Die Stimmen der Branche zur Revo-Insolvenz
Die Insolvenz der Revo Hospitality Group sorgt weiter für Diskussionen. Hotel vor9 hat Stimmen von Verpächtern, Mitarbeitern, Hoteliers und Brancheexperten gesammelt. Sie äußern scharfe Kritik am Geschäftsgebaren von Revo, schildern große Verunsicherung sowie Betroffenheit und ordnen den Fall als Warnsignal für die Branche ein.
Revo
Die Revolution ist gescheitert: Die Revo Hospitality Group hat Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt
"Für mich war die jetzige Situation absehbar. Alles deutet darauf hin, Revo hatte keine Kommunikation mit uns als Verpächter, sie haben einfach nicht die Pacht gezahlt, als wenn das für Revo selbstverständlich wäre. Die haben sich als 'Schwergewicht der Hotellerie' bezeichnet, bekamen aber die einfachsten kaufmännische Dinge nicht geregelt. Ein rücksichtsloses Benehmen konnten wir erfahren, nur auf höchsten Druck kamen wir an unser Geld; aber auch alle Lieferfirmen, alle Dienstleister!
Ich halte eine Insolvenz in Eigenverantwortung für falsch und gefährlich! Der Konzern hat gezeigt, dass ER die Hotellerie nicht beherrscht! Jetzt zahlt die Allgemeinheit drei Monate die Personalkosten, Fabrikanten und Zulieferer werden auf 8 bis 10 Prozent der offenen Rechnungen reduziert, gleiches gilt für die Verpächter, und dann geht es für Revo weiter! Dieses Geschäftsmodell, kann und darf man nicht unterstützen! Es gibt so viele gesunde Hotelbetriebe mit serösem kaufmännischem Hintergrund. Betriebe, die gelernt haben zu wirtschaften, diese Betriebe gilt es zu unterstützen."
Ehemaliger Verpächter, Name der Redaktion bekannt
"Obwohl es immer mehr Probleme gab, war die Meldung der Insolvenz für einen Teil der Kollegen dennoch überraschend. Die Reaktionen sind auch Tage danach größtenteils Ärger über die Zentrale und deren Verantwortliche, die schöne Sprechblasen ausgegeben haben, obwohl zumindest dort schon länger bekannt war, wie die Lage ist. Die für die Presse angegebenen Gründe werden als Ausflüchte gesehen, da auch hier nicht einmal ein Andeuten eigener Fehler zu erkennen ist.
Es herrscht aber auch große Angst, vor allem bei älteren Kollegen, wie es nach dem März weitergeht. Zwar gibt es Vertrauen in Direktion und Abteilungsleitungen, doch auch diese haben auf viele Fragen keine Antworten. Das beginnt bei grundlegenden Themen wie der Frage, welcher Zulieferer oder Dienstleister noch kommt, und reicht bis zum Umgang mit Gästen (z. B. wenn diese vor dem Tag der Insolvenzanmeldung bereits angezahlt haben). Auch einige Tage danach gibt es unter den Kollegen weiterhin hitzige Gespräche. Viele hoffen, Revo verlassen zu können. Kündigungen sind so kurz nach der Information jedoch noch nicht zu beobachten."
Hotel-Mitarbeiter in einer Revo-Betreibergesellschaft, Name der Redaktion bekannt
"Die Nachricht von der Insolvenz der Revo Hospitality Group hat mir sehr leid getan. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass eine Insolvenz in Eigenverwaltung eine hohe Unsicherheit mit sich bringt und für alle Beteiligten eine enorme Belastung ist – vor allem auch für die Mitarbeitenden und die Gläubiger. Entscheidend ist, dass alle Seiten verantwortungsvoll und lösungsorientiert miteinander umgehen, denn nur so kann der Hotelbetrieb stabilisiert und können tragfähige Lösungen für die Zukunft gefunden werden."
Adrian Lindner, CEO Lindner Hotel Group
"Bei allem, was jetzt diskutiert wird, sollten wir zuerst an die Menschen denken, die davon betroffen sind, an Mitarbeiter ebenso wie an Partner und Zulieferer. Eine Insolvenz ist für alle Beteiligten eine große Belastung. Schadenfreude oder vorschnelle Bewertungen helfen niemandem. Für die Branche insgesamt ist dies ein Moment, genau hinzuschauen, welche Strukturen langfristig verantwortungsvoll und tragfähig sind."
Marco Nussbaum, Hotelier und Unternehmer
"Vor einem Jahr startete Ruslan Husry am Rande des International Hotel Investment Forums in Berlin eine 'Hotel-Revolution', wie er das damals nannte. Revo wollte die Hospitality neu erfinden. Grundlage war das schnelle Wachstum, das Revo zu einem der größten White-Label-Unternehmen in Europa machte. Doch Größe allein schützt nicht vor dem Zusammenbruch, wie die Fälle Wirecard oder Signa zeigen. Nun ist eingetreten, was viele schon lange gemunkelt haben. Warum haben die Beteiligten bis jetzt stillgehalten?
Der Schaden ist groß: Für die Hotels und Mitarbeiter, für die renommierten Hotelmarken, die sich Revo anvertraut haben und für die Hotellerie insgesamt, die Vertrauen verliert. Ist das 'Betriebsmodell Hotel' damit erschüttert? Nein. Vieles deutet auf zu hohe Risiken beim aggressiven Wachstum mit zu hohen Pachten hin, ein Modell, das schon bei anderen Firmen in der Vergangenheit gescheitert ist. Unter dem Strich: Ein herber Rückschlag, doch an der langfristig grundsätzlich positiven Entwicklung der Hospitality wird dies jedoch nichts ändern."
Rolf Westermann, Journalist, Autor
"Die Insolvenz von Revo ist kein Beleg für ein Scheitern der deutschen Hotellerie, sondern ein Warnsignal für Wachstum ohne ausreichende Struktur. Revo steht exemplarisch für Modelle, bei denen Expansion schneller erfolgte als Organisation, Controlling und Kapitaldisziplin. Das Marktumfeld bleibt anspruchsvoll: steigende Kosten für Personal, Energie und Finanzierung treffen auf verhaltene Nachfrage und begrenzte Preisdurchsetzung. Verantwortung liegt dabei nicht einseitig bei Eigentümern oder Betreibern. Hohe Renditeerwartungen aus Niedrigzinszeiten treffen auf Betreiber, die Pachten akzeptieren, um Wachstum zu ermöglichen, ohne die langfristige Tragfähigkeit konsequent zu prüfen. Nachhaltige Hotellerie ist kein Sprint, sondern ein Marathon – mit klarer Nische, belastbaren Strukturen und wirtschaftlicher Realität statt Wachstumsillusionen."
Zeèv Rosenberg, Gastgeber, General Manager Das Stue
Zusammengestellt von Pascal Brückmann