenfremden Thema verknüpft

Doch was genau ist eigentlich neu, was ist anders bei Hospitality X? Der Kern des Geschäftsmodells steckt im Namen selbst. Das X steht für Crossing: Jedes Hotel wird mit einem branchenfremden Thema verknüpft, das zum Standort passt, zusätzliche Zielgruppen erschließt und das Haus klar vom Wettbewerb abgrenzt.

Im Düsseldorfer Flaggschiff The Zipper ist es das Thema Healthcare: 168 Apartments über einer Facharztklinik, deren Patienten und Angehörige zu Hotelgästen werden. Beim Curve Hotel in Leverkusen ist der Sport das Leitmotiv: Logenvermarktung und Events an der BayArena bringen Umsatz jenseits der klassischen Übernachtung. Am Schluchsee im Schwarzwald verbindet Hospitality X Hotellerie mit Familie und Bewegung, am Nürburgring mit Großevents und Motorsport.

Mindestens 50 Prozent Eigenvermarktung lautet das Ziel

„Wir sind fest überzeugt, dass man einzigartige Konzepte entwickeln kann, wenn man andere Themen mit der Hospitality verbindet", sagt Lindner. Erst dieses X mache aus einer austauschbaren Hotelimmobilie ein Haus mit eigenem Profil und eigener Ertragskraft. Deshalb bekommt jedes Projekt eine eigene Marke, eine eigene Story und ein eigenes Konzept. Eine übergeordnete Dachmarke hingegen gibt es nicht.

Um diese Konzepte nicht nur zu entwerfen, sondern auch umzusetzen, haben die Gründer die sogenannte X-Methode entwickelt: ein strukturierter Prozess in vier Schritten von der Analyse (Define) über Markenentwicklung (Design) und Umsetzung (Deliver) bis zum laufenden Performance-Management (Drive). Der Anspruch: jedes Hotel auf mindestens 50 Prozent Eigenvermarktung zu bringen, statt den Großteil der Buchungen über Franchise-Kanäle laufen zu lassen.

Dass der Markt diesen Ansatz zunehmend honoriert, zeigt die Pipeline: Für 2027 steht ein weiteres Betreiberprojekt in Aussicht, dazu kommen voraussichtlich drei bis vier Beratungsmandate. Auch Städte und Kommunen melden sich inzwischen, wenn es um Quartiersentwicklungen mit Hospitality-Komponente geht.

Pascal Brückmann

Lesen Sie in den nächsten Tagen bei Hotel vor9: Wie Hospitality X sein Portfolio aus sechs Hotels und einem Parkhaus aufgestellt hat und was das Konzept des Düsseldorfer Flaggschiffs The Zipper so besonders macht.