Revo-Insolvenz: 154 von 178 Hotels stehen vor der Übergabe
Acht Monate nach dem Insolvenzantrag der Revo Hospitality Group nähert sich das größte Insolvenzverfahren der deutschen Hotelbranche langsam aber sicher der Zielgeraden. Die Interimsgeschäftsführer von GT Restructuring berichten im exklusiven Gespräch mit Hotel vor9 über den Stand der Dinge.
IFA
Auch für das Hyperion Hotel im Palais Faber in Salzburg wurde eine neue Lösung gefunden. Künftig wird es von der Motel One Group betrieben und als Cloud One Hotel geführt
Schon länger hat man nichts Offizielles mehr von Revo Hospitality gehört, nachdem Anfang Juni die beiden Interimsgeschäftsführer Gordon Geiser und Benedikt de Bruyn von GT Restructuring gegenüber der Presse berichtet hatten, dass sich fünf Hotelgruppen einen großen Teil des Revo-Portfolios gesichert haben.
Doch dann wurde es wieder still. Zwar sickerten nach und nach die Namen der fünf Großinvestoren durch. Prism, Leonardo Hotels, B&B Hotels, Motel One und Brown Hotels, die sich aus dem heterogenen Revo-Portfolio entlang ihrer jeweiligen Segmente die passenden Häuser ausgewählt hatten. Doch ein detaillierter Überblick über die geplanten Verkäufe wurde nicht gewährt.
Jetzt gibt es ein belastbares Zahlenwerk aus dem Revo-Headoffice
Nach einem heißen und sicher arbeitsreichen Sommer gibt es nun aber einen konkreten Sachstand und ein belastbares Zahlenwerk aus dem Revo-Headoffice. "Von den 178 insolventen Hotels in Deutschland, Österreich und den Niederlanden sind mittlerweile 125 Häuser verkauft", berichtet Interimsgeschäftsführer Gordon Geiser gegenüber Hotel vor9. "Darüber hinaus befinden sich weitere 29 Häuser unmittelbar vor der Vertragsunterzeichnung und Übergabe, die im September und Anfang Oktober stattfinden sollen", ergänzt Benedikt de Bruyn.
Das heißt konkret: Dann wären demnächst 154 der 178 Hotels in neue Hände übergeben. Bei neun Häusern ist dagegen die weitere Zukunft noch offen. 15 Hotels wurden zwischenzeitlich geschlossen, meist weil hohe Investitionen in den Brandschutz einem weiteren Betrieb entgegenstanden.
Die Gründe für die Verzögerungen seien unterschiedlich, oftmals lägen sie auch außerhalb des Einflussbereichs von Revo. "Wir haben beispielsweise Fälle, in denen die Eigentümer die Immobilie erst noch weiterverkaufen wollen und wir gehalten sind, diesen Schritt abzuwarten", erklärt Geiser. "Und es gibt auch den Fall, dass ein Eigentümer trotz Präsentation von mehreren Betreibern eine Entscheidung noch nicht treffen kann", ergänzt de Bruyn.
Kein harter Stichtag, ausreichend Liquidität für den Hotelbetrieb vorhanden
Doch beunruhigt sind die beiden Experten für Insolvenzrecht deswegen nicht. "Ich denke, wir befinden uns vollständig im Plan", so Geiser. Berichte, wonach am 30. September ein harter Einschnitt drohe, weisen die Sanierer entschieden zurück. "Es gibt keinen harten Stichtag, an dem alle Verfahren abgeschlossen sein müssten", stellt de Bruyn klar. Hotels, deren Übergabe länger dauere, würden weiterhin normal bewirtschaftet. Revo verfüge über ausreichend Liquidität, um den Betrieb der verbliebenen Häuser aufrechtzuerhalten.
Gegenüber der ursprünglichen Planung vom Juni habe sich lediglich die technische Abwicklung verändert. Statt der zunächst vorgesehenen Insolvenzpläne – bei denen Gesellschaftsanteile als Share Deal übertragen werden – setzt GT Restructuring nun überwiegend auf sogenannte übertragende Sanierungen, also Asset Deals. "Beim Insolvenzplan habe ich den zweistufigen Prozess mit Investment Agreement und Gläubigerversammlung nebst gerichtlicher Bestätigung. Bei der übertragenden Sanierung verhandelt man den Kaufvertrag etwas länger, ist bei der Übergabe aber schneller", erläutert Geiser. Auf der Gesamtzeitachse habe sich dadurch nichts verschoben.
Ob am Ende für jedes der noch offenen Hotels eine Lösung gefunden wird, können die Sanierer nicht garantieren. Klar sei auch, dass die Verfahren irgendwann ein Ende haben müssen. Aktuell wird angepeilt, dass bis Jahresende vom Grundsatz her klar sein soll, wie es mit jedem einzelnen Haus weitergeht.
Verkäufe dürften Erlöse im dreistelligen Millionenbereich erzielt haben
Zum genauen Umfang der Forderungen durch die Gläubiger gibt es keine Angaben. Die Forderungsprüfung laufe noch, zudem könnten Gläubiger bei Insolvenzplänen bis zu ein Jahr nach Verfahrensaufhebung noch Forderungen anmelden. Verpächter etwa müssten erst ihre neuen Pachtkonditionen kennen, um eventuelle Differenzschäden geltend zu machen.
Entsprechend lasse sich auch die Frage nach den voraussichtlichen Gläubigerquoten noch nicht beantworten. Schon jetzt zeichnet sich aber ab, dass die Gläubiger nicht mit völlig leeren Händen dastehen werden. Dies habe auch damit zu tun, dass es gelungen sei, eine gute Wettbewerbssituation unter den Bietern zu erzeugen. "Insbesondere in den A-Städten, aber auch an einigen B-Standorten haben wir mitunter sehr gute Erlöse über das Bieterverfahren erzielt", berichtet de Bruyn. Details nennen die Sanierer nicht. Eine voraussichtliche Gesamtsumme im dreistelligen Millionenbereich wird allerdings nicht dementiert.
Pascal Brückmann
Lesen Sie in Kürze bei Hotel vor9: "So teilen sich die fünf Großinvestoren die Revo-Hotels auf"