Umstrittene Kündigungen im ehemaligen Dorint Augsburg
Im ehemaligen Dorint Hotel Augsburg eskaliert der Streit um den Betreiberwechsel von Revo zu Prism. Mindestens 14 Mitarbeiter haben vor Monatsende ihre Kündigung erhalten, doch betroffene Mitarbeiter halten diese für rechtswidrig. Das Haus läuft bereits unter der Marke Sunday Hotels, obwohl Prism (Oyo) die Betreibergesellschaft offiziell noch gar nicht übernommen hat.
Dorint
Es herrscht Unklarheit über die weitere Zukunft des ehemaligen Dorint-Hotels in Augsburg
Wie Hotel vor9 bereits berichtete, soll Prism im Zuge der Revo-Insolvenz mindestens 24 Hotels übernehmen und unter der Marke Sunday Hotels weiterführen, darunter auch das Hotel an der Kongresshalle in Augsburg. Den bestehenden Franchisevertrag mit Dorint hatte der Insolvenzverwalter rückwirkend zum 30. Juni gekündigt. Doch während das Hotel bereits unter dem neuem Namen Sunday buchbar ist, hat Prism die Betreibergesellschaft juristisch gesehen wohl noch nicht vollständig übernommen.
Kündigungen sollen ohne Anhörung des Betriebsrats erfolgt sein, Revo widerspricht
Jedenfalls wurden die 14 Kündigungen jetzt von der insolventen Revo Betreibergesellschaft ausgestellt. Doch diese dürften unwirksam sein, so zumindest die Einschätzung mehrerer Informanten aus dem Umfeld der Belegschaft, mit denen Hotel vor9 gesprochen hat. Denn es habe weder die vorgeschriebene Anhörung mit dem Betriebsrat stattgefunden, noch sei eine Einigung über einen Sozialplan oder ein Interessenausgleich erzielt worden. Somit wären die nun folgenden Kündigungsschutzklagen der betroffenen Mitarbeiter eine reine Formsache.
Die Darstellung, wonach der Betriebsrat nicht formell angehört worden sei, weist ein Revo-Unternehmenssprecher allerdings in einem Statement gegenüber Hotel vor9 zurück. Der Betriebsrat sei in den Prozess eingebunden worden; zudem hätten Gespräche über einen Interessenausgleich und einen Sozialplan stattgefunden. Die Verhandlungen hätten sich zwar über einen längeren Zeitraum erstreckt, bislang aber durchaus gute Fortschritte gebracht. Man rechne kurzfristig mit einer Einigung zu Interessenausgleich und Sozialplan. Zudem seien die Mitarbeiter in Abstimmung mit der Insolvenzschuldnerin durch den Betriebsrat über den laufenden Prozess informiert und auf dem aktuellen Stand gehalten worden, heißt es.
Wie es nun weitergeht, ist völlig offen. Am heutigen Tag findet eine Betriebsversammlung statt. Aus dem Umfeld der Belegschaft wird weiterhin über erhebliche Differenzen bei der eigentlich geplanten Umstellung auf die Prism-Systeme berichtet. So habe Prism einfach Techniker in das Hotel geschickt, ohne den Betriebsrat zu beteiligen, obwohl die Einführung neuer System mitbestimmungspflichtig sei. Aktuell arbeitet das Hotel daher weiterhin mit den alten Systemen.
Es gibt zumindest Fragezeichen, ob Prism das Augsburger Hotel final übernehmen wird
Ob Prism das Hotel tatsächlich übernimmt, ist inzwischen zumindest fraglich. Vorgesehen war ursprünglich ein Asset-Deal. "Das Revo Hotel in Augsburg wird von der Prism-Gruppe übernommen und gehört zu den Objekten, für die Prism bereits im Juni 2026 Vereinbarungen unterschrieben hat", heißt es zwar von Revo. Aber was passiert eigentlich, wenn es zu keiner Verständigung mit dem Betriebsrat kommt und Prism den Deal platzen lässt? Rutscht das Hotel dann in die Vollinsolvenz und wird geschlossen? Oder steht vielleicht doch ein anderer Betreiber zur Stelle? Eigentümer der Hotelimmobilie ist seit dem Jahr 2019 Pandox. Hier dürfte das Interesse groß sein, dass die Immobilie auch künftig von einem professionellen Hotelbetreiber gepachtet wird.
Eine Besonderheit des Augsburger Hotels ist der starke Fokus auf das Kongressgeschäft mit vielen Tagungen. Doch mit einer stark reduzierten Belegschaft dürfte sich dieses Geschäftsfeld kaum noch professionell umsetzen lassen, sagen Experten. Das neue Betriebskonzept von Prism sehe vor, gelernte Fachkräfte durch so genannte "Hosts" zu ersetzen, die zum Mindestlohn Rezeption, Service und Housekeeping übernehmen sollen. Auch die Position eines vollwertigen General Managers ist nicht mehr vorgesehen.
Pascal Brückmann