Zahlreiche Revo-Hotels stehen vor einem Betreiberwechsel
Bewegung im Revo-Insolvenzverfahren: Nach Informationen von Hotel vor9 sollen eine ganze Reihe von Häusern Revo verlassen. Einige der Hotels werden zunächst geschlossen. Auf der Liste finden sich 28 Wyndham-Häuser, darunter 21 Vienna-House-Hotels. Ein beträchtlicher Teil davon soll an den früheren Vienna-House-Eigentümer- und Lease-Strang um Lombard Estate Capital zurückfallen.
Vienna House
Viel Bewegung gibt es derzeit rund um das Revo-Insolvenzverfahren. Offenbar wechseln schon bald viele Häuser, darunter auch eine Reihe von Vienna-House-Hotels, zu einem neuen Betreiber
Die Liste lässt sich in drei Cluster aufteilen: Zum Paket gehören 21 Häuser der Vienna-House-Familie. Dazu zählen die Häuser Amber Baltic Miedzyzdroje, Baltic Stralsund, Ernst Leitz Wetzlar, Martinspark Dornbirn, MQ Kronberg, Sonne Rostock und Thüringer Hof Eisenach. Hinzu kommen die Vienna House Easy in Amberg, Bad Oeynhausen, Bratislava, Bucharest Airport, Castrop-Rauxel, Coburg, Freiburg, Günzburg, Landsberg, Limburg, Neckarsulm, Pilsen, Trier und Wuppertal.
Daneben stehen sieben weitere Wyndham-Hotels außerhalb von Vienna House: Amedia Dachau, Amedia Express Bielefeld, Amedia Plaza Dresden, Boutique 53 & 56 Hamburg, Centro Hotel Arde Köln, Centro Hotel Mondial München und das Fourside Plaza Hotel Trier. Sechs weitere Häuser gehören anderen Marken an: Aparthotel Adagio Access Freiburg, Holiday Inn Express Augsburg, Holiday Inn Express Göttingen, Ibis Styles Hamburg-Barmbek, Ibis Styles Kiel und Intercity Hannover Ost.
Erste Häuser sind geschlossen, einige ab Mitte April nicht mehr buchbar
Hotel vor9 hat die Liste aus dem direkten Umfeld des Unternehmens erhalten. Revo selbst kommentiert den Vorgang nicht. Auf Anfrage teilt man lediglich mit, dass man sich "zu einzelnen Häusern nicht äußern möchte". Die Plausibilität der Information wird jedoch nicht zuletzt durch sichtbare Veränderungen in den Buchungssystemen sowie durch Auskünfte einzelner Eigentümer und Marktteilnehmer gestützt.
So ist etwa das Centro Hotel Mondial München, Trademark Collection by Wyndham aktuell geschlossen. Darüber hinaus sind das Centro Hotel Arde Köln, Trademark Collection by Wyndham, das Vienna House Easy by Wyndham Wuppertal, das Boutique 53 & 56 Hamburg Trademark Collection by Wyndham sowie das Vienna House by Wyndham Ernst Leitz Wetzlar ab Mitte April nicht mehr buchbar.
Bereits geschlossen ist das Fourside Plaza Hotel Trier. Nach Angaben des Eigentümers hat Revo die Immobilie am 27. März nach einer langen Auseinandersetzung an ihn zurückgegeben. Für diesen Standort ist eine Fortführung unter Wyndham nach Auskunft des Eigentümers vom Tisch. Er gibt an, sich in aller Ruhe nach einem neuen Betreiber umzusehen. Bedauerlich: Rund 20 Mitarbeiter dürften jetzt ihren Job verlieren.
Wyndham versucht mit allen Mitteln weiteren Schaden zu verhindern
Die große Frage ist nun, wie viele weitere Häuser noch Wyndham verlassen. Schon jetzt ist Wyndham einer der größten Verlierer der Revo-Insolvenz. Bis zur Meldung über die Zahlungsunfähigkeit liefen rund 22.000 von Revo betriebene Zimmer unter den Wyndham-Marken und über das Wyndham-System.
Kürzlich verbuchte der Konzern wegen Revo Belastungen von insgesamt 160 Millionen US-Dollar. Davon entfielen 86 Millionen Dollar auf Wertminderungen und 74 Millionen Dollar auf operative Aufwendungen. Allein auf die 2022 von der HR Group erworbene Marke Vienna House und die zugehörigen Franchise-Agreement-Assets schrieb Wyndham 38 Millionen Dollar ab.
Derzeit dürfte Wyndham mit allen Mitteln versuchen, weiteren Schaden abzuwenden und alles dafür zu tun, dass die Revo-Häuser nicht aus dem System fallen, sondern möglichst unter Wyndham-Flaggen weiterlaufen, notfalls mit einem neuen Betreiber.
Und es ist nicht so, dass Wyndham hier keine Druckmittel hätte. Im Gegenteil. Der Hotelkonzern verweist gegenüber Investoren darauf, dass seine Revo-bezogenen Forderungen durch ein Sicherheitspaket abgesichert sind, darunter verpfändete Gesellschaftsanteile, verpfändete Bankkonten, verpfändete Marken- und IP-Rechte, nachrangige Sicherheiten auf ausgewählte Immobilien sowie persönliche Garantien des wirtschaftlich Verantwortlichen. Das verschafft Wyndham im jetzt laufenden Restrukturierungsprozess erheblichen Einfluss.
Ein Teil der Vienna Häuser soll wohl an Lombard Estate Capital zurückfallen
Für den großen Vienna-House-Block wird nach Informationen von Hotel vor9 damit gerechnet, dass viele der Häuser in den früheren Vienna-House-Eigentümer- und Lease-Strang zurückfallen. Hier taucht der Name Lombard Estate Capital auf.
Dahinter verbirgt sich die umbenannte frühere Vienna House Capital GmbH und damit Teil der alten Vienna-House-Holdingstruktur innerhalb des thailändischen Immobilien- und Beteiligungskonzerns Rabbit Holdings. Als Geschäftsführer bei Lombard Estate Capital ist weiterhin Rupert Simoner aktiv. Er war ab 2014 CEO von Vienna House und prägte den Aufbau der Hotelmarke wesentlich.
Für diese Information spricht, dass Rabbit auf seiner Website weiterhin Vienna-House-Operating-Lease-Hotels führt und am 13. Januar 2026 offiziell mitteilte, die Veräußerung des Vienna House Group Hotel Business an die Käufergruppe beendet zu haben.
In einer öffentlichen Präsentation heißt es ausdrücklich, dass die europäischen Vienna-House-Hotels seit 2021/2022 an die HR Group verleast waren und bis 2025 vollständig verkauft werden sollten. Dieser Plan sei gescheitert, weil die HR Group bei den Mieten für die Europa-Hotels in Verzug geraten sei; 2026 seien die Verträge deshalb beendet worden.
Pascal Brückmann