Christian von Rumohr – fast Fußballprofi dann doch Hotelchef
Christian von Rumohr ist in Irland geboren, in Hamburg aufgewachsen, wollte alles Mögliche werden und ist heute Direktor des Designhotels The Liberty in Bremerhaven und steht der HSMA-Deutschland vor. Alles andere erzählt er im Gästebuch von Hotel vor9.
Hotel Liberty
Christian von Rumohr wollte Fußballprofi werden, hat sich dann doch für die Hotellerie entschieden
Was war Ihr Traumberuf als Kind?
Keiner und doch alle, hat sich von Woche zu Woche geändert, mal Polizei, dann Fußball, dann Doktor, dann…
Wie sind Sie in die Hotellerie gekommen?
Reisen mit den Eltern, die Serie "Hotel" aus den USA, die mich aus irgendeinem Grund fasziniert hat, obwohl sie eigentlich totsterbenslangweilig war. Und dann auf alle Fälle das erste Schulpraktikum in der 10. Klasse mit anschließendem Sommerjob. Da war's um mich geschehen.
Welche Entscheidung in Ihrem Berufsleben hat Ihre Karriere besonders geprägt?
Es gibt für mich nicht nur die eine, es sind viele, tagtäglich. Einige prägendere sind natürlich dabei, angefangen mit der Entscheidung, die Ausbildung in einem individuellen Privathotel zu machen, zur Hotelfachschule zu gehen, später ins Sales and Marketing zu wechseln, einen Job mal geschmissen zu haben, der erste Direktorenposten…
Wie sieht für Sie das Hotel der Zukunft aus?
Bei den aktuellen Entwicklungen auf dem Markt, weiß ich gar nicht mehr so richtig, was ein Hotel überhaupt ist. Manchmal habe ich das Gefühl, dass es nur noch vier Wände sind, die um ein Bett herum gebaut werden. Spooky. Ich wünsche mir, dass die "Technik" die Menschen unterstützt und nicht komplett ersetzt, dass die persönliche Gastlichkeit wieder mehr in den Fokus rückt, die Passion zugelassen wird, ganz wichtig, dass auch wieder mehr Herz und Liebe in die Zimmergestaltung gesteckt wird, F&B wieder mehr Wertschätzung erhält. Im Rahmen meiner Tätigkeit bei der HSMA bekomme ich einen wunderbaren Einblick in die Kraft und den Willen unserer Mitglieder die Zukunft zu gestalten. Dann wird mir auch nicht bange, sondern bin eher gespannt und freu mich eigentlich auch auf das Neue.
Was lieben Sie an Ihrem Job?
Gestaltungsmöglichkeiten, Vielfalt der Aufgaben, Ergebnisse in Form von Zahlen und Reaktionen von Gästen, Mitarbeitenden und Umgebung direkt zu sehen, last but not least, dass ich immer noch sehr gerne arbeiten gehe.
Was nervt Sie am meisten?
Sinnlose Bürokratie und unnötige Dokumentationspflichten, Verkomplizierung, ein ungesundes höher-schneller-weiter und manchmal auch einfach (wir sind ja unter uns hier) respektlose und falsche Bewertungen schlecht erzogener Gäste.
Was kann die Hotellerie in Deutschland von Kollegen im Ausland lernen?
Manchmal etwas mehr Gelassenheit, manchmal etwas mehr Esprit zeigen und natürlich sein, manchmal etwas mehr Berücksichtigung der Regionalität. Manchmal aber auch einfach nichts: Da dürfen sich dann die Kollegen im Ausland eine Scheibe von uns abschneiden.
Was war Ihr prägendstes Erlebnis in einem Hotel?
Wie bei einem außergewöhnlichen Ereignis, hier ein kapitaler Wasserschaden, das Team zusammengerückt ist und gemeinsam die Situation gelöst hat.
Ein Jahr Auszeit – was würden Sie machen?
Eine Woche das Haus mal richtig ausmisten und den ganzen angesammelten unnötigen Schrott, den man nicht mehr braucht, verschenken oder wegschmeißen, die anderen 51 Wochen rund um den Globus reisen.
Wie schalten Sie ab?
Sport (aktiv), Lesen, Musik, Freunde treffen, Familie... Das ist der Auszug aus meiner Bewerbung für das Schülerpraktikum - hat sich nichts geändert.
Welches Buch lesen Sie gerade?
Keins welches ich gerade "wegsauge", deswegen parallel zwei: Vincent Moissonier, Ein Tisch am Fenster, (uns beschäftigt gerade, wohin die Reise mit unserem Fine Dining geht) und - nicht lachen - JD Vance, Hillbilly Elegie. (Was geht in diesem Kopf vor und wo ist er falsch abgebogen?)
Welchen Film haben Sie zuletzt im Kino gesehen?
Den letzten James Bond, glaube ich.
Ihr Lieblingsessen?
Weil so selten, die Fjordforelle in Nussbutter aus dem Fine Dining Menue unseres Küchenchefs Phillip Probst. Und ja, ich steh auf den Berliner Döner.
Wohin geht’s im nächsten Urlaub?
Der nächste größere wird die Serengeti und Sansibar sein.
Wen würden Sie gerne mal treffen und warum?
In genau diesem Moment, bei der Beantwortung dieser Frage, die großen politischen "Führer" dieser Welt fragen, warum sie es gerade so verbocken.
Wie und wo wollen Sie alt werden?
Irgendwo im Norden (wegen der Mentalität und des Klimas), nah am Wasser (wegen der Landschaft) und nicht weit einer kleinen oder mittelgroßen Stadt (wegen der Kultur). Passt.
Christian von Rumohr ist seit vier Jahren Hoteldirektor im Designhotel The Liberty in Bremerhaven. Er wurde in Irland geboren und ist in Hamburg aufgewachsen. Zu seinen Stationen gehört des Hotel Mondial am Kurfürstendamm in Berlin, das er als Geschäftsführer leitete. Das Thema Nachhaltigkeit und die damit verbundene gesellschaftliche Entwicklung sind ihm sehr wichtig. Aus diesem Grund absolvierte er 2021 eine Weiterbildung zum zertifizierten CSR- und Nachhaltigkeitsmanager beim TÜV Süd.