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17. Juli 2026 | 11:14 Uhr
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Aufsichtsrat von Novum Hospitality endgültig aufgelöst

Die Widerspruchsfrist gegen die Auflösung des Aufsichtsrats der Hotelgruppe Novum Hospitality (wir berichteten) ist abgelaufen, ohne dass eine der berechtigten Parteien Einspruch erhoben hat. Damit endet die Ära des paritätisch besetzten Kontrollgremiums bei einem der größten familiengeführten Hotelbetreiber Europas. Hotel vor9 kennt die Hintergründe.

Das Niu Hide in Berlin

Der Aufsichtsrat der Novum Hospitality, Betreiberin von 158 Hotels unter Marken wie Holiday Inn – the Niu, Garner, Voco und Acora, existiert nicht mehr

Der Aufsichtsrat der Novum Hospitality, Betreiberin von 158 Hotels unter Marken wie Holiday Inn – the Niu, Garner, Voco und Acora, existiert nicht mehr. Nachdem das Unternehmen der Eigentümerfamilie Etmenan Anfang Juli ein Statusverfahren nach dem Mitbestimmungsgesetz eingeleitet und die Auflösung des Gremiums beantragt hatte, lief am 16. Juli die gesetzliche Widerspruchsfrist ab. Weder die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), die bisher zwei Sitze im Aufsichtsrat hielt, noch weitere Aufsichtsratsmitglieder oder der Novum-Gesamtbetriebsrat (GBR) haben Widerspruch eingelegt. Die Auflösung ist damit rechtskräftig.

Das Gremium war paritätisch besetzt. Auf Seite der Anteilseigner gehörten ihm unter anderem der frühere Hamburger Erste Bürgermeister Ole Freiherr von Beust, der Hotelunternehmer und Berater Stephan Gerhard, der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Steigenberger Hotels AG Thomas Willms sowie Mortesa Etmenan an, der seit Dezember 2021 als stellvertretender Vorsitzender fungierte. Den Vorsitz hatte Alexander Boye inne, der diesen nach Informationen von Hotel vor9 bereits Anfang des Jahres niedergelegt hatte. Auf der Arbeitnehmerseite waren unter anderem Mario Michielin, Christine Leitner-Gräwert, Maurice Ganz, Mark Baumeister und Jeanine Weigel vertreten.

Unternehmen bestätigt die Auflösung des Aufsichtsrats

Am Freitag Nachmittag bestätigte Novum das Aus des Aufsichtsrats in einer Pressemitteilung und betont dabei, dass die Mitbestimmung auch ohne das Gremium weiter einen hohen Stellenwert habe. Wörtlich heißt es: "Novum Hospitality setzt mit dem Dehoga-Tarifbeitritt auf faire Arbeitsbedingungen. Mit diesem Schritt bekennt sich unser Unternehmen zu klaren, fairen und wettbewerbsfähigen Arbeitsbedingungen in der Hotellerie. Unser Ziel ist es, Arbeitsplätze langfristig zu sichern und attraktive Rahmenbedingungen für bestehende sowie zukünftige Mitarbeitende zu schaffen. Wir sind überzeugt, dass gute Arbeitsbedingungen die Grundlage für engagierte Mitarbeiter sind und sich ebenfalls positiv auf die Aufenthalts- und Begegnungsqualität unserer Gäste auswirkt."

NGG setzt künftig auf Wirkung außerhalb des Gremiums

Laut Informationen von Hotel vor9 hatte die NGG bewusst auf einen Widerspruch gegen die Auflösung des Aufsichtsrats verzichtet. Die Gewerkschaft war davon überzeugt, außerhalb des Aufsichtsrats die Interessen der Belegschaft künftig wirksamer vertreten zu können. Heftiger diskutiert wurde die Frage innerhalb des Gesamtbetriebsrats – final entschied sich aber auch dieser gegen einen Widerspruch. 

Ausschlaggebend war offenbar ein Angebot der Eigentümerfamilie Etmenan: Die Mitbestimmung soll künftig auf zwei Ebenen stattfinden – erstens über die tarifliche Schiene, nachdem Novum Mitte Juli den Branchenverbänden IHA und Dehoga beigetreten war, und zweitens über eine engere Zusammenarbeit zwischen GBR und Geschäftsführung auf betrieblicher Ebene. Christian Niemeier vom Deutschen Arbeitnehmerforum, der zwischen Eigentümern und Betriebsrat vermittelt hatte, fasst es gegenüber Hotel vor9 so zusammen: "Mit der Auflösung des Aufsichtsrats kommt die Mitbestimmung dahin zurück, wo sie am wirksamsten ist, nämlich an die Basis."

Noch sind nicht alle Baustellen bei Novum aufgelöst

Trotz der Einigung beim Aufsichtsratsthema bleiben mehrere Konfliktfelder offen. Die Frage, ob und in welchem Umfang Novum Tätigkeiten an Fremdfirmen oder zentrale Tochtergesellschaften auslagert, ist aus Sicht der Belegschaftsvertreter weiter nicht abschließend geklärt. Organisatorische Änderungen werde es geben. Die Geschäftsführung habe jedoch zugesagt, entsprechende Pläne vor ihrer Umsetzung dem Betriebsrat vorzulegen.

Auch die Situation rund um die Massenentlassungen in zwei Mainzer Novum-Hotels, bei denen nahezu allen 50 Beschäftigten gekündigt worden war, ist noch nicht gelöst. Die Zeichen stehen hier jedoch auf Entspannung: Laut den Beteiligten wird derzeit ein Gesamtpaket final verhandelt, das als "ordentliche und anständige Lösung" beschrieben wird.

Pascal Brückmann

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