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23. April 2026 | 16:58 Uhr
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Mailen

Kartellbehörde in Italien ermittelt gegen Booking

Die italienische Wettbewerbsbehörde verdächtigt laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters die Buchungsplattform, Unterkünfte nicht nach Qualität, sondern nach Provisionshöhe in den Suchergebnissen zu bevorzugen. Geschäftsräume des Unternehmens wurden untersucht.

Booking Partnerprogramm Webseite

Booking erklärt auf der Webseite, was der gelbe Daumen bedeutet: "Diese Unterkunft nimmt an unserem Preferred Partner-Programm teil und hat sich einem guten Service und Preis-Leistungs-Verhältnis verschrieben. Die Unterkunft zahlt uns eine höhere Kommission für Buchungen."

Laut dem Bericht besteht der Verdacht, dass die Plattform Unterkünfte bei der Rangfolge und Präsentation in den Suchergebnissen unlauter behandelt. Booking.com kommuniziert nach außen, dass Unterkünfte den Status "Preferred Partner" oder "Preferred Partner Plus" auf Basis ihrer Service-Qualität und ihres Preis-Leistungs-Verhältnisses erhalten. 

Die Behörde geht laut Reuters jedoch davon aus, dass tatsächlich die Höhe der an Booking.com gezahlten Provision das ausschlaggebende Kriterium ist. Das Unternehmen erklärte, mit den Behörden zu kooperieren; die Teilnahme an den Programmen sei für Unterkünfte freiwillig und entspreche den geltenden Verbraucherschutzvorschriften, "wobei ein Gleichgewicht zwischen den Interessen unserer Partner gewahrt bleibt und Kunden weiterhin von einer großen Auswahl profitieren".

Was das "Preferred Partner"-Programm für Hoteliers bedeutet

Das Programm ist seit Jahren eines der zentralen Instrumente von Booking.com, um die Sichtbarkeit von Unterkünften in den Suchergebnissen zu steuern. Partnerhotels werden mit einem Daumen-Symbol markiert und prominenter platziert als nicht teilnehmende Häuser. "Preferred Partner Plus" ist die höhere Stufe des Programms und verspricht eine noch bessere Position im Ranking sowie zusätzliche Sichtbarkeit auf der Plattform.

Für die Teilnahme verlangt Booking.com einen Provisionsaufschlag auf die Standardprovision. Während die Grundprovision in Europa typischerweise zwischen 15 und 18 Prozent pro Buchung liegt, zahlen "Preferred Partner" laut den von Booking gegenüber Hoteliers kommunizierten Konditionen einen Aufschlag, der das Provisionsniveau auf etwa 18 bis 20 Prozent hebt. Für "Preferred Partner Plus" liegen die Aufschläge nochmals höher und können je nach Markt zu Gesamtprovisionen jenseits der 20-Prozent-Marke führen. Hinzu kommen weitere Bedingungen wie Mindestwerte bei Gästebewertungen, eine niedrige Stornoquote und eine bestimmte Anzahl an Buchungen über die Plattform.

Genau dieser Mechanismus ist es, den die italienischen Wettbewerbshüter nun unter die Lupe nehmen. Wenn die Provisionshöhe (und nicht die im Marketing genannte Service-Qualität) den Ausschlag für die Status-Vergabe und die Platzierung in den Suchergebnissen gibt, würde das nach Ansicht der Behörde gegen Verbraucherschutzregeln verstoßen, weil Reisende die Sortierung der Treffer falsch interpretieren könnten.

Nichtteilnahme am Programm kann für Hotels zum Wettbewerbsnachteil werden

Für Hoteliers ergibt sich aus der Konstruktion des Programms ein strukturelles Dilemma. Wer nicht teilnimmt, verliert Sichtbarkeit gegenüber direkten Wettbewerbern in derselben Destination, die als "Preferred Partner" markiert sind. Da Booking.com in vielen europäischen Märkten der mit Abstand größte Vertriebskanal für Hotelübernachtungen ist, hat eine schlechtere Platzierung unmittelbare Auswirkungen auf Buchungsvolumen und Auslastung. Faktisch entsteht damit ein Druck, am Programm teilzunehmen, auch wenn der zusätzliche Provisionsaufschlag die Marge spürbar belastet.

Hotel vor9 hat Booking.com einen Fragenkatalog zu den Vorgängen übermittelt. Das Unternehmen geht – wie immer – auf die Fragen nicht ein, nimmt aber allgemein zu dem Vorgang Stellung. Booking scheibt: "Wir arbeiten im Rahmen der Untersuchung vollumfänglich mit der AGCM zusammen. Wir sind der Auffassung, dass unsere Partnerprogramme (die für Unterkunftspartner optional sind) verbraucherrechtliche Anforderungen erfüllen, dabei die Interessen unserer Unterkunftspartner wahren und zugleich sicherstellen, dass Kunden weiterhin von einer großen Auswahl profitieren."

Pascal Brückmann

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