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28. August 2026 | 07:00 Uhr
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Marco Nussbaum – ein Vordenker der Hotellerie

Sein erster Berufswunsch war Müllmann, doch eine vermeintliche Strafe führte ihn in die Hotellerie. Als Mitgründer von Prizeotel hat er in der Branche für Aufsehen gesorgt und mit Hiamo hat er gerade ein neues Hotelunternehmen an den Start gebracht. Über Showbirnen in der Branche und Wendepunkte in seinem Leben erzählt er in unserem Gästebuch.

Marco Nussbaum 2 Foto privat

Marco Nussbaum ist eine der profiliertesten Persönlichkeiten der Hotellerie in Deutschland

Was war Ihr Traumberuf als Kind?
Müllmann. Ich fand diese orangenen Uniformen großartig und bin den Müllmännern als kleiner Junge immer hinterhergelaufen. Vor allem fand ich es unglaublich cool, wie sie hinten am Müllauto hingen. Für mich sah das nach Freiheit und Abenteuer aus.

Wie sind Sie in die Hotellerie gekommen?
Eigentlich sollte ich zur Bank gehen oder irgendeine Ausbildung in einer Verwaltung machen. Das fand ich schon als junger Mensch furchtbar langweilig. Während meiner Grundausbildung bei der Marine wurde ich dann im Offizierscasino in Bremerhaven eingeteilt, vermutlich eher als Strafe gedacht. Für mich war es das Gegenteil: Ich fand die Atmosphäre total spannend, lernte tolle Menschen kennen und merkte plötzlich, dass mir genau diese Welt liegt. Da war für mich klar: So etwas möchte ich beruflich machen. Also begann ich in Bremen eine Ausbildung zum Hotelfachmann.

Welche Entscheidung in Ihrem Berufsleben hat Ihre Karriere besonders geprägt?
Eigentlich waren es drei Ereignisse in sehr kurzer Folge: der 11. September 2001, der Tod eines Mentors und der anschließende Verkauf der Astron Hotels Anfang 2002.

Ich war seit 1994 bei Astron, hatte dort Karriere gemacht und in einem unglaublich unternehmerischen und expansiven Umfeld gearbeitet. Ich konnte mir damals überhaupt nicht vorstellen, dieses Unternehmen jemals zu verlassen.

Kurz zuvor war zudem einer meiner Mentoren und Vorstände der Gesellschaft mit gerade einmal 50 Jahren gestorben. Das hat mich tief getroffen. Plötzlich wurde mir sehr bewusst, wie endlich das Leben ist und wie schnell sich alles verändern kann.

Der Verkauf von Astron hat mir gleichzeitig gezeigt, dass auch eine berufliche Welt, die man für sicher hält, von einem Tag auf den anderen eine andere sein kann. Ich wollte nicht irgendwann mit Mitte 40 oder 50 erleben, dass ein Unternehmen verkauft oder fusioniert wird und andere darüber entscheiden, ob ich noch gebraucht werde. Ich wollte mein Schicksal selbst in die Hand nehmen. Rückblickend war das wahrscheinlich einer der entscheidenden Impulse für meinen Weg in die Selbstständigkeit.

Und der Tod meines Mentors hat meinen Blick auf das Leben weit über den Beruf hinaus geprägt. Ich weiß noch, wie ich damals dachte: Wenn ich irgendwann Kinder bekomme und selbst nur 50 Jahre alt werde, erlebe ich vielleicht nicht einmal ihren 18. Geburtstag. Diese beiden Erfahrungen haben deshalb nicht nur meine beruflichen Entscheidungen verändert, sondern auch meine Haltung zu Familie, Zeit und zum Leben insgesamt.

Wie sieht für Sie das Hotel der Zukunft aus?
Ich glaube, dass es DAS eine Hotel der Zukunft gar nicht geben wird. Dafür sind Märkte, Kulturen, Bedürfnisse und Zielgruppen viel zu unterschiedlich.

In Japan erleben wir heute schon Hotels, in denen Roboter Aufgaben beim Check-in übernehmen und diese Entwicklung wird mit KI sicherlich noch viel weitergehen. Gleichzeitig kann ich mir genauso gut ein "Black-Hole-Hotel" vorstellen: einen Ort, an den Menschen ganz bewusst gehen, um nicht erreichbar zu sein, kein Internet, kein Telefon, keine permanente digitale Verbindung.

Auch Luxus wird immer wieder neu definiert werden. Longevity, Gesundheit, Schlaf, Zeit und Ruhe werden dabei eine größere Rolle spielen. Gleichzeitig wird es weiterhin hervorragende Budgethotels geben, bei denen Einfachheit, Effizienz und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis entscheidend sind.

Die Zukunft des Hotels ist für mich deshalb nicht ein bestimmtes Konzept. Sie ist Vielfalt. Entscheidend wird sein, sehr genau zu verstehen, für wen man ein Hotel eigentlich baut und welches Bedürfnis man damit erfüllt.

Was lieben Sie an Ihrem Job?
Die Abwechslung. Ich verabscheue nichts mehr als Monotonie und in der Hotellerie ist garantiert kein Tag wie der andere. Genau das liebe ich.

Was nervt Sie am meisten?
Egoistische Menschen ohne Selbstreflexion, die wenig können, sich aber umso lieber ins Rampenlicht stellen. Davon haben wir in unserer Branche leider einige. Wir sind manchmal schon eine ziemliche Branche der Showbirnen.

Was kann die Hotellerie in Deutschland von Kollegen im Ausland lernen?
Ich habe 2014 mein GMP (General Managers Program) an der Cornell University gemacht und dort sehr viel Zeit mit Führungskräften aus der Hotellerie aus aller Welt verbracht. Eine meiner wichtigsten Erkenntnisse war: Am Ende haben wir erstaunlich oft dieselben Probleme, mal stärker, mal schwächer ausgeprägt.

Das erlebe ich bis heute, wenn ich mich mit befreundeten Hoteliers im Ausland austausche. Gerade war ich wieder in New York und hatte genau diese Erfahrung. Deshalb tue ich mich mit dem Satz schwer, dass "wir Deutschen" einfach nur von "dem Ausland" lernen müssten. Wir können vor allem voneinander lernen.

Was war Ihr prägendstes Erlebnis in einem Hotel?
Ganz klar: der Lockdown während Corona. Das war, als würdest du auf der Autobahn Vollgas fahren und plötzlich tritt der Beifahrer mit aller Kraft auf die Bremse. Von einem Moment auf den anderen stand eine ganze Branche praktisch still. Diese Zeit hat mich sehr geprägt, beruflich, aber vor allem auch menschlich. So etwas möchte ich nie wieder erleben. Nicht für unsere Branche, nicht für die Menschen und nicht für unsere Gesellschaft.

Ein Jahr Auszeit – was würden Sie machen?
Bisher hatte ich als alleinerziehender Vater schlicht nicht die Möglichkeit dazu und das meine ich überhaupt nicht negativ. Aber wenn ich wirklich ein Jahr frei hätte, würde ich reisen.

Am liebsten mit meinen buddhistischen Freunden durch die Welt: Bhutan, Tibet und andere Orte, die mich schon lange interessieren. Jeans, T-Shirt, Turnschuhe, ein Rucksack, Kreditkarte und Handy, mehr bräuchte ich wahrscheinlich nicht. Einfach unterwegs sein und die Einfachheit des Lebens und des Reisens genießen.

Wie schalten Sie ab?
Das hat sich bei mir verändert. Früher habe ich vor allem durch Aktivität und Sport abgeschaltet, wie man sieht, habe ich das noch nicht wieder ganz für mich entdeckt.

Heute meditiere ich viel und nehme mir bewusst Auszeiten in der Natur, besonders im Wald oder am Wasser. Ich genieße es, mit sehr guten Freunden zusammenzusitzen und wirklich gute Gespräche zu führen. Live-Konzerte und Sportveranstaltungen gehören für mich ebenfalls dazu.

Gleichzeitig ist Abschalten für mich heute viel stärker mit Ruhe verbunden. Dazu gehört auch ganz bewusst Digital Detox, einfach einmal nicht erreichbar und nicht permanent online zu sein.

Und ich habe gelernt, konsequenter auf die Menschen zu achten, mit denen ich meine Zeit verbringe. Menschen, die für mich persönlich toxisch sind, und zwar ausdrücklich nach meiner eigenen Definition, versuche ich aus meinem Leben herauszuhalten. Das ist für mich keine Abwertung anderer, sondern Selbstfürsorge und das Setzen von Grenzen.

Außerdem habe ich für mich einen erstaunlich einfachen Zusammenhang entdeckt: Äußere Ordnung schafft innere Ordnung. Wenn ich mein Umfeld ordne, bringt das auch Ruhe in meinen Kopf.

Welches Buch lesen Sie gerade?
Atomic Habits von James Clear. Mich beschäftigt gerade sehr die Frage, wie kleine Veränderungen im Alltag langfristig große Wirkung entfalten können.

Welchen Film haben Sie zuletzt im Kino gesehen?
Wenn das kleine Kino im Hotel Atlantic in Hamburg mitzählt, das ich übrigens wirklich nur empfehlen kann, dann war es "Ziemlich beste Freunde". Ein großartiger Film, den ich immer wieder sehen kann.

Ihr Lieblingsessen?
Diese Frage mochte ich noch nie. Ich esse grundsätzlich sehr gerne, aber für mich hängt Essen immer auch von Ort, Stimmung, Klima und Gesellschaft ab. Was ich vielleicht an einem warmen Abend am Mittelmeer essen möchte, ist etwas völlig anderes als vielleicht im Winter in Hamburg. Deshalb habe ich kein Lieblingsessen, auch beim Essen liebe ich einfach die Vielfalt.

Wohin geht’s im nächsten Urlaub?
Nach Mexiko. Mein Sohn spielt mit der deutschen U15-Nationalmannschaft die Baseball-Weltmeisterschaft in Mérida. Wir werden wahrscheinlich mit ein paar Freunden hinfliegen und wollen neben seinen Spielen natürlich auch das Land und die Kultur entdecken. Darauf freue ich mich sehr. Nur unser Hotel hat uns gerade wegen Umbauarbeiten kurzfristig storniert, für einen Hotelier natürlich besonders ärgerlich…

Wen würden Sie gerne mal treffen und warum?
Dr. Dre. Seine Lebensgeschichte fasziniert und inspiriert mich unglaublich. Wenn man sich anschaut, wo er in Compton angefangen hat und was er daraus gemacht hat, als Musiker, Produzent und Unternehmer, ist das schon außergewöhnlich.

Mich würde vor allem interessieren, welche Entscheidungen auf diesem Weg wirklich entscheidend waren, wie er mit Rückschlägen umgegangen ist und woher dieser Wille kam, sich immer wieder neu zu erfinden. Diese Mischung aus Herkunft, Kreativität, Unternehmertum, Erfolg und auch schwierigen Phasen finde ich extrem spannend.

Wie und wo wollen Sie alt werden?
Ich möchte vor allem möglichst gesund alt werden und mir die Freiheit erhalten, flexibel entscheiden zu können, wo auf der Welt ich gerade einen Teil meiner Zeit verbringen möchte. Einen einzigen Ort dafür brauche ich nicht unbedingt.

Viel wichtiger sind mir die Menschen, die mich begleiten und auf die ich niemals verzichten möchte. Denn am Ende glaube ich an einen ganz einfachen Satz: Der Mensch ist für den Menschen die beste Medizin.

Zur Person: Marco Nussbaum hat nach seiner Zeit bei der Marine in Bremen eine Ausbildung zum Hotelfachmann absolviert. Bei Astron Hotels stieg er bis in die Geschäftsleitung auf und bekleidete Führungspositionen bei NH und Ramada, bevor er sich als Mitgründer von Prizeotel selbstständig machte. Nach dem Verkauf des Unternehmens hat er 2026 als Co-Founder von Hiamo Hotels in Hamburg das erste Haus der Marke eröffnet. Marco Nussbaum engagiert sich für die Branche und ist Vorstand des IHA und Präsidiumsmitglied des Dehoga.

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