Die Szenarien nach der Revo-Insolvenz im Überblick
Die geplante Insolvenz in Eigenverwaltung der Revo Hospitality Group beschäftigt die Branche. Für Europas größten Multi-Brand-Hotelbetreiber stehen nun mehrere Wege offen: von der Rettung mit neuen Investoren über Teilverkäufe bis hin zur möglichen Zerschlagung der Gruppe. Hotel vor9 skizziert die möglichen Szenarien.
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Wie geht es jetzt weiter bei der Revo Hospitality Group?
Vorweg: Noch ist nicht klar, dass die von Revo gewünschte Insolvenz in Eigenverwaltung überhaupt für sämtliche 140 Gesellschaften greifen wird. Die eingereichten Anträge werden derzeit vom Gericht geprüft. Aufgrund der Vielzahl der Gesellschaften wird die Prüfung noch einige Tage in Anspruch nehmen, heißt es vom Unternehmen. Abhängig davon könnte sich das Verfahren anschließend in folgenden Szenarien abspielen.
Szenario 1: Fortführung mit neuem Investor
Das von den Sanierungsberatern favorisierte Szenario sieht eine Bereinigung der Schulden durch das Insolvenzverfahren vor, gefolgt von einem Einstieg internationaler Investoren. Durchaus bemerkenswert: Die Rechtsanwälte Gordon Geiser und Benedikt de Bruyn von GT Restructuring, die von Revo für die Dauer der Eigenverwaltung als Geschäftsführer der entsprechenden Gesellschaften eingesetzt wurden, sind Teil der internationalen Großkanzlei Greenberg Traurig (GT).
Und mit eben dieser Kanzlei hat Revo-Gründer Ruslan Husry in den vergangenen Jahren bereits eng und vertrauensvoll zusammengearbeitet. So begleitete GT den Transaktionsprozess bei den Übernahmen von H-Hotels (Februar 2025) und Centro Hotels (Juni 2024) umfassend rechtlich und steuerrechtlich. Das Ziel scheint klar: Das Unternehmen soll in seiner jetzigen Struktur weitgehend erhalten bleiben und schuldenfrei neu durchstarten.
Doch zurück zu dem möglichen Investor. Hierzu muss man wissen, dass in den vergangenen anderthalb Jahren bereits zahlreiche Gespräche mit potenziellen Partnern geführt wurden. Husry hatte bis zuletzt versucht, einen Geldgeber für sein Unternehmen zu finden. Nach Informationen von Hotel vor9 lag sogar ein konkretes Angebot von Aroundtown vor, das eine Mehrheitsbeteiligung von 51 Prozent vorsah. Husry habe es aber final abgelehnt. Aroundtown SA mit Sitz in Luxemburg ist ein Immobilienunternehmen mit Fokus auf ertragsgenerierende Immobilien, darunter auch Hotels. Vielleicht kommt das Unternehmen nun unter neuen Vorzeichen zum Zuge.
Szenario 2: Teilverkauf an Wettbewerber
Ein alternatives Szenario wäre der gezielte Verkauf einzelner Hotels an Wettbewerber. Unternehmen wie Premier Inn, die in Deutschland weiter expandieren wollen, könnten Interesse an ausgewählten Standorten haben. Nach Eröffnung des Verfahrens, ist es möglich, für Vertragspartner unter bestimmten Voraussetzungen Sonderkündigungsrechte geltend zu machen. Es ist zu erwarten, dass eine Reihe von Eigentümern ihre Pachtverträge mit Revo beenden werden und dann offen für neue Betreiber oder Franchisegeber sind. Diese Häuser, sofern passend, könnten dann gezielt von Wettbewerbern übernommen werden. Entweder durch direkte Pachtverträge mit den Eigentümern oder durch Kauf aus der Insolvenzmasse.
Szenario 3: Kontrollierte Zerschlagung
Das aus Gläubigersicht möglicherweise attraktivste Szenario wäre eine kontrollierte Zerschlagung. Die zuletzt übernommenen Gesellschaften – H-Hotels, Vienna House und Centro – waren ohnehin noch nicht vollständig integriert und würden sich als Gruppe relativ einfach als große Einzelstücke wieder aus Revo herauslösen lassen. Der vom Gericht bestellte Sachwalter, der die Eigenverwaltung überwacht, könnte zu dem Schluss kommen, dass einzelne Verkäufe in Summe mehr Erlös für die Gläubiger bringen als eine Gesamtlösung mit ungewisser Prognose.
Szenario 4: Weitgehende Zerschlagung
Das pessimistischste, aber keineswegs unrealistische Szenario: eine weitgehende Zerschlagung der Gruppe. Die schiere Komplexität von rund 140 einzelnen Gesellschaften birgt erhebliche Risiken. Bei einer detaillierten Prüfung könnte sich herausstellen, dass ein signifikanter Teil dieser Gesellschaften nicht überlebensfähig ist. Sei es aufgrund unrentabler Standorte, überhöhter Pachtverträge oder fehlender operativer Substanz.
In diesem Fall würde die Eigenverwaltung für zahlreiche Einzelgesellschaften scheitern und in Regelinsolvenzverfahren übergehen. Die Folge wäre ein Dominoeffekt: Verpächter kündigen, Franchise-Geber ziehen ihre Marken ab, Mitarbeiter verlieren ihre Arbeitsplätze. Am Ende bliebe nur ein Rumpf-Portfolio der profitabelsten Häuser übrig, während der Großteil der Hotels entweder von anderen Betreibern übernommen, an neue Pächter vergeben oder im schlimmsten Fall geschlossen würde. Die Wahrscheinlichkeit dieses Szenarios steigt, je länger die Investorensuche erfolglos bleibt und je mehr Vertragspartner das Vertrauen verlieren. Bei 140 Gesellschaften ist die Gefahr groß, dass die Sanierungsberater schlicht nicht alle Baustellen gleichzeitig bearbeiten können.
Die kritischen Punkte des weiteren Verfahrens
Unabhängig vom letztendlichen Ausgang stehen mehrere kritische Faktoren im Raum. Das Vertrauen wichtiger Franchise-Partner wie Accor und Wyndham, die erhebliche Summen in die Zusammenarbeit investiert haben, dürfte erschüttert sein. Bereits vor der Insolvenz hatte Accor die Buchungssysteme für zahlreiche Revo-Hotels gesperrt. Zudem werden ganz sicher eine Reihe von Verpächtern die Zusammenarbeit mit Revo beenden wollen.
Entscheidend wird sein, wie das Interims-Management innerhalb des engen Zeitfensters zu guten und konkreten Ergebnissen kommt. In den ersten Monaten nach Verfahrenseröffnung besteht die Möglichkeit, ein tragfähiges Gesamtkonzept vorzulegen und Investoren zu gewinnen. Je länger das Verfahren dauert, desto mehr Vertragspartner könnten abspringen. Am Ende droht das mühsam aufgebaute Portfolio zu zerfallen. Die kommenden Wochen werden zeigen, welches Szenario sich durchsetzen wird. Eines steht fest: Die Auswirkungen auf die deutsche Hotelbranche werden in jedem Fall erheblich sein.
Pascal Brückmann