News für die Hotellerie

Suzann Heinemann will nichts weniger als die Welt retten

Sie hat mit ihrer Tante ein Hotel gekauft und ein paar Jahre später ein Beratungsunternehmen gegründet. Dann wollte sie auch noch die Welt retten und hat das Greensign Institut für Nachhaltigkeitszertifizierung in der Hotellerie etabliert. Warum Suzann Heinemann gerne mal Jürgen Klopp treffen würde, erzählt sie im Gästebuch von Hotel vor9.

Was war Ihr Traumberuf als Kind?
Goldschmiedin! Das mit dem "die Welt retten" kam erst viel später.

Wie sind Sie in die Hotellerie gekommen?
Als gelernte Industriekauffrau mit Schwerpunkt Personal hatte ich mit der Branche eigentlich gar nichts am Hut, bis ich mit meiner Tante zusammen Anfang der Neunziger ein Tagungshotels in Brandenburg von der damaligen Treuhand gekauft habe. Das war knallhartes "Learning by doing"! 1999 folgte die eigene Beratung, 2001 Greenline Hotels und schließlich die Spezialisierung auf Nachhaltigkeit.

Welche Entscheidung in Ihrem Berufsleben hat Ihre Karriere besonders geprägt?
Der scharfe Gegenwind auf einer Konferenz 2014 in Luzern. Hier wurde mir die Frage gestellt, warum ich ein eigenes Nachhaltigkeitszertifikat entwickelt habe, wo es doch schon so viele im Markt gibt. Statt mich gekränkt zurückzuziehen, hat mich die Kritik erst richtig motiviert: Ich bin nach Hause gefahren und habe das Greensign Institut gegründet, um zu beweisen, dass nachhaltige Hotellerie wissenschaftlich fundiert und praxistauglich messbar geht. Und natürlich die Übernahme unseres Schlosshotels Blankenburg mit meinem Mann Frank als unser echtes Praxislabor.

Wie sieht für Sie das Hotel der Zukunft aus?
Ein Betrieb, in dem Nachhaltigkeit ganz selbstverständlich als normale Unternehmensführung läuft. Aber vor allem: eine perfekte Kombination aus echter menschlicher Herzlichkeit und moderner Technologie wie Robotik.

Was lieben Sie an Ihrem Job?
Die Vielfalt, die Veränderung und all die tollen Menschen in der Hospitality! Ich liebe es, wenn wir auf Events zusammenkommen, Netzwerken und neue Ideen ausprobieren. Denn: "Was mit dem Herzen gemacht wird, kann nur gut werden."

Was nervt Sie am meisten?
Das ganze Politikgeschwafel, die Bürokratie und das ständige Verkopfen! Dass man sich vor lauter Formularen, Erlaubnissen und Bedenken selbst im Weg steht, statt Dinge einfach mal hemdsärmelig anzupacken und zu machen.

Was kann die Hotellerie in Deutschland von Kollegen im Ausland lernen?
Mut bei Digitalisierung, KI und Robotik! In Asien fahren Kofferroboter ganz selbstverständlich durchs Haus. Das nimmt den Teams monotone Arbeit ab, ohne dass man auf echte menschliche Wärme verzichten muss.

Was war Ihr prägendstes Erlebnis in einem Hotel?
Der spürbare Kulturwandel! Weg vom alten Silodenken und der Angst vor der Konkurrenz, hin zu echten Communities, Barcamps und Best-Practice-Austausch auf Augenhöhe.

Ein Jahr Auszeit – was würden Sie machen?
Man müsste mir schon mein Büro zuschließen und das Betreten verbieten! Dann würde ich ein Jahr lang weltweit von Hotel zu Hotel, von Resort zu Boutiquehotel und in nachhaltige Manufakturen reisen, um mir auf allen Kontinenten die besten Praxisbeispiele anzuschauen.

Wie schalten Sie ab?
Durch sportliche Bewegung an der frischen Luft – ob Laufen, Schwimmen, Wandern, Skifahren oder Golfen.

Welches Buch lesen Sie gerade?
Ein Fachbuch über Neurowissenschaften und Neuroleadership.

Welchen Film haben Sie zuletzt im Kino gesehen?
"Der Teufel trägt Prada 2". Mit meinen Freundinnen, wir gehen so selten ins Kino.

Ihr Lieblingsessen?
Im Büroalltag am liebsten leicht und asiatisch. Am Wochenende oder abends darf es aber auch sehr gerne italienische Pasta sein.

Wohin geht’s im nächsten Urlaub?
Zum Wandern in den Harz für eine kurze Auszeit.

Wen würden Sie gerne mal treffen und warum?
Jürgen Klopp! Mich begeistert, wie er Menschen hinter einer gemeinsamen Idee versammelt. In der Hotellerie beschäftigt mich genau dasselbe: Wie machen wir aus einer guten Haltung etwas, das das ganze Team begeistert trägt?

Wie und wo wollen Sie alt werden?
Fragt mich das in 40 Jahren nochmal – so weit bin ich mit meinen Gedanken noch lange nicht!

Suzann Heinemann ist Gründerin und Geschäftsführerin des Greensign Instituts für Nachhaltigkeitszertifizierungen in der Hotellerie. Die gelernte Industriekauffrau und Hoteleigentümerin gründete 1999 ihr eigenes Beratungsunternehmen. Als Expertin, Dozentin sowie Leiterin des Fachkreises Sustainability der Hospitality Sales & Marketing Association (HSMA) treibt sie grüne Transformation, Lehre und Vernetzung in der Branche voran.