Wie Hotel vor9 im ersten Teil dieser Revo-Bestandsaufnahme berichtet hat, sind 154 der 178 insolventen Revo-Hotels verkauft oder stehen unmittelbar vor der Übergabe. Doch wie verteilen sich die Häuser konkret auf die fünf großen Käufer?
Die Interimsgeschäftsführer Gordon Geiser und Benedikt de Bruyn von GT Restructuring geben gegenüber Hotel vor9 erstmals eine detaillierte Aufschlüsselung. Zur Einordnung: Die 178 insolventen Hotels umfassen ausschließlich Häuser in Deutschland, Österreich und den Niederlanden. Weitere Revo-Hotels, etwa in der Schweiz oder Italien, haben keine Insolvenz angemeldet und werden regulär weiterbetrieben. Sie sollen aber nach und nach regulär verkauft werden.
Prism baut sein Portfolio sogar auf 29 Hotels aus
Den größten Einzelzuschlag aus dem großen Revo-Reich erhält Prism. Der indische Hotelkonzern, der weltweit rund 22.000 Hotels betreibt und den japanischen Softbank-Konzern als Großaktionär hat, baut seine Position im Revo-Portfolio sogar noch weiter aus. Wie Geiser und de Bruyn gegenüber Hotel vor9 bestätigen, übernimmt Prism nun sogar 29 Hotels, fünf mehr als noch im Sommer kommuniziert. Prism nutzt die Revo-Insolvenz als Vehikel für seinen Markteintritt in der deutschen Hotellerie und will die Häuser unter den Eigenmarken „Sunday" und „Belvilla" weiterführen.
Doch die Nebengeräusche sind enorm, Hotel vor9 hatte mehrfach über die speziellen Methoden der Inder berichtet. Für Schlagzeilen sorgte zuletzt der mit dem Betreiberwechsel verbundene Personalabbau. Die Gewerkschaft NGG hatte von rund 500 gestrichenen Stellen gesprochen. Diese Zahl weisen die Sanierer entschieden zurück. „Es sind weniger als die Hälfte. Das ist immer noch viel, gar keine Frage, aber die von der NGG verbreiteten Zahlen stimmen einfach nicht", sagt Geiser gegenüber Hotel vor9.
Geiser betont zudem, dass der Personalabbau nicht unbedingt ein Prism-spezifisches Vorgehen sei, sondern vielmehr einen branchenweiten Wandel, den man in der Hotellerie derzeit erlebe, widerspiegle. Viele Betreiber setzten aktuell auf Digitalisierung und externe Dienstleister, um defizitäre Häuser tragfähig zu machen. Und am Ende eben auch auf deutlich kleinere Stammbelegschaften. Auch Revo selbst habe diesen Ansatz bereits vor der Insolvenz verfolgt.
„Man mag diese Entwicklung bedauern. Aber diese Hotels sind nicht in die Insolvenz geschlittert, weil sie so profitabel waren", wirbt Geiser für eine differenzierte Sichtweise. Bei Revo seien zu lange stark defizitäre Betriebe durch profitable Häuser quersubventioniert worden. Am Ende sei ein solches Modell langfristig nicht tragfähig. Für die betroffenen Mitarbeiter, so Geiser, seien die Entscheidungen aber dennoch bitter.
Israelische Fattal Hotel Group ist der zweitgrößte Einzelkäufer
Während Prism nicht nur wegen des Personalabbaus, sondern auch wegen seiner Geschäftspraktiken in der Diskussion steht, verlaufen die Übernahmen bei den vier weiteren Großkäufern bislang weitgehend geräuschlos. Mit Leonardo, B&B und Motel One bringen drei von ihnen etablierte Hotelmarken mit. In Deutschland jedoch nahezu unbekannt ist die israelische Hotelmarke "Brown Hotels", die sich ebenfalls eine Reihe von Revo-Hotels gesichert hat..
Die israelische Fattal Hotel Group übernimmt unter ihrer Marke Leonardo 22 Häuser und ist damit der zweitgrößte Einzelkäufer. Vorzeigeobjekt im übernommenen Portfolio ist das künftige Leonardo Smart Vienna Airport Hotel mit 510 Zimmern am Flughafen Wien. Der Neubau sollte ursprünglich als Vienna House Easy by Wyndham eröffnen, was dann aber wegen der Revo-Insolvenz scheiterte. Weiterhin wechseln unter anderem die H2- und H4-Hotels am Berliner Alexanderplatz sowie jeweils ein Hotel in Dortmund und Düsseldorf zu Leonardo.

Motel One übernimmt zehn Hotels und führt neun im operativen Betrieb weiter. Zwei Häuser in Kiel werden künftig gemeinsam bewirtschaftet, sie wurden bereits im Juni übergeben. Weitere Häuser sicherte sich Motel One in Dresden, Erfurt, Leipzig, München, Wien und zwei Hotels in Salzburg.
B&B Hotels sichert sich zwölf Objekte, darunter das H+ Hotel Berlin Mitte, das H+ Hotel München sowie mehrere Ibis-Styles- und Vienna-House-Standorte. Das Bundeskartellamt hat die Übernahme am 25. August freigegeben, der Betreiberwechsel soll zum 1. Oktober erfolgen. Die israelischen "Brown Hotels" komplettieren das Feld mit der Übernahme und stockt sein Engagement und übernimmt acht insolvente Hotels. Darunter sind das H4 Hotel Mönchengladbach im Borussia-Park sowie das H2 und das Hyperion in Leipzig. Zusätzlich wurde auch das Amedia in Mailand von Revo abgekauft.
73 Einzellösungen jenseits der großen Fünf
Die fünf Großkäufer vereinen zusammen also 81 Hotels. Fast ebenso viele – insgesamt 73 – wurden im Rahmen von Einzellösungen an andere Betreiber vergeben. Dabei handelt es sich keineswegs nur um Kleinstlösungen. So hat etwa Lombard Estate Capital, der frühere Vienna-House-Eigentümer, mehrere Häuser übernommen. Auch die dänische Proark, die als Eigentümerin vier Vienna-House-Hotels in Stralsund, Rostock und Eisenach im Portfolio hat, betreibt diese Häuser nach dem Ende der Revo-Pachtverträge nun in Eigenregie.
Meist jedoch sind es Einzellösungen wie beim Mövenpick Hotel Münster, das die niederländische Odyssey Hotel Group übernommen hat, oder beim bisherigen Intercity Hotel Bonn, das DQuadrat Living ab Oktober als Mercure weiterführt.
Nicht jedes Gespräch habe aber immer sofort zu einer schnellen und finalen Lösung geführt, verraten die Sanierer. Manchmal habe es auch kuriose und abenteuerliche Entwicklungen gegeben. Mal habe sich ein Fonds aufgespalten, dann hatte ein Eigentümer plötzlich ein Geldwäsche-Problem. Und in einem Fall habe die Tochter des Eigentümers einen Hotelier geheiratet, woraufhin die Familie beschlossen habe, das Hotel nun doch selbst zu betreiben...
Pascal Brückmann
