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21. Mai 2026 | 22:39 Uhr
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Expedia verspricht Hotelpartnern ein goldenes Zeitalter

Die Online-Buchungsplattform Expedia feiert Jubiläum und will im 30. Jahr ihres Bestehens mit künstlicher Intelligenz durchstarten. Auf einer Konferenz in Las Vegas sagte CEO Ariane Gorin (Foto) ein goldenes Zeitalter für Reisende und Partner voraus, auch für Hotels. Rolf Westermann war für Hotel vor9 vor Ort.

Expedia

Seit Februar 2024 leitet Ariane Gorin Expedia als CEO. Im April 2026 wurde die Franko-Amerikanerin zusätzlich in den Verwaltungsrat des Luxusgüterkonzerns LVMH (Louis Vuitton Moët Hennessy) berufen

Expedia-Chefin Ariane Gorin ist seit zwei Jahren im Amt und gilt als eine der einflussreichsten Persönlichkeiten der Reisebranche. Sie will die OTA zum "intelligentesten und vertrauenswürdigsten Marktplatz für Reisen" ausbauen. Der Schlüssel dafür ist die künstliche Intelligenz (AI), mit deren Hilfe die Nachfrage gesteigert und Wachstum generiert werden soll. "Nach dem Internet und mobile ist AI das dritte aufregende Zeitalter", sagt Gorin. 

Legt die Künstliche Intelligenz künftig einen Bypass um die OTAs?

Zurzeit hoffen noch viele Hoteliers, dass AI die Abhängigkeit von OTAs und die Provisionszahlungen reduziert. Wenn künftig Chat GPT & Co direkte Schnittstellen zum Kunden finden, büßen OTAs vielleicht ihre starke Rolle ein, lautet die Argumentation. Und tatsächlich sinkt nach der neuen "State of the International Traveler Study" von Future Partners der Anteil der OTAs an der Reiseplanung in diesem Jahr um fast 5 Prozentpunkte auf insgesamt 34,8 Prozent. Im Gegensatz dazu spielt AI – mit Chat GPT und anderen Quellen – eine wachsende Rolle (plus 6 Punkte auf 23,1%). 

Doch Planung bedeutet noch kein Geschäft, wie eine aktuelle Analyse von Morgan Stanley zeigt. Danach wird AI die OTAs nicht schwächen – sondern eher stärken. "Die AI inspiriert, filtert und plant. Doch sobald es um die Buchung geht, landen Nutzer weiterhin auf den großen Plattformen", lautet das Fazit der Expertin Birgit Haake (Revenue 4 you). "Transaktion, Zahlungsabwicklung und Kundendaten bleiben bei den etablierten Plattformen."

Expedia verspricht Interaktion mit dem Kunden in jeder Phase der Buchung

Auch Expedia sieht sich als Technologieführer gut gerüstet und integriert nun selbst AI in jede Phase der Reise, will aber auch die Partner mit ins Boot holen. So sollen die Tools "AI Property Compare" und "Property Expert" den Vergleich von Unterkünften erleichtern, viel detaillierter als bisher, in unterschiedlichen Sprachen, ohne Haken und Kästchen. Familien, Hundebesitzer und Singles finden so leichter passende Unterkünfte und Aktivitäten. 

Vorgestellt wurde auf der Konferenz in Las Vegas auch der "Activity Planer", mit dem Reisende nie mehr alleine unterwegs sind. "Hallo Expedia, was kann ich heute machen?", lautet die Frage an den persönlichen Assistenten und das System macht mit sympathischer Stimme Vorschläge, die mit den Vorlieben, anderen Terminen und dem Fahrweg abgestimmt sind. Danach ist die Bewertung für die Community gefragt. Benjamin Muratet, VP Distribution der Radisson Hotel Group, sieht in den Tools echte "Gamechanger". So könne die passende Story für die Gäste zur richtigen Zeit gefunden werden.

Wie können Hotels reagieren und lohnt sich die Zusammenarbeit?

Für Hotels und andere Partner bedeutet das: Je detaillierter ihre Angaben sind, desto besser können sie in dem System mitwirken. Expedia verspricht größere Buchungschancen und längere Aufenthalte, so dass alle Seiten profitieren. "Vertrauen kommt von Datenqualität", lautet das Motto. Die Informationen müssen zu 100 Prozent korrekt und aktuell sein. "Wir verkaufen nicht T-Shirts für 10 Dollar, die man dann zurückschicken kann", erklärt Gorin. "Zeit kann man nicht zurückerstatten."

Der Marktanteil von Expedia in Deutschland liegt laut Hotelverband IHA bei 13,7 Prozent und damit weit hinter dem Marktführer Booking.com (68,4 %), jedoch vor dem früheren Branchenprimus HRS Group (9%). In den USA ist Expedia dagegen sehr stark. Trotz aller weltweiten Krisen peilt das Unternehmen ein Rekordjahr an, das erste Quartal fiel überraschend positiv aus. Eine Kooperation mit Uber soll die Marktstellung ausbauen.

Dabei ist Transparenz gefragt. Laut IHA weiten die OTAs ihre Zusammenarbeit mit Drittkanälen so weit aus, dass sie faktisch wie Metasuchmaschinen agieren – aber ohne Weiterleitung auf die jeweiligen Anbieter. "Multisourcing ist keine harmlose Vertriebsoptimierung", kritisiert Geschäftsführer Tobias Warnecke. Transparenz werde durch Komplexität ersetzt, die Risiken würden auf Hotels und Gäste verlagert.

Das Unternehmen: Das Online-Reiseportal Expedia, von Microsoft gegründet, ging 1996 als Webseite online. Seit 1999 ist Expedia auch in Deutschland aktiv. 2002 erwarb die amerikanische Investmentgesellschaft IAC das Unternehmen und brachte es 2005 an die Börse. Firmensitz ist Seattle. Zur Expedia Group gehören u.a. die Plattformen Hotels.com, Trivago, Travelocity, Homeaway (FeWo direkt) und Vrbo. Der Umsatz lag 2025 bei rund 11,5 Milliarden Euro mit einem bereinigten EBITDS in Höhe von 3,5 Milliarden Dollar.

Rolf Westermann

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