Enkelgeneration Lindner will zurück auf die Erfolgsspur
Adrian Lindner (Foto), der neue CEO der Lindner Hotel Group, spricht im Interview mit Hotel vor9 über die schwierigsten Momente des zurückliegenden Insolvenzverfahrens. Der 36-Jährige berichtet, warum er und seine Familie wieder in die angeschlagene Firma investiert haben. Im laufenden Jahr geht er von einer positiven Entwicklung aus.
Lindner Hotel Group
Hat Verantwortung für das Familienunternehmen übernommen. Adrian Lindner, der neue CEO der Lindner Hotel Group
Herr Lindner, Sie haben über die Insolvenz der Lindner Hotels gesagt: "Wir haben viel Schaden angerichtet." Das ist eine eher untypische Äußerung für einen CEO. War das spontan oder überlegt?
Adrian Lindner: Das war schon reflektiert und entspricht auch der Wahrheit. Natürlich haben externe Umstände eine Rolle gespielt, die Marktherausforderungen sind ja hinlänglich bekannt. Aber andere haben es geschafft, wir nicht. Wir haben Dinge falsch gemacht und müssen die Fehler daher auch bei uns suchen. Und durch eine Insolvenz richtet man immer Schaden bei seinen Gläubigern an.
Zehn Monate ging es um die Existenz. Was war der schlimmste Moment?
Das beginnt bereits vor der eigentlichen Insolvenz. Ab Dezember 2024, bin ich tief ins Geschehen eingestiegen. Man analysiert die Lage und merkt, es sieht überhaupt nicht gut aus. Die Entscheidung zur Insolvenz war dann zunächst eine Niederlage auf vielen Ebenen, gleichzeitig aber auch eine gewisse Erleichterung, weil damit Klarheit geschaffen wurde. Trotzdem herrscht bis zur Gläubigerversammlung ganz am Ende des Insolvenzverfahrens permanente Ungewissheit, was den Ausgang angeht. Bis zum letzten Tag weiß man nicht, ob es klappt.
Worin bestand die größte Sorge?
Bis zur Gläubigerversammlung bestand schlicht Unsicherheit, wie das Verfahren ausgeht. Wir haben uns als Familie entschieden, selbst Verantwortung zu übernehmen, Kapital einzubringen zur Befriedigung der Gläubigerforderungen und das Unternehmen zurückzuerwerben. Dass die Gläubiger dem zugestimmt haben, war ein sehr wichtiger Moment.
Die Enkelgeneration hat insgesamt 500.000 Euro frisches Stammkapital eingebracht. Erklären Sie uns diese Entscheidung.
Wir haben als Familie intensiv die Diskussion geführt, ob wir den Schritt gehen und in einer für uns schwierigen Zeit dieses Geld investieren wollen, um ein sehr angeschlagenes Unternehmen zurückzuerwerben. Das bezieht sich nicht nur auf das eingebrachte Stammkapital, sondern auch den Betrag, der zusätzlich zur Befriedigung von Gläubigerforderungen aufgebracht wurde. Und dann haben wir sehr klar entschieden, dass wir an das Unternehmen glauben, an die Häuser, an die Marken. Gleichzeitig wollten wir operativ und auf Gesellschafterseite einen Generationenwechsel vollziehen und nach innen und außen ein klares Zeichen setzen: Wir gehen mit neuen Gesichtern einen neuen Weg.
Wer genau ist jetzt Gesellschafter?
Wie aus anderen Presseberichten bereits bekannt, ist es die Enkelgeneration. Die Gesellschaft ist innerhalb der Enkelgeneration familienintern breit getragen.
Ihr Cousin Otto Konstantin Lindner, Sohn von Otto Lindner, ist aber nicht mehr beteiligt. Was ist passiert?
Zu innerfamiliären Themen äußere ich mich öffentlich grundsätzlich nicht. Ich bitte um Ihr Verständnis, dass wir dazu keine weiteren Details teilen.
Welchen Umsatz erreicht die Lindner Hotel AG als neu aufgestelltes Unternehmen und ab wann sind sie wieder profitabel?
Mit der Lindner Hotel Group werden wir dieses Jahr ca. 250 Millionen Euro Umsatz erzielen. Das erste Quartal, bekanntermaßen das schwierigste, haben wir innerhalb des Budgets abgeschlossen. Wir gehen davon aus, dass wir bereits dieses Jahr profitabel sein werden.
Das Gespräch führte Pascal Brückmann
Hinweis: Lesen Sie morgen den 2. Teil des Interviews. Lindner-CEO Adrian Lindner erklärt, warum er Hierarchien im Unternehmen abbauen will, wie es mit der Hyatt-Partnerschaft weitergeht und welche neuen Hotels geplant sind.