Tägliche News für die Hotellerie

31. Juli 2026 | 07:00 Uhr
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Katharina Darisse – weitgereist, weltoffen und neugierig

Katharina Darisse (Foto) hat in der Schweiz und den USA studiert und in Beijing, Schanghai und Toronto gearbeitet. Das erweitert den Horizont und macht offen für Neues. Zudem liebt sie die Arbeit mit Menschen – beste Voraussetzungen für ihren Job als Chefin von dem Verein Fair Job Hotels. Ihre Vorlieben verrät sie im Hotel-vor9-Gästebuch.

Katharina Darisse2 Foto Katharina Darisse

Katharina Darisse mit ihrem etwas gleichgültig dreinblickenden Beagle Robbie 

Was war Ihr Traumberuf als Kind?
Tatsächlich will ich seit meinem 15. Lebensjahr Hoteldirektorin werden! Davor, vermute ich, gingen meine Träume in Richtung der Reiterei, da ich Pferde liebe. An einen anderen, ernsten Berufswunsch erinnere ich mich tatsächlich nicht. Meine Alternative zur Hotellerie wäre, denke ich, der Journalismus gewesen.

Wie sind Sie in die Hotellerie gekommen?
Mit 15 führten meine Eltern uns einmal zu einem Neujahrs-Brunch ins Atlantic Hotel in Hamburg aus. Dort traf ich auf Uwe Frommhold, den damaligen GM, und war sofort von seiner vielseitigen Rolle als Gastgeber, Führungskraft und Kurator eines besonderen Erlebnisses begeistert. Da war’s um mich geschehen! Es folgten Praktika im Hotel Hof Sudermühlen, im Louis C. Jacob, im Hotel Vier Jahreszeiten Hamburg, ein Job im Service in der Fischauktionshalle und auf den Alsterschiffen, bis ich dann mein Hotelmanagement-Studium in der Schweiz antrat. Ich hatte bei meinem Abitur also schon einiges an Arbeitserfahrung gesammelt.

Welche Entscheidung in Ihrem Berufsleben hat Ihre Karriere besonders geprägt?
Mein Schritt ins Kempinski Hotel Beijing. Die Zeit in China war eine krasse Horizonterweiterung – out of my comfort zone! In täglich neuen Herausforderungen war ich unheimlich vielen Situationen zum ersten Mal ausgesetzt. Dort als Embassy Sales Manager die geschäftlichen Beziehungen zu 164 Botschaften zu führen, war die beste Schule in interkultureller Kompetenz, die ich hätte haben können. Ich habe vieles gelernt: dass ich mich in neue Situationen schnell einarbeiten kann, dass man fast überall auf der Welt schön leben kann, dass es kein global einheitliches Verständnis von "Common Sense" gibt und wie man in Kulturen arbeitet, in denen Privates und Berufliches nicht so stark getrennt wird, wie hier.

Wie sieht für Sie das Hotel der Zukunft aus?
Das kommt ganz auf das Konzept an. Natürlich wird es die automatisierten Häuser geben, in denen man keinem Menschen begegnet. Für mich – sorry to say – ist das aber sehr weit von meinem Verständnis von Hotellerie entfernt. Die gehobene Vier- und Fünf-Sterne-Hotellerie wird sich im Kern nicht verändern. Menschen werden nach wie vor für andere Menschen Erlebnisse schaffen. Nur Menschen ziehen Menschen an! Im Hintergrund werden profitable Häuser straff organisiert sein, administrative Prozesse stark optimiert und teilweise automatisiert haben. Netzwerke wie Fair Job Hotels, aber auch Einkaufsgesellschaften oder Hotelkooperationen werden besonders in der Privat- und Individualhotellerie an Bedeutung gewinnen. Kurzum: Das Hotel der Zukunft arbeitet vernetzt, kollaborativ, automatisiert und nach wie vor zutiefst menschlich.

Was lieben Sie an Ihrem Job?
Ich liebe wirklich fast alles an meinem Job, auch wenn sich das sehr cheesy anhört. Ich liebe die Sinnhaftigkeit unseres Tuns und die Möglichkeit, Hoteliers unterstützend zur Seite zu stehen. Mir stets zu überlegen, wie wir uns als Branche weiterentwickeln können, macht mir sehr viel Freude. Dann haben wir eine unheimlich nette Community, die ich mich immer freue zu sehen! Auch das Themenfeld HR interessiert mich (zum Glück) wirklich, sodass ich gerade auch einen MBA in Performance Leadership mache. Wie beim Journalismus muss man in meiner Rolle sehr neugierig sein, manchmal Themen recherchieren und oft Menschen zu ihren Herausforderungen interviewen. Last but not least – wir arbeiten ergebnisorientiert, sodass ich auch meiner wichtigen Rolle als Mutter gerecht werden kann.

Was nervt Sie am meisten?
Mich nervt, wenn Menschen Arbeit als etwas Negatives sehen, etwas, das man machen muss. Was ich alles in meiner beruflichen Welt schon erleben durfte, hat mein Leben so bereichert, dass ich die negative Einstellung zu Arbeit nur schwer nachvollziehen kann. Körperlich schwere Arbeit möchte ich hier mal ausklammern – mir ist schon bewusst, wie privilegiert ich bin. Ich hatte (bisher) Optionen und konnte mich oftmals bewusst für Option A oder B entscheiden. Nicht jeder Mensch hat das Glück. Auch arbeite ich genau in der Branche, in der seit Jahrzehnten meine Leidenschaft liegt. Früh im Leben zu wissen, was man machen will, ist ein Geschenk.

Was kann die Hotellerie in Deutschland von Kollegen im Ausland lernen?
Positiv denken. Nicht meckern. Mehr mutig ausprobieren.

Was war Ihr prägendstes Erlebnis in einem Hotel?
Eine Kollegin, die einen schrecklichen Umgang mit mir und ihrem Team hatte. Sie brachte ihr Team regelmäßig zum Weinen und hat auch mich gemobbt, wie man heute sagen würde. Heute bin ich ihr fast dafür dankbar, denn dass das Unternehmen ihr damals keine klaren Grenzen aufgewiesen hat, ist heute auch mein Antrieb für Human Resources und Unternehmenskultur. Direkt danach landete ich übrigens bei Ritz-Carlton, eine Zeit, die mich extrem positiv geprägt hat. Da durfte ich erleben, wie man Werte in gelebte Realität übersetzt. Eine sehr wertvolle Erfahrung!

Ein Jahr Auszeit – was würden Sie machen?
Ich glaube nichts "Krasses". Ich würde mehr Zeit mit meinen Kindern verbringen. Ich würde all die Fotoalben kleben, die ich momentan noch in meinem Kopf mit mir herumtrage. Ich würde alte Freunde, auch im Ausland, besuchen, meiner Schwägerin mit ihrem Baby helfen und mal mehr für andere da sein, als andersherum.

Wie schalten Sie ab?
Beim Spazierengehen oder Schwimmen und beim Kochen.

Welches Buch lesen Sie gerade?
Wolfszeit von Harald Jähner.

Welchen Film haben Sie zuletzt im Kino gesehen?
Extrawurst.

Ihr Lieblingsessen?
Kartoffeln mit Kräuterquark, Lachs und Salat.

Wohin geht’s im nächsten Urlaub?
Nach Interlaken zu meinem lieben Mann!

Wen würden Sie gerne mal treffen und warum?
Ui… das finde ich so schwer zu beantworten. Da gibt es so viele Menschen! Wenn ich eine Person wählen müsste, wäre es wahrscheinlich ein Vorfahre. Vielleicht würde ich meine Urgroßväter gerne zum Nationalsozialismus befragen. Lieber als jemanden zu treffen, würde ich gerne mal ein paar Tage von Zeitalter zu Zeitalter springen, um manche geschichtlichen Ereignisse besser nachvollziehen und miterleben zu können.

Wie und wo wollen Sie alt werden?
Ich möchte gerne lange arbeiten dürfen, wenn auch in großer Freiheit, da ich fest davon überzeugt bin, dass es uns agil und jung hält und uns auch mit 70 so viel Spaß machen wird, wie heute. Wir würden gerne zwischen Ontario und der Lüneburger Heide leben und gesund genug sein, um unsere Kinder und Enkelkinder zu unterstützen. Den Zeitpunkt des Rentenalters würde ich gerne selbst entscheiden, um mich dann mit viel Ruhe und Zeit, die mir heute oft fehlt, anderen Dingen widmen zu können…

Katharina Darisse hat in Washington und Brig in der Schweiz Business Administration und Hotelmanagement studiert. Sie hat für Lufthansa, Kempinski, Ritz-Carlton gearbeitet und als Dozentin an der IU Internationalen Hochschule in Hamburg unterrichtet. Sie hat das Unternehmen The Skill Shop gegründet, das mit den Erfahrungen aus der Hotellerie Unternehmen aus anderen Branchen berät. Katharina Darisse ist Geschäftsführerin von Fair Job Hotels, wo sie sich für faire Arbeitsbedingungen, gerechte Bezahlung und Führung auf Augenhöhe in der Hotellerie einsetzt.

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