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21. August 2026 | 07:00 Uhr
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Jörg T. Böckeler will dem Leben auf den Grund gehen

Jörg T. Böckeler, Chef des Bonner Hotelunternehmens Invite Group, möchte auf Reisen tief eintauchen und liebt deswegen unterwegs die Langsamkeit. Er hat zwar Koch gelernt, will es aber noch mal richtig wissen, und zwar in einer Küche, in der man ihn anschreit. Alles Weitere verrät er im Gästebuch von Hotel vor9.

Jörg T. Böckeler liebt Klavier, Tennis und würde gerne Elton John wiedersehen

Was war Ihr prägendstes Erlebnis in einem Hotel?
Im Savoy in London, als junger Mann im Restaurant. Ich wurde dort zum Waiter of the Year gewählt – für einen Deutschen in diesem Haus war das mehr als eine Auszeichnung, es war die Erlaubnis, an sich zu glauben. Mein damaliger Maître sagte mir dazu nur einen Satz, der bis heute sitzt: Das Detail ist nicht das Kleine, es ist das Ganze. Danach wusste ich, dass ich in dieser Branche bleiben würde.

Ein Jahr Auszeit – was würden Sie machen?
Reisen, aber langsam. Nicht 40 Hotels in 14 Tagen, sondern mit dem Segelboot unterwegs sein und an einem Ort so lange bleiben, bis man ihn versteht. Und ich würde endlich richtig kochen lernen – nicht als Hobby, sondern in einer Küche, in der man mich anschreit.

Wie schalten Sie ab?
Am Klavier. Ich spiele bis heute, und es ist das Einzige, bei dem mein Kopf wirklich nur eine Sache macht. Dann Sport, vor allem Tennis – auf dem Platz gibt es keine Agenda und keine Ausreden. Und Reisen: nicht abhaken, sondern neue Horizonte entdecken. Das lädt mich zuverlässiger auf als jeder Urlaub auf derselben Liege.

Welches Buch lesen Sie gerade?
Ehrlicherweise lese ich viel zu selten. Wenn, dann am liebsten Agentenromane von Daniel Silva – aktuell "Ransom", sein neuester Band, gerade im Juli erschienen. Sein Held Gabriel Allon ist Kunstrestaurator und Spion in einem: Präzision im Detail und permanent unterwegs. Das kommt mir beruflich seltsam bekannt vor.

Welchen Film haben Sie zuletzt im Kino gesehen?
Ins Kino gehe ich eigentlich nicht. Wenn ich Zeit für Kultur habe, dann live – ein Konzert gibt mir mehr als jeder Film. Zuletzt war ich bei Coldplay, ein Mega-Konzert. Und natürlich habe ich die ganze Zeit auch mitgeschaut, wie diese Show organisiert ist: Zehntausende Menschen, jeder Ablauf sitzt, und trotzdem fühlt es sich persönlich an. Genau das ist unsere Aufgabe in der Hotellerie auch.

Ihr Lieblingsessen?
Ehrlich: Schwarzwälder Küche. Maultaschen, wie sie in der Traube auf den Tisch kamen. Ich habe in Sterne-Restaurants auf vier Kontinenten gegessen, aber Heimatküche schlägt Technik. Abends dann lieber leicht – Fisch, Gemüse, ein Glas Sauvignon Blanc.

Wohin geht’s im nächsten Urlaub?
Mit dem Auto durch Frankreich. Erster Halt Reims – Champagner an der Quelle, das ist bei mir fast schon ein Ritual. Dann Lyon, für mich die ehrlichste Küchenstadt Europas: keine Inszenierung, nur Handwerk, Bouchons, morgens über die Märkte. Weiter runter an die Küste der Provence, wo abends alles nach Kräutern, Salz und Olivenöl riecht und man nach zwei Tagen aufhört, auf die Uhr zu schauen. Und zurück über unser Bergwiesenglück in Tirol – Berge statt Meer, Stille statt Süden. Das ist für mich die schönste Art anzukommen: einmal quer durch alles, was ich am Reisen liebe, und am Ende ein Haus, für das man selbst Verantwortung trägt.

Wen würden Sie gerne mal treffen und warum?
Treffen? Eher wiedersehen: Sir Elton John. Unsere Wege haben sich schon ein paar Mal gekreuzt, und er ist jedes Mal aufs Neue "great fun to be with" – ein Weltstar, dem kein Gespräch zu klein ist. Das ist in dieser Liga selten. Und uns verbindet das Klavier – nur dass einer von uns beiden damit deutlich weiter gekommen ist.

Wie und wo wollen Sie alt werden?
Neugierig. Der Ort ist mir weniger wichtig als die Haltung – aber wenn ich wählen darf: mit Blick auf Wasser, in Reichweite guter Restaurants und mit einem Koffer, der nie ganz ausgepackt ist. Und bitte nicht als jemand, der Sätze mit "Früher war das besser" beginnt.

Jörg T. Böckeler begann seine Karriere mit einer Doppelausbildung zum Koch und Restaurantfachmann in der Traube Tonbach. Stationen führten ihn u. a. ins Savoy London, nach Cliveden House (Taplow), ins Kempinski Taschenbergpalais Dresden, ins Westin Grand Kapstadt und als Area General Manager zum Intercontinental Sydney. 2003 wurde er Hotelmanager des Jahres, 2011 erhielt er das Bundesverdienstkreuz am Bande für seine Verdienste um den deutschen Tourismus. Von 2018 bis 2025 führte er als CEO die Dorint Hotels & Resorts mit über 60 Hotels und rund 3.500 Mitarbeitern. Seit Mai ist er CEO der Bonner Invite Group (u. a. Kameha Grand Bonn, Radisson Blu Bonn, Hideaway & Spa Hotel Marienhöh, Bergwiesenglück Tirol). Er hält einen Bachelor of Science in Hospitality Management der Oxford Brookes University und einen MBA der Imadec University und ist Board Member der World Sustainable Hospitality Alliance.

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