Nicole Kobjoll führt den Schindlerhof und liebt Falken
Nicole Kobjoll (Foto) hat Hotel Management in Lausanne studiert, in der Schweiz und in Irland gearbeitet und führt seit 2000 den Schindlerhof in Nürnberg, für den sie eine Reihe an Preisen und Auszeichnungen eingeheimst hat. Sie kommt am besten im Wald zur Ruhe und hat eine ganz besondere Beziehung zu Falken, erzählt sie im Gästebuch von Hotel vor9.
Schindlerhof
Nicole Kobjoll ist die Chefin des Schindlerhofs und hat eine starke Beziehung zur Natur
Was war Ihr Traumberuf als Kind?
Goldschmiedin
Wie sind Sie in die Hotellerie gekommen?
Ich bin sozusagen familiär vorbelastet. Erst bin ich in der Gastronomie und später in der Hotellerie groß geworden. Die Begeisterung meiner Eltern für diese besondere Welt hat mich von klein auf geprägt. Ihre Leidenschaft ist ganz selbstverständlich auf mich übergegangen.
Welche Entscheidung in Ihrem Berufsleben hat Ihre Karriere besonders geprägt?
Die Entscheidung, im Jahr 2000 nach einigen spannenden Jahren im Ausland – in Lausanne, Ascona und Dublin – nach Hause zurückzukehren, war sicherlich eine der prägendsten meines Lebens. Eigentlich wollte ich nur für ein Jahr bleiben, um den Ryokan im Schindlerhof zu realisieren – 24 Zimmer direkt am Japangarten.
Aus diesem einen Jahr wurden inzwischen viele Jahre. Ich habe mich nicht nur in den Schindlerhof, sondern vor allem in die Menschen verliebt, die ihn jeden Tag mit Leben füllen. Deshalb bin ich geblieben und habe diese Entscheidung bis heute keinen einzigen Tag bereut.
Wie sieht für Sie das Hotel der Zukunft aus?
Das Hotel der Zukunft ist für mich ein Ort, an dem High-Tech und High-Touch perfekt harmonieren. Alles, was Routine ist, wird die Technologie übernehmen. Alles, was Menschen berührt, bleibt Aufgabe der Menschen.
Ich glaube, wir müssen der Künstlichen Intelligenz mit künstlerischer Intelligenz begegnen. Denn die Zukunft gehört nicht denen, die die meiste Technik einsetzen, sondern denen, die Technologie nutzen, um mehr Zeit für Menschlichkeit, Kreativität und echte Gastfreundschaft zu gewinnen. Das ist für mich die Hotellerie der Zukunft.
Was lieben Sie an Ihrem Job?
Ich kann jeden Tag kreativ sein, kein Tag ist wie der andere, und ich bin von Menschen umgeben, die ihre Arbeit mit Leidenschaft leben. Diese Mischung aus Kreativität, Begegnungen und gemeinsamen Erlebnissen macht die Hotellerie für mich so besonders.
Was nervt Sie am meisten?
Ganz klar die Bürokratie. Natürlich braucht es Regeln, aber inzwischen verbringen wir einen erheblichen Teil unserer Zeit mit administrativen Aufgaben, die kaum einen Mehrwert für unsere Gäste oder Mitarbeitenden schaffen. Ich würde diese Zeit viel lieber in das investieren, was unsere Branche ausmacht: Menschen zu begeistern, Talente zu fördern und außergewöhnliche Erlebnisse zu schaffen.
Was kann die Hotellerie in Deutschland von Kollegen im Ausland lernen?
Ich liebe die Küche in Frankreich, das Gastgeber-Gen der Schweizer und die Leichtigkeit, die viele Südländer ganz selbstverständlich verströmen. Davon kann die deutsche Hotellerie viel lernen: mehr Genuss, mehr Herzlichkeit und manchmal auch etwas mehr Gelassenheit.
Wir sind in Deutschland sehr gut darin, Dinge perfekt zu organisieren. Was wir uns von unseren Kollegen im Ausland abschauen dürfen, ist die Kunst, Gastfreundschaft noch emotionaler, großzügiger und leichter zu leben. Denn am Ende erinnern sich Gäste nicht nur daran, ob alles funktioniert hat, sondern vor allem daran, wie sie sich gefühlt haben.
Was war Ihr prägendstes Erlebnis in einem Hotel?
Mein prägendstes Hotelerlebnis war die Gastfreundschaft im Hotel Giardino im Tessin. Ich war damals vielleicht acht oder zehn Jahre alt und mit meiner Familie ein paar Tage dort im Urlaub.
Hans Leu war zu dieser Zeit noch Hoteldirektor und was ich dort erlebt habe, war für mich etwas ganz Besonderes. Nicht nur das Haus selbst, sondern die ganze Atmosphäre, das Konzept und die gelebte Gastfreundschaft haben mich tief beeindruckt. Ich habe dieses Gefühl bis heute nicht vergessen. Es war wahrscheinlich eines dieser frühen Erlebnisse, die mir gezeigt haben, welche Kraft echte Gastfreundschaft haben kann.
Ein Jahr Auszeit – was würden Sie machen?
Ich würde gerne in Ruhe den Jagdschein machen, um anschließend auch den Falknerschein zu erwerben. Nicht, weil ich auf die Jagd gehen möchte, ich esse noch nicht einmal Fleisch. Der Jagdschein ist jedoch Voraussetzung, um später selbstständig mit Falken arbeiten zu dürfen. Vor etwa drei Jahren habe ich bereits einen ersten Anlauf unternommen. Leider musste ich die Ausbildung nach ein bis zwei Wochen abbrechen, weil ich im Hotel dringend gebraucht wurde.
Es ist nach wie vor ein großer Traum von mir, mir irgendwann die Zeit zu nehmen, diesen Weg in Ruhe zu Ende zu gehen. Die Arbeit mit den "Birds of prey" fasziniert mich sehr. Sie verlangt Geduld, Vertrauen und Respekt. Genau diese Werte beeindrucken mich und machen die Falknerei für mich so besonders.
Wie schalten Sie ab?
In meiner kleinen Hütte mitten im Wald, tief in der Fränkischen Schweiz. Sie liegt nur etwa 40 Minuten vom Schindlerhof entfernt und ist mein absoluter Lieblingsort. Um mich herum gibt es nur Wald, die Tiere der Natur und Stille. Dort kann ich abschalten, neue Kraft schöpfen und einfach sein. Für mich ist das pures Glück.
Welches Buch lesen Sie gerade?
Ich lese eigentlich nie nur ein Buch – bei mir liegen immer mehrere gleichzeitig auf dem Nachttisch. Aktuell sind es eine ziemlich bunte Mischung: "Markenkraft durch Brand Experience", "Die Erdenhüter Kristalle", "Bakterien, die heimlichen Helden" und ein Buch über heilende Nahrungsmittel. Das beschreibt mich ganz gut: Ich interessiere mich für Marken, Menschen, Natur, Gesundheit und alles, was unsere Welt im Kleinen wie im Großen zusammenhält.
Welchen Film haben Sie zuletzt im Kino gesehen?
Ich muss gestehen, ich bin kein Kinogänger. Mir ist es dort einfach zu eng. Wenn ich Zeit habe, zieht es mich eher in den Wald als in einen Kinosaal.
Ihr Lieblingsessen?
Ganz klar: alles rund um die Kartoffel! Kartoffelpüree, perfekt gebratene Rösti, Kartoffelsuppe oder Klöße – ich könnte mich kaum entscheiden. Manchmal sind die einfachen Dinge einfach die besten.
Wohin geht’s im nächsten Urlaub?
Für mich ist es immer wie Urlaub, wenn ich in meine Hütte fahre. Anfang September geht es aber auch mit meinem Mann, meinem Sohn und unserem Hund ins Engadin in die Schweizer Berge. Ich liebe die Natur, die Weite und die Ruhe dort, für mich der perfekte Ort, um gemeinsam Zeit zu verbringen und die Seele baumeln zu lassen.
Wen würden Sie gerne mal treffen und warum?
Ich würde gerne einmal Richard Branson treffen. Einfach, weil er zeigt, dass Unternehmertum mutig, menschlich und unkonventionell sein darf.
Wie und wo wollen Sie alt werden?
Familie und Natur sind für mich das Wichtigste. Ich wünsche mir, irgendwann möglichst viel Zeit in der kleinen Hütte im Wald verbringen zu können – am liebsten auch gemeinsam mit einem Falken. Es fasziniert mich, mit einem Greifvogel eine Partnerschaft aufzubauen und durch die Wälder zu streifen. Dabei geht es mir nicht um die Jagd, sondern darum, die Natur und ihre Tiere immer besser zu verstehen und Teil von ihr zu sein.
Und wenn irgendwann – hoffentlich erst in sehr ferner Zukunft – meine letzte Reise beginnt, dann gefällt mir der Gedanke, dass ich gehen darf, während mein Falke in den Himmel aufsteigt. Für mich wäre das ein wunderschönes Bild: Er trägt symbolisch meine Seele in den Himmel. Eine tröstliche und friedliche Vorstellung vom letzten Kapitel meines Lebens.
Nicole Kobjoll ist heute Geschäftsführende Gesellschafterin des Schindlerhofs in Nürnberg. Nach dem Studium des International Hotel Management an der École Hôtelière de Lausanne hat sie in der Schweiz und in Irland Erfahrungen gesammelt. 2006 erhielt sie den Bayerischen Gründerpreis. Der Schindlerhof bekam zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen, darunter den Ludwig-Erhard-Preis, den European Quality Award, Great Place to work, Top Service Deutschland und Hospitality Icons. Nicole Kobjoll engagiert sich überdies in verschiedenen Unternehmernetzwerken und Wirtschaftsorganisationen.