CvK – Tänzerin, Menschenfängerin und Hotelmanagerin
Caroline von Kretschmann (Foto) ist eine der bekanntesten Personen in der Hotellerie Deutschlands. Bei ihr steht immer der Mensch im Mittelpunkt und sie propagiert Servant Leadership, eine dienende Führung, und setzt sie im eignen Haus, dem Europäischen Hof in Heidelberg, um. Humor hat sie auch, das zeigen ihre zahlreichen Tanzvideos im Internet.
Europäischer Hof
Caroline von Kretschmann – Businessfrau mit Herz und Humor
Was war Ihr Traumberuf als Kind?
Popstar. Allerdings fehlten mir sowohl das Talent als auch der Plan. Überraschenderweise darf ich diesen Jugendtraum heute dank Tiktok ein kleines bisschen ausleben. Meine Dance-Challenges bewegen sich zwar eher auf Feld-Wald-Wiesen-Niveau – aber die Begeisterung ist echt.
Wie sind Sie in die Hotellerie gekommen?
Auf einer Ebene hineingeboren. Allerdings konnte ich mich zunächst außerhalb der Hotellerie völlig frei entwickeln und bin dann als eine Art Quereinsteigerin eingetreten. Familienunternehmen haben eine besondere Gravitation. Ganz entziehen kann man sich ihr selten. Heute liebe ich, was ich tue. (Unser Führungscredo übrigens.)
Was lieben Sie an Ihrem Job?
Unsere Mission: einen Ort zu schaffen, an dem Menschen glückliche Momente erleben. Ein Hotel ist weit mehr als ein Gebäude – es ist ein Resonanzraum für Begegnungen und Beziehungen. Mich erfüllt es, Menschen zu berühren und Freude zu schenken: unseren Kolleginnen und Kollegen, unseren Gästen, dem Taxifahrer vor der Tür oder der Postbotin am Morgen. Diese besondere Form der von Herzen zugewandten und achtsamen Herzlichkeit macht uns aus. Wenn Haltung, Atmosphäre und echte Herzlichkeit spürbar werden, entsteht etwas, das man nicht buchen, sondern nur fühlen kann. Und genau das liebe ich an meinem Beruf.
Was nervt Sie am meisten?
Arroganz und Respektlosigkeit. Sie sind für mich Ausdruck eines defizitären Menschenbildes, eines Denkens in Über- und Unterordnung, in vermeintlichen Rangunterschieden von Wert und Bedeutung. Wer sich selbst erhöht, stellt sich über andere und nimmt ihnen damit Würde und Respekt. Im Europäischen Hof Heidelberg sind wir zutiefst davon überzeugt, dass jeder Mensch den gleichen Respekt verdient – unabhängig von Herkunft, sozialer Position oder persönlicher Identität. Ich glaube: Man wird nicht größer, indem man andere kleiner macht. Wahre Größe entsteht dort, wo wir andere mit offenem Herzen wachsen lassen – im besten Fall sogar über uns hinaus.
Ein Jahr Auszeit – was würden Sie machen?
Ich würde wahrscheinlich reisen, die Welt entdecken, die ich noch nicht kenne. Und ich würde gerne ein Buch schreiben. Über Familienunternehmen, über Werte, Haltung und Führung. Und vielleicht auch über den Europäischen Hof Heidelberg. Hier gibt es so viele berührende – und manchmal herrlich komische – Geschichten, dass man sie sich nicht ausdenken könnte. Das echte Leben schreibt einfach besser.
Wie schalten Sie ab?
Beim Sport. Und das täglich.
Welches Buch lesen Sie gerade?
Ich lese „Misstrauensgemeinschaften – Zur Anziehungskraft von Populismus und Verschwörungsideologien“ von Aladin El-Mafaalani. Gerade jetzt ist dieses Buch wichtig, weil wir erleben, wie Polarisierung, Vereinfachung und Verschwörungserzählungen gesellschaftliche Debatten prägen. Das Buch zeigt, dass wachsendes Misstrauen kein Zufall ist, sondern ein Symptom einer offenen, komplexen Gesellschaft. Für Menschen in Politik, Medien oder Unternehmen ist es essenziell zu verstehen, wie Vertrauen entsteht – und warum es verloren geht. Ein kluges, differenziertes Buch, das zum Weiterdenken zwingt.
Welchen Film haben Sie zuletzt im Kino gesehen?
Auf der Berlinale 2026 Rosebush Pruning. Ein stellenweise bizarrer, satirischer Thriller über eine extrem privilegierte und extrem dysfunktionale Familie. Kein Sonntagsabend-Film, sondern ein herausforderndes, bisweilen befremdliches Werk. Im Nachgang gab es reichlich Stoff für Diskussionen.
Ihr Lieblingsessen?
Alles mit Blick aufs Meer.
Wohin geht’s im nächsten Urlaub?
Nach Paris. Immer eine Reise wert. Und eine Stadt, die gerade wieder wunderbare kulturelle Highlights bietet.
Wen würden Sie gerne mal treffen – und warum?
Ich würde meine Ur-Großeltern gerne nochmals treffen, um von ihnen zu erfahren, wie es war, unser Familienunternehmen in 1. Generation aufzubauen und durch viele Krisen, wie zum Beispiel den 2. Weltkrieg zu manövrieren. Diese Perspektive würde ich gerne einmal aus erster Hand hören.
Wie und wo wollen Sie alt werden?
Am liebsten an der Seite meiner Lebensgefährtin und das gesund, gut gelaunt und mit ein, zwei Rauhaardackeln im Körbchen.
Zur Person: Dr. Caroline von Kretschmann ist geschäftsführende Gesellschafterin des Europäischen Hofs in Heidelberg. Sie führt das Fünf-Sterne-Hotel seit 2013 in vierter Familiengeneration. Nach Banklehre, BWL-Studium und Promotion arbeitete sie 15 Jahre als Consultant, davon zehn Jahre im eigenen Unternehmen. 2022 wurde Caroline von Kretschmann zur Hôtelière des Jahres ausgezeichnet.