Verhalteneres Interesse an Fernreisen nach Europa
Die Nachfrage nach Fernreisen schwächt sich 2026 leicht ab. Laut aktueller Zahlen der European Travel Commission planen fünf Prozent weniger der Befragten einen Landstreckentrip als im Vorjahr. Das Interesse an Europa bleibt hoch, geht aber in wichtigen Herkunftsmärkten zurück.
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Das Interesse nach Europa-Reisen von anderen Kontinenten ist in diesem Jahr gedämpft
Die European Travel Commission (ETC), Dachverband der europäischen Fremdenverkehrsämter, und der Bahnticketanbieter Eurail sehen für 2026 eine vorsichtigere Haltung bei Fernreisen. Finanzielle Einschränkungen, begrenzte Urlaubszeit und eine stärkere Orientierung auf Inlands- und Kurzstreckenreisen dämpften die Nachfrage, heißt es im aktuellen Long-Haul Travel Barometer, das laut ETC die Reiseabsichten "potenzieller Fernreisender" beleúchtet.
Europa bleibt gefragt, verliert aber leicht
Europa bleibt für 42 Prozent der Langstreckenreisenden ein potenzielles Ziel, drei Prozentpunkte weniger als 2025. Besonders hoch ist das Interesse weiterhin in China mit 59 Prozent sowie in Brasilien mit 54 Prozent. In China bleibt die Nachfrage trotz eines leichten Rückgangs stabil, wobei individuell zugeschnittene und erlebnisorientierte Reisen laut ETC an Bedeutung gewinnen. In Brasilien hält sich das Interesse, höhere Kosten lenken jedoch einen Teil der Nachfrage auf nähere Ziele.
In Australien fällt der Rückgang am deutlichsten aus. Dort erwägen 47 Prozent eine Europareise, sieben Punkte weniger als im Vorjahr. Dies deute auf eine stärkere Ausrichtung auf asiatische Ziele hin, so die ETC. In Kanada sinkt der Wert auf 45 Prozent, getragen von einer starken Nachfrage nach Inlands- und Sonnenzielen. In den USA planen noch 34 Prozent eine Europareise, beeinflusst von wirtschaftlicher Unsicherheit. Japan bleibt mit 20 Prozent das zurückhaltendste Herkunftsland.
Kosten und Zeit als größte Hürden
Hohe Preise sind nach Erkenntnissen der ETC der wichtigste Grund gegen eine Fernreise. 52 Prozent der Nichtreisenden nennen die Kosten als Haupthemmnis. Auch für Europa ist die Bezahlbarkeit die größte Barriere, besonders bei den 18- bis 34-Jährigen. In Südkorea und Japan spielt zudem der Mangel an Urlaubszeit eine zentrale Rolle, während chinesische Reisende stärker auf geopolitische Spannungen reagieren.
Sicherheit ist für 51 Prozent der Befragten das wichtigste Kriterium bei der Wahl eines europäischen Reiseziels und gewinnt weiter an Bedeutung. Europa wird weltweit am besten bewertet, sowohl bei politischer Stabilität als auch bei persönlicher Sicherheit und im Hinblick auf Risiken durch Naturereignisse. Besonders ausgeprägt ist dieses Bild in China.
Buchungsverhalten wird flexibler
Das Buchungsverhalten deutet auf mehr Unsicherheit hin. Nur noch 36 Prozent haben ihre Europareise bereits gebucht, weniger als im Vorjahr. Klassische Pauschalreisen verlieren weiter an Boden, während Teilpakete zulegen. Vor allem in China wächst die Nachfrage nach solchen Modellen. In den USA, Kanada und Australien dominieren weiterhin getrennte Buchungen.
Freizeit bleibt mit 75 Prozent der wichtigste Reiseanlass, der Anteil von Geschäftsreisen steigt jedoch auf neun Prozent. Kultur und Geschichte stehen an der Spitze der geplanten Aktivitäten, gefolgt von Gastronomie, Städtereisen und Natur. Slow Travel gewinnt an Bedeutung und erreicht 26 Prozent. Die Ausgaben verlagern sich stärker auf Essen und Trinken, während das Interesse am Einkaufen sinkt. Wellness bleibt ein Nischenthema, legt aber leicht zu.
Zur Methodik: Das Long-Haul Travel Barometer liefert einen Ausblick auf kurzfristige Reisetrends bei potenziellen Fernreisenden aus Australien, Brasilien, China, Kanada, Japan, Südkorea und den USA. Die Analyse beleuchtet Präferenzen, Motive und Hürden bei Reisen nach und innerhalb Europas. Grundlage sind jeweils 1.000 Befragungen in fünf Märkten, die alle vier Monate durchgeführt werden.
Christian Schmicke
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