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8. April 2020 | 07:00 Uhr
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IHA-Branchenreport 2020 blickt auf Rekordjahr zurück

Ohne Corona könnte die deutsche Hotellerie zufrieden auf das zehnte Rekordjahr in Folge zurückblicken, denn alle Kennzahlen sind für 2019 im Plus. Demnach meldeten die Beherbergungsbetriebe mit 495,6 Millionen Gästeübernachtungen aus dem In- und Ausland 3,7 Prozent mehr Übernachtungen als im Vorjahr. Bei den OTAs behauptete Booking seine Vormachtstellung.

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In der klassischen Hotellerie wurden 306,8 Millionen Übernachtungen getätigt, ein Plus von 3,1 Prozent gegenüber 2018. Laut IHA-Branchenreport stieg die durchschnittliche Zimmerauslastung im Vorjahresvergleich um 0,3 Prozent auf 72,1 Prozent. Damit setzte sich die positive Entwicklung der Vorjahre fort. Verglichen mit den Kennziffern von Anfang April 2020 scheinen diese Zahlen jedoch aus einer völlig anderen Welt zu stammen, "denn die durchschnittliche Zimmerauslastung der deutschen Hotellerie beträgt aktuell in der Corona-Krise gerade einmal 6 Prozent, in Worten: sechs," zieht Luthe Bilanz.

Mehr Betten, mehr Umsatz
Die Zahl der Hotelbetten stieg 2019 um 2,2 Prozent auf 1,86 Millionen. Die Netto-Zimmerpreise (ohne Frühstück, ohne Mehrwertsteuer) erhöhten sich um 1,6 Prozent auf 98 Euro, während sie europaweit um 1,9 Prozent auf 102 Euro anstiegen. Die deutschen Hotelzimmerpreise lagen somit weiterhin unter dem europäischen Durchschnitt. Der durchschnittliche Zimmerertrag (RevPAR) erreichte in Deutschland einen Wert von 71 Euro, was einem Anstieg von 1,9 Prozent entspricht. Die steigenden Übernachtungszahlen und Zimmerraten schlugen in wachsenden Umsätzen zu Buche. Die klassischen Beherbergungsbetriebe erwirtschafteten 2019 nach Hochrechnungen des Hotelverbandes Deutschland einen Nettoumsatz von 29,25 Milliarden Euro, was einem preisbereinigten (realen) Plus von 0,5 Prozent entspricht.

Rekordzahl auch beim Personal
Mit steigender Nachfrage stellten die Betriebe auch mehr ein. Zum Stichtag 30. Juni zählte die Bundesagentur für Arbeit 316.855 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte im Beherbergungsgewerbe – ein Plus von 1,9 Prozent und ebenfalls ein Rekordwert.

Bauboom hielt 2019 an
Angesichts der guten Zahlen wurde weiter kräftig investiert. Trotz Anzeichen von Überkapazitäten zumindest an einigen Standorten waren zum Jahresbeginn 2020 bundesweit für die nächsten drei Jahre 777 Neu-, Um- und Ausbauten geplant. Im Vorjahr waren es im Drei-Jahres-Forecast fast genauso viele (776 Objekte). Werden alle angekündigten Investitionsprojekte auch in Zeiten der Corona-Krise noch realisiert, drängen 112.465 zusätzliche Zimmer auf den deutschen Hotelmarkt. Das projektierte Investitionsvolumen würde rund 20,9 Milliarden Euro betragen (Vorjahr: 19,6 Milliarden Euro). "Wir erlebten noch bis Anfang März 2020 eine beispiellose Expansions-, aber auch Konsolidierungswelle", berichtet Lindner. "Die Unternehmens- und Markenkonzentration in der Hotellerie nahm rapide zu." Immer mehr internationale Investoren und neue Marken drängten auf den deutschen Markt.

Weniger Direktbuchungen, OTAs stärkster Kanal
Erste, noch vorläufige Ergebnisse der aktuellen Studie für das Referenzjahr 2019 zeigen, dass die Abhängigkeit der Hotellerie von Online-Plattformen weiter konstant zunimmt, während der Anteil der Direktbuchungen abnimmt. Wurden im Jahr 2013 noch 63,7 Prozent aller Übernachtungen über direkte Kanäle (online und offline) im Hotel gebucht, lag der Anteil im Jahr 2019 nur noch bei 58,5 Prozent. Die Online-Buchungsplattformen konnten ihren Anteil von 20,9 Prozent im Jahr 2013 auf 29,7 Prozent im Jahr 2019 ausbauen und zählen damit zu dem stärksten Buchungskanal für die Hotellerie in Deutschland. Der Anteil der Übernachtungen, die direkt über die hoteleigene Website gebucht wurden, lag 2019 insgesamt bei 8,8 Prozent (2017: 10,9%) und verzeichnet damit einen Rückgang im Vorjahresvergleich.

Booking vor HRS und Expedia
Drei Buchungsportale dominieren den deutschen OTA-Markt mit einem gemeinsamen Marktanteil von über 95 Prozent. Der dominante Player in Deutschland ist Booking.com mit einem Marktanteil von 65,7 Prozent. Im Vergleich zum Jahr 2017 (58,6 Prozent) konnte der Marktführer seinen Marktanteil noch einmal massiv ausbauen. Auf Platz zwei liegt in Deutschland die HRS-Gruppe mit einem Marktanteil von nur noch 17,1 Prozent (2017: 23,6 Prozent). Mit insgesamt 12,5 Prozent (2017: 12,2 Prozent) entfällt der Rest des Marktes im Wesentlichen auf die Expedia-Gruppe.

Rücksichtslose Praktiken in der Krise
"Vor dem Hintergrund dieser Zahlen ärgert es uns besonders zu sehen, wie rücksichtslos und nur auf den eigenen Marktvorteil aus einige Buchungsportale gegenüber ihren Hotelpartnern in den vergangenen Wochen mit ihrer Stornierungspolitik vorgegangen sind. Sie haben die Grenzen ihrer Mittlerrolle zur Unzeit ausgedehnt und den Hotels dringend benötigte Liquidität entzogen“, kritisiert Luthe die Praktiken einiger Portale.

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