Tägliche News für die Hotellerie

14. April 2026 | 19:45 Uhr
Teilen
Mailen

Kempinski setzt auf mehr Eigenbesitz und "Europe first"

Knapp zwei Jahre nach ihrem Amtsantritt spricht die Kempinski-Chefin Barbara Muckermann (Foto) im Interview mit Hotel vor9 über die fortlaufende Portfolio-Bereinigung, den Strategiewechsel zum Eigenbesitz und die geplante Expansion in Europa und den USA.

Muckermann

Kempinski-Chefin Barbara Muckermann möchte die vielen weißen Flecken in Europa bald beseitigen und kündigt neue Standorte in Europa an

Frau Muckermann, als Sie im Mai 2024 die Verantwortung für Kempinski übernommen haben, hatte die Hotelgruppe 82 Häuser in Betrieb. Heute sind es nach unseren Informationen 75 Hotels. Sie hatten angekündigt, sich von Hotels zu trennen, die nicht dem Kempinski-Anspruch genügen. Ist dieser Prozess nun abgeschlossen?
Barbara Muckermann: Ja, die Zahlen sind korrekt. Wir haben uns konsequent von Häusern getrennt, die nicht mehr in unser Ultra-Luxus-Profil gepasst haben. Dieser Prozess ist aber noch nicht vollständig abgeschlossen und wird es vielleicht auch nie sein. Wir schauen uns jedes einzelne Hotel genau an und prüfen, ob es unseren Ansprüchen gerecht wird. Qualität geht für uns klar vor Quantität.

Im September 2024 sagten Sie uns, dass 34 neue Häuser in der Planung seien, die in drei Jahren das Portfolio ergänzen sollen. Seitdem ist einige Zeit verstrichen. Ist diese Planung noch aktuell? 
Die Pipeline ist nach wie vor sehr aktiv. Natürlich verschieben sich einzelne Projekte, das liegt in der Natur von Hotelentwicklungen. Aber wir haben eine substanzielle Anzahl an Projekten in fortgeschrittener Planung. Die kommen. Nicht alle gleichzeitig, aber sie kommen.

Aktuell dürfte in ihren acht Hotels in Middle East das Geschäft aufgrund des Iran-Kriegs stark zurückgegangen sein. Müssen Sie sich Sorgen machen?
Wir hatten das nicht eingeplant und es wird unser Geschäft in diesem Jahr beeinflussen. Aber der Effekt ist zum Glück überschaubar, es wird trotzdem ein ok-gutes Jahr für Kempinski. Von der Region Middle East sind wir weiter überzeugt.

Ändern sich jetzt ihre Pläne, ihren Hauptsitz von Genf nach Dubai zu verlegen?
Nein, wir suchen aktuell ein passendes Büro in Dubai und wir sehen, dass sich die Mietpreise aus unserer Sicht gut entwickeln. Kempinski ist ein internationales Unternehmen und wir werden weiter ein Büro in Genf haben. Aber Dubai wird künftig eine größere Rolle einnehmen.

Ihre Hotelgruppe gehört mehrheitlich dem Königshaus von Bahrain. Ist dieser Umstand in diesen schwierigen Zeiten eher ein Vorteil oder ein Nachteil?
In Bezug auf den Iran-Krieg würde ich sagen, dass das neutral ist. Wir haben Eigentümer, die langfristig denken und bereit sind, in die Marke zu investieren. Das gibt uns die Stabilität und den finanziellen Rückhalt, den wir für unsere Wachstumsstrategie brauchen.

Ein weiterer Standort, der nicht so läuft wie gedacht, befindet sich in Kuba. Ihr Hotel Manzana in Havanna ist seit einigen Tagen über die Kempinski-Systeme nicht mehr buchbar. Haben Sie die Notbremse gezogen?
Das Hotel ist derzeit temporär geschlossen. Wir haben in Kuba eine Sondersituation. Es gibt derzeit kaum Flüge, das hat sich natürlich auf die Belegung massiv ausgewirkt. In Abstimmung mit dem Eigentümer haben wir jetzt diese Entscheidung getroffen. Aber wir sind bereit, das Haus wieder zu aktivieren, wenn die Rahmenbedingungen es wieder zulassen.

Die Schließung hat also nichts damit zu tun, dass Sie demnächst in den amerikanischen Markt expandieren wollen?
Nein, das sind zwei völlig getrennte Themen. Was die USA betrifft: Wir arbeiten aktiv an einer Markteintrittsstrategie. Ich habe von Anfang an gesagt, dass man keine globale Luxusmarke sein kann, ohne in den USA präsent zu sein. Wir wollen dort mit einem europäischen Produkt antreten. Aber es braucht dafür eine gewisse kritische Masse. Ein einzelnes Hotel reicht nicht. Es sollten schon mindestens drei Hotels zum Start sein. Aktuell laufen viele Gespräche, schon nächste Woche fliege ich wieder in die USA.

Am 1. April haben Sie den Erwerb des Hotel Augustine in Prag bekannt gegeben. Die erste vollständige Akquisition seit dem Kauf des Vier Jahreszeiten in München 1970. Warum kaufen Sie nun plötzlich Hotels?
Unsere Strategie, ein wirklich einzigartiges Portfolio zu schaffen, wird niemals erfolgreich sein, wenn Hotelmanagementverträge allein die Grundlage dafür bilden. Nur durch Direktbesitz können wir das Gästeerlebnis vollständig steuern. Prag ist der erste konkrete Schritt, um das Konzept "Kempinski der Zukunft" erlebbar zu machen. Das Augustine wird zunächst als White-Label-Haus geführt. Aber Ende 2026, wenn wir alle Veränderungen vorgenommen haben, wird es unter Kempinski-Flagge wiedereröffnen.

Kempinski ist stark im Middle East und in China vertreten, hat aber in Europa erstaunlich viele weiße Flecken. In Großbritannien, Italien, Spanien und Frankreich ist die Marke nicht präsent. Wie sind hier ihre Pläne?
Europa hat für uns absolute Priorität. Wir sind eine europäische Luxusmarke mit europäischen Wurzeln. Und genau dort müssen wir stärker sichtbar sein. Die von Ihnen genannten Märkte stehen ganz oben auf unserer Liste. Die klare Ansage lautet: Europe first, was neue Entwicklungsprojekte angeht. Und es gibt in Europa sehr viele Häuser im Bestand, die für uns in Frage kommen. Wir müssen nicht zwingend neu bauen.

Und für Deutschland, hier betreiben sie vier Hotels, sehen sie auch noch Potenzial?
Absolut. Unsere Marke würde zum Beispiel sehr gut nach Hamburg passen.

Das Gespräch führte Pascal Brückmann

Newsletter kostenlos bestellen

Ja, ich möchte den Newsletter täglich lesen. Ich erhalte ihn kostenfrei und kann der Bestellung jederzeit formlos widersprechen. Meine E-Mail-Adresse wird ausschließlich zum Versand des Newsletters und zur Erfolgsmessung genutzt und nicht an Dritte weitergegeben. Damit bin ich einverstanden und akzeptiere die Datenschutzerklärung.