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26. August 2026 | 16:36 Uhr
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Indische Gastfreundschaft trifft Frankfurter Hoteltradition

Fünf Jahre nach der Schließung ist der Hessische Hof in Frankfurt endlich zurück. Nun als Taj Hessischer Hof. General Manager Martin Mayr (Foto) spricht im Interview mit Hotel vor9 über den Neustart, die indische Einflüsse, neue Zielgruppen und die richtige Positionierung eines traditionsreichen Luxushotels in einem volatilen Markt.

Taj Hessischer Hof. General Manager Martin Mayr Frankfurt

General Manager Martin Mayr kann im Hessischen Hof endlich wieder Gäste begrüßen

Herr Mayr, Sie haben lange, sehr lange auf die Wiedereröffnung des Hessischen Hofs gewartet und hingearbeitet. Wie fühlt es sich jetzt an, das Hotel endlich operativ zum Leben erweckt zu haben?

Martin Mayr: Nach mehr als fünf Jahren Stillstand wieder Gäste im Haus zu haben, ist für das gesamte Team der eigentliche Moment. Ein Hotel entsteht nicht mit der Fertigstellung des Baus, sondern mit dem ersten Frühstücksservice, dem ersten Abend an der Jimmy's Bar, dem ersten Stammgast, der zurückkommt. Genau da stehen wir jetzt. Wir wollen unsere Gäste mit ausgesprochener Gastfreundlichkeit begeistern. Der Anspruch für die kommenden Monate ist Konsistenz: aus einer gelungenen Eröffnung ein Hotel zu machen, das im Alltag zuverlässig auf diesem Niveau arbeitet."

Das Hotel musste infolge der Corona-Pandemie geschlossen werden und es gab zahlreiche Hürden, die eine Wiedereröffnung immer wieder verzögert haben. Welches war die größte Herausforderung, mit der Sie konfrontiert waren und wie haben sie diese letztlich lösen konnten?

Die größte Herausforderung war aus meiner Sicht nicht ein einzelnes Ereignis, sondern die Anpassung an ein verändertes Reiseverhalten. Auch wenn wir das Hotel erst nach der Pandemie übernommen haben, prägen deren Auswirkungen den Markt bis heute. Gerade in Frankfurt sehen wir, dass Freizeit- und Bleisure-Reisen zunehmend an Bedeutung gewinnen. Das hat viele unserer Entscheidungen beeinflusst, von der Gestaltung der öffentlichen Bereiche über das gastronomische Konzept bis hin zum Gästeerlebnis insgesamt. Unser Ziel war es, die Tradition dieses ikonischen Hauses zu bewahren und gleichzeitig ein Hotel zu schaffen, das den Erwartungen moderner Luxusreisender entspricht. Diese Balance zu finden war anspruchsvoll, aber sie macht Taj Hessischer Hof Frankfurt heute zu etwas ganz Besonderem.

Das Hotel trägt nun den Zusatz Taj, auch als Zeichen, dass hinter dem Haus nun eine indische Hotelgruppe steckt. Abgesehen davon, an welcher Stelle machen sich die indischen Einflüsse beim Hotelprodukt bemerkbar?

Da gibt es viele Stellen. Etwa die Servicekultur: Sie ist der wichtigste, zugleich aber am wenigsten sichtbare Punkt. Taj steht für eine aufmerksame, persönliche Gastfreundschaft, die stark auf Antizipation setzt. Diese Haltung prägt Training und Abläufe, während Struktur und Taktung europäischen Erwartungen entsprechen. Die Bombay Brasserie ist der deutlichste Ausdruck. Küchenchef Nilesh Dangwal verbindet authentische nordindische Küche mit feinen europäischen Akzenten – kein klassisches indisches Restaurant, sondern eines auf hohem Niveau.

Auch der J Wellness Circle trägt die Taj-Handschrift: ein Spa-Konzept mit ayurvedischen Wurzeln und modernen Therapieansätzen. Jede Behandlung ist als Ritual konzipiert – mit Dampfritual davor und Entspannung danach. Im Interior hat JOI-Design aus Hamburg Parkett, Wandvertäfelungen und Marmor restauriert und mit farbenfrohen Akzenten indischer Handwerkskunst ergänzt. Die Basis bleibt europäisch, die Akzente sind indisch. Hinzu kommt The Chambers, unser Members-Only-Club. Das aus Indien stammende Format richtet sich in Frankfurt an eine ausgewählte regionale Zielgruppe.

Wie ist denn aktuell der Gästemix zwischen deutschen und ausländischen Gästen?

Wir sind seit Juni im operativen Geschäft und der Schwerpunkt liegt klar auf Europa, aber natürlich erwarten wir auch indische Gäste, die Taj bereits kennen, und Gäste aus dem Nahen Osten. 

Welchen Anteil werden künftig die indische Gäste haben. Gibt es hier besonderer Effekte, da über die Muttergesellschaft gezielt indische Gäste in ihr Hotel vermittelt werden können?

Der Effekt existiert, aber er ist nicht der Kern unseres Geschäftsmodells. IHCL betreibt 591 Hotels an mehr als 250 Standorten. Wir sind Teil dieses Netzwerks und profitieren davon: über das Vertriebssystem, über bestehende Firmenkunden der Gruppe, über Gäste, die die Marke aus Indien oder aus Taj-Häusern in London kennen und in Frankfurt bewusst wiederwählen. 

Ein Grund für die lange Schließung war, dass man der Meinung war, dass man im Business- und Messegeschäft künftig nicht mehr an alte Erfolge anknüpfen könne. Hat es hier eine Trendumkehr gegeben oder spricht das Hotel heute neue Zielgruppen an?

Der Standort an der Messe hat sich ja nicht verändert. Natürlich bleibt das Messegeschäft für uns weiterhin ein wichtiges, auch, wenn wir aufgrund der neuen Strukturen und des neuen Konzepts keine Konferenzen im großen Stil wie einst anbieten können. Dafür sind nun andere Dinge möglich, auf die man sich vorher vielleicht weniger konzentrieren konnte. Wir setzen sehr stark auf Exklusivität und Intimität. Das spricht sowohl eine völlig neue Zielgruppe an, holt aber auch zum Teil die Stammgäste von früher ab. Denn nicht jedes Unternehmen möchte vielleicht im großen Rahmen tagen, sondern mehr gezielter und mit geringer Personenanzahl.

Luxus

Wie nehmen Sie den Frankfurter Hotelmarkt wahr? 

Frankfurt ist einer der anspruchsvollsten Hotelmärkte Deutschlands – und einer der volatilsten. Die Nachfrage folgt sehr stark dem Messe- und Veranstaltungskalender. Was sich in den vergangenen Jahren verändert hat: Der reine Geschäftsreisende, der zwei Nächte bleibt und nur ein Bett braucht, ist nicht mehr die dominante Größe. Gäste kombinieren Termine mit Aufenthaltsqualität – sie erwarten Gastronomie, die sie auch privat besuchen würden, einen Spa, den sie tatsächlich nutzen, und ein Haus mit eigenem Charakter.

Wo und wie würden Sie sich hier mit Ihrem Angebot einsortieren und mit welche Mindestraten müssen ihre Gäste kalkulieren?

Wir verstehen uns preislich als Teil des oberen Segments, positionieren uns aber nicht über den höchsten Preis am Platz, sondern über das Verhältnis von Rate und tatsächlicher Aufenthaltsqualität. Der Zugang zum Spa ist bei uns etwa inklusive, ebenso die Minibar. Unsere Einstiegsraten beginnen bei rund 290 Euro pro Nacht im Doppelzimmer. In nachfragestarken Zeiten – Messewochen, Großveranstaltungen – liegen wir deutlich darüber; unsere Suiten bewegen sich je nach Kategorie zwischen 550 und 11.000 Euro.

Das Gespräch führte Pascal Brückmann

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