Lindner CEO glaubt an die Zukunft des Vier-Sterne-Segments
Im zweiten Teil des Hotel-vor9-Interviews spricht Lindner-CEO Adrian Lindner (Foto) über den Abbau von Hierarchien im Unternehmen, die Zukunft der Partnerschaft mit Hyatt, neue Hotels und die Frage, warum er unverändert an das personalintensive Vier-Sterne-Segment glaubt.
Lindner Hotel Group
Machts sich für das eigene Unternehmen stark und will verlorenes Vertrauen zurückgewinnen: Adrian Lindner
Was haben Sie als neuer CEO in der Zentrale verändert?
Adrian Lindner: Vor der Insolvenz hatten wir uns stark auf Wachstum ausgerichtet, Strukturen aufgebaut und zentralisiert. Heute haben wir Hierarchien reduziert, Komplexität abgebaut, die Umsatzverantwortung wieder an die Direktoren in den Häusern zurückgegeben. Die Zahl der Mitarbeitenden im Headquarter ist von 110 auf unter 80 gesunken, vieles durch natürliche Fluktuation. Zudem haben wir gezielt jüngere Leute gefördert, und bereichsübergreifend Taskforces gebildet. Und nach einem Umzug arbeiten wir jetzt auch räumlich alle auf einer Ebene, statt verteilt auf mehreren Etagen.
Wie viele Hotels befinden sich jetzt noch unter dem Dach der Lindner Hotels AG?
Aktuell sind es 30 Häuser. Bei einigen wenigen Betrieben laufen noch Fortführungsvereinbarungen aus der Insolvenz, so dass sich im Detail noch etwas ändern kann. Aber die derzeitige Größenordnung ist die Basis, auf der wir profitabel arbeiten wollen. Wir haben langfristig unterschriebene Projekte an Standorten wie Hamburg, Leipzig, Stuttgart und Osnabrück in der Pipeline. Diese werden in den kommenden Jahren realisiert. Damit ist weiteres Wachstum bereits konkret angelegt.
Sie treten weiterhin mit vier Marken auf. Wo sehen Sie das größte Potenzial?
Unser Portfolio umfasst Lindner Hotels & Resorts im oberen Mittelklassesegment, die Boutique-Marke Me & All gemeinsam mit Hyatt, 7Pines im Luxusbereich und die L-Collection für exklusive Destinationen. Besonders bei Me & All sehen wir großes Wachstumspotenzial, die Marke funktioniert sehr gut. Die L-Collection wiederum bietet Chancen im Bereich privater Eigentümer, etwa im Alpenraum, die ein Hotel haben, aber keinen Nachfolger finden – da sehe ich für uns als Familienunternehmen einen Wettbewerbsvorteil. Im Zentrum steht natürlich unverändert unsere Kernmarke Lindner.
Wie geht es eigentlich mit der Zusammenarbeit mit Hyatt weiter?
Wir stehen heute enger im Austausch als je zuvor. Im Dezember war eine große Gruppe der wichtigsten Vertreter der EMEA-Region in Düsseldorf zu einem großen zweitägigen Workshop, als "Reconnect" nach der Insolvenz. Wir stehen auf allen Ebenen in sehr regelmäßigem Austausch. Das Potenzial der Zusammenarbeit – vor allem auch in der Nutzung von Hyatt-Systemen und -Tools – ist noch lange nicht ausgeschöpft. Das hilft uns, professioneller und effizienter zu werden und bestimmte Dinge künftig noch besser zu nutzen, als wir das in der Vergangenheit getan haben.
Viele schreiben das personalintensive Vier-Sterne-Segment ab. Sie nicht?
Wir haben uns bewusst für dieses Segment entschieden und glauben daran. Aktuell mögen Luxus und Budget besonders gefragt sein. Aber unsere Häuser funktionieren, die Nachfrage ist da und die Gäste schätzen unser Angebot. Vor allem unser neues Denkquartier-Konzept für Mice-Veranstaltungen wird positiv angenommen. Unternehmen buchen gezielt bei uns. Wegen der guten Qualität, der lokalen Expertise und der persönlichen Betreuung.
Wie wollen Sie sich darüber hinaus differenzieren?
Unter anderem über unsere Mitarbeitenden. Wir werden Ausbildung, Entwicklung und Unternehmenskultur wieder mehr in den Vordergrund stellen. Als eines der wenigen verbliebenen Familienunternehmen in der deutschen Hotellerie möchten wir Wertekultur in den Vordergrund stellen. Aber notwendig ist auch, dass wir das Profil der Marke Lindner weiter schärfen und klarer kommunizieren müssen. Daran werden wir arbeiten.
Sie sind jetzt 36 Jahre alt und kommen aus der Unternehmensberatung. Fühlen Sie sich inzwischen so richtig in der Hotellerie angekommen?
Ich habe keine klassische Hotelausbildung, keine jahrzehntelange Erfahrung und auch nicht das typische Netzwerk eines Hotel-CEOs. Aber meine Ausbildung und bisherige berufliche Laufbahn haben mich gut auf den heutigen Job vorbereitet. Außerdem habe ich ein starkes Team mit hoher Kompetenz, auf das ich bauen kann. Ich bin inzwischen seit fünfeinhalb Jahre in der Hotellerie-Branche und fühle mich vollständig angekommen. Und werde ihr treu bleiben.
Das Gespräch führte Pascal Brückmann
Hinweis: Lesen Sie hier den 1. Teil des Interviews mit Lindner-CEO Adrian Lindner