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17. Juli 2026 | 07:00 Uhr
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Auf ein Wort mit der bärtigen Therese

Itshe + Io sind ein österreichisches Künstlerpaar. Seit 2016 arbeiten, leben und entwickeln sie ihre Projekte gemeinsam. Die beiden sind zudem Gastgeber der "Absteige zur bärtigen Therese" in der Weststeiermark. Alles Weitere erfahren Sie im Gästebuch von Hotel vor9 – Teil 1.

Absteige zur bärtigen Therese Itshe + Io 2 Foto Absteige zur bärtigen Therese

Itshe + Io sind Gastgeber in der Absteige zur bärtigen Therese und noch so viel mehr

Die künstlerische Praxis von Itshe + Io bewegt sich zwischen bildender Kunst, Performance, Interior Design und der Frage, wie Orte Identität, Begegnung und Gemeinschaft ermöglichen können.

Mit der Absteige zur bärtigen Therese haben sie auf 1.000 Metern Seehöhe in Trahütten ein über 160 Jahre altes Haus in einen queeren Gast-, Kunst- und Lebensraum verwandelt. Die Therese ist Hotel, Gasthaus, Atelier, Bühne, Rückzugsort und soziales Experiment zugleich und versteht sich bewusst nicht als klassisches Hotel. Neben dem Gastgebersein arbeiten Itshe + Io als Künstler, entwickeln Kulturprojekte und Residencies. Mit der Kulturinitiative kulturfrische Trahütten bringen sie zeitgenössische Kunst und queere Kultur auf den Berg.

Was war euer Traumberuf als Kind?
Io: Prinzessin. Das meine ich ernst. Meine Umgebung fand das leider nicht sehr amüsant.
Itshe: Berufe als Kind. Ohje. Kinder mit dem Zwang einer ökonomisch verwertbaren Tätigkeit zu konfrontieren, kann ich nicht nachvollziehen. Ich bin sehr bürgerlich aufgewachsen und habe immer gehofft, dass mich jemand da rausholt und ich endlich an einem Ort leben darf, an dem es keine Berufe gibt, sondern nur erfülltes Sein. Ich war schon als Kind ein verträumter Idealist, der alles hinterfragt hat. Also wahrscheinlich Traumberuf: Guru oder Philosoph.

Wie seid ihr in die Hotellerie gekommen?
Io: Eigentlich gar nicht. Die Hotellerie ist zu uns gekommen.
Itshe: Wir sind Künstler und Designer und haben uns in ein über 160 Jahre altes Haus auf 1.000 Metern Seehöhe verliebt. Ein riesiges Haus am Berg, ein bisschen verwunschen, mit sehr viel Geschichte und noch mehr Möglichkeiten. Irgendwann war uns klar: Dieses Haus will voller Menschen sein.
Io: Also haben wir die Absteige zur bärtigen Therese eröffnet. Ohne klassische Hotelausbildung und ehrlich gesagt auch ohne großes Interesse daran, ein klassisches Hotel zu führen. Dafür hatten wir sehr genaue Vorstellungen davon, wie wir selbst gerne Gäste wären und an welchen Orten wir uns wohlfühlen.
Itshe: So ist die Therese entstanden. Wahrscheinlich mehr aus einer künstlerischen Haltung heraus als aus einer touristischen.

Welche Entscheidung in eurem Berufsleben hat eure Karriere besonders geprägt?
Itshe: Alle Angestelltenverhältnisse an den Nagel zu hängen.
Io: Nicht mehr darauf zu warten, dass uns jemand einen Raum gibt, eine Ausstellung anbietet, einen Job verschafft oder uns erlaubt, eine Idee umzusetzen. Wir haben begonnen, unsere Räume selbst zu schaffen.
Itshe: Das zieht sich durch unsere künstlerische Arbeit genauso wie durch die Therese. Die wichtigste Entscheidung war wahrscheinlich, diesen Irrglauben loszulassen, dass man mit dem, was man wirklich kann und liebt, nicht überleben kann.
Io: Wenn der Ort, an dem du sein möchtest, nicht existiert, musst du ihn vielleicht selbst bauen. Das klingt im Nachhinein sehr romantisch. Während man es macht, ist es manchmal einfach nur wahnsinnig anstrengend.

Wie sieht für euch das Hotel der Zukunft aus?
Io: Kleiner, persönlicher und radikaler in seiner Haltung.
Itshe: Wir glauben nicht an Hotels, die allen gefallen wollen. Das Hotel der Zukunft kennt seine Gäste und weiß auch ganz genau, für wen es vielleicht nicht der richtige Ort ist.
Io: Weniger standardisierte Perfektion. Mehr Persönlichkeit. Weniger Beige. Mehr Leben.
Itshe: Vielleicht ist das Hotel der Zukunft auch ein Ort, an dem Gäste weniger erwarten und dafür wieder mehr selbst mitmachen. Warum eigentlich nicht? Abwaschen kann für manche Menschen unglaublich beruhigend sein. Andere entdecken vielleicht plötzlich, dass sie gerne Holz stapeln oder mit fremden Menschen an einem großen Tisch sitzen.
Io: Es muss wirklich nicht immer der neueste, überkandidelte Wellness-Trend sein. Nicht noch mehr Selbstoptimierung, Perfektionismus und Reinlichkeitswahn.

Was liebt Ihr an eurem Job?
Io: Ich liebe daran, dass es eigentlich kein Job ist.
Itshe: Jobs fand ich schon immer blöd. Ich lebe hier. Ich arbeite sehr viel, ja. Aber die Therese ist kein Arbeitsplatz, den ich am Abend verlasse. Sie ist mein Leben, unser Zuhause, unser Kunstprojekt und manchmal wahrscheinlich auch unsere etwas verrückte Parallelwelt.
Io: Ja. Genau. Und wir wissen morgens nie genau, was an einem Tag passieren wird. Beim Frühstück sitzen Menschen aus völlig unterschiedlichen Lebensrealitäten am selben Tisch. Am Nachmittag arbeitet jemand im Atelier. Und am Abend steht plötzlich eine Dragqueen an der Bar, weil sich ein Gast am Nachmittag in unserem Kostümraum zurechtgemacht hat.

Was nervt euch am meisten?
Io: Die Prüderie im Hotelbusiness.
Itshe: Dieses Altbackene und Konservative. Diese unehrliche Schmeichelei, das permanente Gegrinse und dieses Fake-Nett-Sein. Wir können so etwas wirklich nicht ausstehen.
Io: Gastgeber zu sein bedeutet für uns Nähe, Aufmerksamkeit und Interesse an Menschen. Aber es bedeutet nicht Selbstaufgabe und schon gar nicht, permanent eine Rolle zu spielen, die man eigentlich nicht mag.

Was kann die Hotellerie in Österreich von Kollegen im Ausland lernen?
Io: Wir kommen ja nicht aus dem Hotelbusiness und verstehen uns auch nicht wirklich als Hotel. Deshalb können wir das nur schlecht beantworten.
Itshe: Ja, das stimmt. Im Ausland gehen wir am liebsten in schwule / queere Hotels, sowas gibts ja in Österreich nicht. Wir versuchen dort einiges zu lernen und bringen das dann mit nach Österreich zu uns. Queere Hotels sind einfach eine andere Welt, das können wir auf die allgemeine Hotellerie in Österreich nicht übertragen.

Was war euer prägendstes Erlebnis in einem Hotel?
Itshe: Oh, ich hatte des Öfteren ein Techtelmechtel mit fremden Männern in den verschiedensten Hotels. Ich mochte diese eigene kleine Welt, die in einem Hotelzimmer entsteht. Man trifft sich, schließt eine Tür und für ein paar Stunden existiert der Rest der Welt nicht. Diese Erlebnisse haben mich definitiv geprägt.
Io: Vielleicht sind wir auch deshalb in der Therese so sexpositiv eingestellt. Hotels sind schließlich nicht nur Orte zum Schlafen. Menschen verlieben sich dort, betrügen sich, haben Affären, treffen Fremde, probieren Dinge aus und erleben manchmal Seiten an sich, die im Alltag keinen Platz haben. Ich finde, die Hotellerie darf ruhig ein bisschen ehrlicher damit umgehen, was Menschen in Hotels tatsächlich alles machen.

Kurze Pause bis nächsten Freitag zu Teil 2.

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