Grand Metropolitan und der Streit um viel "heiße Luft"
Die Unternehmenskammer, ein auf Gesellschaftsrecht spezialisiertes niederländisches Gericht, hat jetzt erklärt, warum der Vorstand der Grand Metropolitan Hotels Holding suspendiert wurde (wir berichteten). Die Richter bezweifeln, dass Sacheinlagen der Gesellschaft über 200 Millionen Euro werthaltig sind. GMH-Chef Martin Smura kontert die Vorwürfe.
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Mit den Vela Hotels hatte Grand Metropolitan zuletzt sein Angebot im Norden Deutschlands ausgebaut
Die Unternehmenskammer hatte in dem Gesellschafterkonflikt in der vergangenen Woche die Entscheidung getroffen, dass der Grand-Metropolitan-Chef Martin Smura, der mit seiner Familienholding die Mehrheit des Unternehmens hält, abberufen werden soll. Geklagt hatte der Minderheitsgesellschafter, das Versorgungswerk der Zahnärztekammer Berlin (VZB).
Im Kern geht es um die Frage, ob die Sacheinlagen, mit denen Grand-Metropolitan-Chef Martin Smura über seine Holdinggesellschaft Kingstone Capital das Grundkapital auf über 200 Millionen Euro aufgestockt hat, tatsächlich werthaltig sind. Die größte davon: Zehn Tage nach Gründung gab Grand Met knapp 100 Millionen Aktien an Kingstone aus. Die Gegenleistung: Anteile an einer Gesellschaft, deren wesentlicher Vermögenswert eine KI-Software namens "Genisys AI" sein soll. Das Bewertungsgutachten wurde von Kingstone selbst beauftragt.
Im Rahmen der Verhandlung habe laut Gericht "nicht einmal annähernd" erläutert werden können, welchen Umsatz die Software erzielt oder welche Kunden sie nutzen. Bei sechs weiteren Kapitalerhöhungen über nochmals rund 100 Millionen Euro blieb laut Gericht ebenfalls "völlig unklar", was die eingebrachten Gesellschaften konkret tun. Das Gericht stellt angesichts von 200 Millionen Euro Eigenkapital in dem Beschluss die ausdrückliche Frage, ob nicht vor allem "gebakken lucht" eingebracht wurde – niederländisch für heiße Luft.
Daher ordnete das Gericht umfassende Sofortmaßnahmen an: Beide Vorstände sind suspendiert und durch eine unabhängige Verwalterin ersetzt. Alle vier Aufsichtsratsmitglieder sind ebenfalls suspendiert. Die von Kingstone gehaltenen Anteile wurden unter Zwangsverwaltung gestellt. Eine Untersuchung des gesamten Geschäftsgebarens seit Gründung 2022 wurde angeordnet.
Smura weist Vorwürfe zurück und sieht sich als Opfer einer Kampagne
Grand-Metropolitan-Chef Martin Smura hat auf Anfrage von Hotel vor9 zu den Vorwürfen Stellung genommen. Er bestreitet die Darstellung des Gerichts in wesentlichen Punkten und zeichnet ein grundlegend anderes Bild der Auseinandersetzung.
Den Vorwurf, die KI-Software "Genisys AI" sei nicht werthaltig, weist Smura zurück. Man sei "jederzeit in der Lage" gewesen, sämtliche Details zu erläutern, das Gericht habe jedoch nur 20 Minuten für den gesamten Sachverhalt eingeräumt. Die Software habe bewusst noch keine Umsätze erzielt, da hierfür zusätzliche Investitionen von 25 Millionen Euro nötig gewesen wären, die das VZB entgegen ursprünglicher Zusagen nicht geleistet habe. Eine neue Bewertung sei in Auftrag gegeben und werde den ursprünglichen Unternehmenswert bestätigen. Zudem erfordere in jeden Fall eine Sacheinlage eine notarielle Beurkundung mit strengen gesetzlichen Vorgaben. Es sei daher "nicht möglich, heiße Luft als Vermögenswert in eine Bilanz einzustellen".
Operatives Tagesgeschäft wird weiter über die Grand Metropolitan Hotel Group abgewickelt
Smura sieht das eigentliche Problem beim Minderheitsgesellschafter VZB. Dessen neuer Vorstand verfolge eine Strategie, Grand Metropolitan zu diskreditieren, um Anhaltspunkte für angebliches Fehlverhalten seiner eigenen Vorgänger zu finden. Dies stehe im Zusammenhang mit einer Schadensersatzklage über 1,2 Milliarden Euro, die das VZB gegen die frühere eigene Führung, die damalige Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, die Hausbank und sogar den Berliner Senat als Aufsichtsbehörde erhoben habe. Grand Metropolitan sei "nicht Gegenstand dieser Klage, da wir keinen Schaden verursacht haben", so Smura. Man sei "lediglich Mittel zum Zweck in einem wesentlich größeren Gesamtkomplex".
Zur Frage, wie Grand Metropolitan nach der Suspendierung von Vorstand und Aufsichtsrat weiterarbeiten könne, erklärt Smura, sämtliche Organmitglieder hätten ihre Ämter bereits Ende Juni niedergelegt. Das operative Tagesgeschäft werde über die Grand Metropolitan Hotel Group abgewickelt, die sich zu 100 Prozent im Eigentum der Familie Smura befinde und von der Auseinandersetzung mit dem VZB "unberührt" sei. Darüber hinaus besitze das Joint Venture keinerlei Namensrechte an der Marke "Grand Metropolitan" und werde aufgefordert, deren Nutzung zu unterlassen.
Pascal Brückmann