News für die Hotellerie

Thomas Edelkamp – Romantiker von Berufs wegen

Thomas Edelkamp ist Vorstandsvorsitzender der Romantik Hotels und übernachtet – wenig überraschend – sehr oft in Hotels, sodass ein Urlaub im Ferienhaus eine willkommene Abwechslung für ihn darstellt. Im Job muss er überzeugen, statt anzuweisen, denn er hat es immer mit Eigentümern zu tun. Alles Weitere erzählt er im Gästebuch von Hotel vor9.

Was war Ihr Traumberuf als Kind?
Pilot war immer mein Traumberuf, die "Freiheit über den Wolken" - und natürlich war die 747 das Ziel.

Wie sind Sie in die Hotellerie gekommen?
Schon sehr früh über meine Tante, bei der ich schon in jungen Jahren in der Gastronomie ausgeholfen habe. Meine Ausbildung folgte dann im Parkhotel Wehrle in Triberg als Hotelkaufmann.

Welche Entscheidung in Ihrem Berufsleben hat Ihre Karriere besonders geprägt?
Meinen Berufsweg international gestalten zu wollen und über zehn Jahre im Ausland gearbeitet zu haben

Wie sieht für Sie das Hotel der Zukunft aus?
Digital in allen Prozessen, radikal menschlich im Kontakt. Alles, was Technik besser kann – Suche, Buchung, Abrechnung, Check-in – wird verschwinden, weil es unsichtbar wird. Übrig bleibt genau das, was schon immer den Unterschied gemacht hat: ein Haus mit Gesicht und ein Gastgeber, der da ist. Das Hotel der Zukunft sieht dem Hotel der Vergangenheit ähnlicher, als viele denken. Was sich radikal ändert, ist der Weg dorthin: Der Gast fragt künftig eine KI, nicht eine Suchmaschine – und wenn ein Haus dort nicht vorkommt, existiert es für diesen Gast nicht.

Was lieben Sie an Ihrem Job?
Dass ich es mit Eigentümern zu tun habe, nicht mit Filialleitern. Jeder unserer Gastgeber hat sein eigenes Haus, seine eigene Handschrift, sein eigenes Risiko. Das macht jedes Gespräch anders – und es zwingt einen, zu überzeugen, statt anzuweisen.

Was nervt Sie am meisten?
Die Auszeichnungs-Inflation. Es gibt im deutschsprachigen Raum weit über fünfzig Award-Systeme, und ein erheblicher Teil davon ist im Kern ein Geschäftsmodell: Man kauft eine Urkunde und hängt sie an die Wand. Das entwertet die echten Auszeichnungen und, schlimmer, es entwertet die Empfehlung des Gastes – die einzige Währung, die man nicht kaufen kann.

Was kann die Hotellerie in Deutschland von Kollegen im Ausland lernen?
Das Berufsbild. In Frankreich, Italien und der Schweiz ist Gastgeber ein Beruf, auf den man stolz ist. Bei uns gilt er zu oft als Übergangslösung. Zweitens: Selbstbewusstsein beim Preis. Wer ein gutes Produkt hat, darf dafür Geld verlangen, ohne sich zu entschuldigen. Und drittens: Tempo bei der Digitalisierung. Da sind uns die Skandinavier Jahre voraus.

Was war Ihr prägendstes Erlebnis in einem Hotel?
Ein fast missratenes Bankett mit Lady Di.

Ein Jahr Auszeit – was würden Sie machen?
Mit dem Rad quer durch Europa – von Romantik Hotel zu Romantik Hotel. Ich habe das tatsächlich schon einmal durchgeplant. Jeden Abend ein anderes Haus, jeden Abend ein anderer Gastgeber am Tisch. Bessere Marktforschung gibt es nicht.

Wie schalten Sie ab?
In guter Gesellschaft bei anregenden und inspirierenden Gesprächen

Welches Buch lesen Sie gerade?
Eines der letzten Bücher war die Enzyklika von Papst Leo XIV. "Magnifica Humanitas".

Welchen Film haben Sie zuletzt im Kino gesehen?
Kino war gestern, Netflix ist heute: "Beste Freunde".

Ihr Lieblingsessen?
Grünkohl.

Wohin geht’s im nächsten Urlaub?
Ein Ferienhaus am Meer, mit Pool, zu zweit – ausgerechnet, ja. Nach vielen Hotelnächten im Jahr ist Selbstversorgung Erholung.

Wen würden Sie gerne mal treffen und warum?
Marc Zuckerberg, um mit ihm über die Entwicklung vom ursprünglichen Gedanken von Social Media bis heute zu sprechen und möglicherweise zu verstehen, wo er denkt, dass die Reise hingeht.

Wie und wo wollen Sie alt werden?
Nicht allein und nicht still. Ein Ort mit Menschen um mich herum, kurze Wege, Restaurants in Laufweite. München erfüllt das ganz gut. Ein bisschen Meer in Reichweite wäre der Luxus obendrauf, und das hat Oslo.

Thomas Edelkamp ist gelernter Hotelkaufmann und hat einen Master of Business Administration in Zürich erworben. Ab 2001 verantwortete er bei Accor die Positionierung der Marken Novotel und Mercure in Deutschland und rückte danach in die Geschäftsleitung von Accor Deutschland auf. Seit Januar 2015 ist er Vorstandsvorsitzender der Romantik Hotels & Restaurants AG. Die 1972 gegründete Kooperation umfasst rund 200 Hotels in Europa.