Anett Gregorius - Miss Serviced Apartments
Niemand ist in Deutschland mehr mit dem Thema Serviced Apartments verbunden als Anett Gregorius (Foto). Seit 1999 bearbeitet sie das Thema und pusht die Branche mit ihrer Plattform Apartmentservice. Infiziert mit dem Virus Hospitality wurde sie in jungen Jahren durch einen "Zwangsaufenthalt" im Sheraton, erzählt sie im Hotel-vor9-Gästebuch.
Apartmentservice
Anett Gregorius engagiert sich seit über 25 Jahren im Segment Serviced Apartments
Was war Ihr Traumberuf als Kind?
Ärztin oder Lehrerin.
Wie sind Sie in die Hotellerie und zum Thema Serviced Apartments gekommen?
Ich war schon immer sehr reisebegeistert und habe die Welt erkundet. Ein Schlüsselmoment für die Entscheidung, in die Hotellerie zu gehen, hat sich tatsächlich im Sheraton in Frankfurt am Main ereignet. Wir waren auf dem Rückweg von einer Auslandsreise mit Umstieg in Frankfurt. Leider hatte die Maschine Verspätung, sodass wir unseren Anschlussflug nach Berlin verpasst haben. Wir wurden ins Sheraton eingebucht. Eigentlich hatten wir darauf überhaupt keine Lust und wollten einfach nur nach Hause. Inzwischen war es ein Uhr nachts, wir waren hundemüde und die Laune war im Keller. Aber an der Rezeption trafen wir auf zwei Damen, die uns so angestrahlt haben, als hätten sie den ganzen Tag nur auf uns gewartet. In aller Seelenruhe und mit echter Begeisterung haben sie uns das Haus erklärt, als ob wir länger bleiben würden. Das hat mich fasziniert. Ich war völlig begeistert, wie die beiden den Schalter bei uns umgelegt haben. Hinterher habe ich gedacht: Dieses Gefühl möchte ich anderen Menschen fern ihrer Heimat auch geben
Welche Entscheidung in Ihrem Berufsleben hat Ihre Karriere besonders geprägt?
Der Schritt in die Selbstständigkeit mit 24 Jahren. Von da an jeden Tag Entscheidungen treffen, Haltung zeigen, Dinge ausprobieren, Wege korrigieren, Verantwortung übernehmen. Nie stehen bleiben, immer nach vorne denken.
Wie sieht für Sie das Hotel der Zukunft aus?
Mein Hotel der Zukunft berücksichtigt individuelle Präferenzen. Schon vor der Anreise wird zum Beispiel die bevorzugte Raumtemperatur, die Schlafhärte der Matratze oder die Lichtstimmung abgefragt. KI-gestützte Systeme könnten das Zimmer automatisch anpassen. Der Aufenthalt fühlt sich dadurch weniger "gemietet" und mehr "maßgeschneidert" an. Technologie ist kaum sichtbar, macht aber vieles leichter: kontaktloser Check-in, digitale Schlüssel, Übersetzungen, intelligente Concierge-Systeme etc. Dabei ist alles nachhaltig gedacht. Mein Hotel der Zukunft hat natürlich eine Küche im Zimmer für maximale Flexibilität. Generell soll der Raum durch modulare Möbel und wandelbare Grundrisse unterschiedliche Bedürfnisse decken: Büro, Relaxzone, Schlafen – für kurze und lange Aufenthalte, für Business und Leisure. Lokale Authentizität ist mir persönlich wichtig, ebenso wie menschlicher Kontakt. Ich liebe eine empathische Gastgeberkultur, denn diese macht häufig den Unterschied und lässt Erinnerungen entstehen. Und ich mag keine großen Häuser. Für mich sind es die individuellen Häuser mit lokaler Identität und Naturnähe, die mit ihrer Ruhe einen Gegenpol zu meinem sehr intensiven Alltag bilden.
Was lieben Sie an Ihrem Job?
Die Vielfältigkeit der Themen. Monotonie wäre nichts für mich. Die Menschen, für und mit denen wir arbeiten dürfen, sind großartig. Konzepte wachsen zu sehen, die wir begleiten durften, macht Stolz und glücklich.
Was nervt Sie am meisten?
Plan- und Lustlosigkeit, Reden statt machen. Und Menschen, die im Nachhinein alles besser wussten.
Was kann die Hotellerie und Apartment-Branche in Deutschland von Kollegen im Ausland lernen?
Im Ausland, besonders in Ländern wie Japan, Thailand oder den USA wird Hospitality oft emotionaler gedacht. Dort geht es stärker um Atmosphäre, Storytelling, Community, Design und lokale Erlebnisse. Mehr Konsequenz bei der Digitalisierung und Servicequalität sind zwei Themen, die mir weiterhin einfallen. Aber immer zuerst kommt die Gastperspektive. Und der Mut zu klareren Konzepten.
Was war Ihr prägendstes Erlebnis in einem Hotel?
Während meiner Praxisphase im Hotel im Rahmen meines Studiums musste ich einen Eimer Mohrrüben schnippeln. Als der Eimer voll war, hieß es: "Alle zu groß, halbieren." Diese Art von Machtdemonstration empfinde ich einfach nur als gruselig. Ich bin mit einer sehr intrinsischen Motivation angetreten. Dieser Umgang macht viel kaputt.
Ein Jahr Auszeit – was würden Sie machen?
Reisen. Es gibt noch so viel zu entdecken. Die Südsee, nochmal Japan, Südamerika oder die Antarktis. Die Wunschliste ist lang, da würde ein Jahr kaum reichen.
Wie schalten Sie ab?
Aktiv, in der Natur, beim Sport, mit meiner Familie.
Welches Buch lesen Sie gerade?
Den aktuellen Band von Madame le Commisaire: "Madame le Commissaire und die tödliche Rallye".
Welchen Film haben Sie zuletzt im Kino gesehen?
Zoomania II.
Ihr Lieblingsessen?
Spaghetti dello Chef bei meinem Lieblingsitaliener.
Wohin geht’s im nächsten Urlaub?
Nach Italien an den Orta See.
Wen würden Sie gerne mal treffen und warum?
Ehrlich gesagt habe ich da keine feste Antwort. Wenn, dann eher eine bekannte Persönlichkeit, die in einer völlig anderen Welt zuhause ist als ich, einfach um neue Perspektiven mitzunehmen.
Wie und wo wollen Sie alt werden?
Ich hoffe, einmal an einem Ort alt zu werden, der sich nach Zuhause anfühlt. Mit Licht, Natur und Gastfreundschaft – mit meinem Mann, meinen Söhnen hoffentlich nicht zu weit entfernt und mit Menschen, die mir wichtig sind. Gern in einem kleinen Haus am Wasser, nicht zu weit von einer lebendigen Stadt mit kultureller Vielfalt. Entscheidend aber ist, gesund zu sein.
Anett Gregorius hat nach dem Abitur Tourismusbetriebswirtschaft im dualen System studiert und dabei alle Abteilungen im Hotel durchlaufen. Einer ihrer Professoren stellte das Thema "Darstellung und Bewertung der Entwicklungstendenzen von Boardinghouses im deutschen Beherbergungsmarkt nach strukturellen und wirtschaftlichen Kriterien". Auf ihre Diplomarbeit hin bekam Gregorius sehr positives Feedback aus dem Markt, was der Startschuss für eine Beratungsagentur und die Plattform Apartmentservice war. Ab 1999 betrieb sie ihr Business nebenberuflich und seit 2001 macht sie dies fulltime.