Mews und Siteminder verzahnen PMS und Channel Manager
Das Hospitality-Tech-Unternehmen Mews integriert künftig die Vertriebstechnologie von Siteminder in sein bestehendes Hotelmanagementsystem. Rund 3.000 Hotels, die beide Systeme parallel nutzen, sollen auf die kombinierte Lösung migriert werden. Die Partnerschaft wurde jetzt vom Top-Management beider Unternehmen der Öffentlichkeit vorgestellt.
Mews
Matt Welle, Mews-CEO, Leah Rankin, CPO von Siteminder und Mews-Gründer Richard Valtr (von links nach rechts) freuen sich über die enge Partnerschaft
Auf seiner Hausmesse Mews Unfold in Amsterdam haben das niederländische Hospitality-Tech-Unternehmen Mews und der australische Channel-Manager-Anbieter Siteminder eine enge technische Partnerschaft angekündigt. Unter dem Namen "Mews Channel Manager powered by Siteminder" wird die Vertriebsfunktionalität von Siteminder künftig direkt in das Mews-Managementsystem eingebettet. Hoteliers sollen damit Verfügbarkeiten, Raten und Inventar zentral pflegen und in Echtzeit an mehr als 400 angebundene OTAs ausspielen können. Der Wechsel zwischen zwei Oberflächen entfällt künftig.
Hier haben sich also zwei Tech-Schwergewichte zusammengetan, um gemeinsam den Markt besser abzudecken. Mews betreibt nach eigenen Angaben ein PMS für rund 15.000 Kunden in 85 Ländern und wurde vom Hotel Tech Report zwischen 2024 und 2026 dreimal in Folge als bestes PMS ausgezeichnet. Siteminder betreut nach eigenen Angaben über 53.000 Hotels weltweit. Über das Siteminder-Netzwerk werden jährlich mehr als 135 Millionen Reservierungen mit einem Buchungsvolumen von über 60 Milliarden US-Dollar abgewickelt.
Hoteliers profitieren von einem gebündelten Vertrag
Der Nutzen für Anwender auf Hotelseite liegt laut beiden Anbietern in einem einzigen Vertrag, einer Abrechnung und einem Support-Team statt parallel laufender Systeme mit manuellen Übergaben. Preisänderungen sollen unmittelbar in alle Vertriebskanäle fließen, Buchungsdaten direkt zurück ins PMS. Mews-Gründer Richard Valtr begründet den Schritt damit, dass man nicht versuche, bereits Bestehendes nachzubauen: Siteminder sei nun mal die beste Vertriebslösung am Markt derzeit.
Konkret betroffen sind zunächst die rund 3.000 Hotels, die beide Lösungen bereits parallel einsetzen. Sie sollen in den kommenden Monaten auf die integrierte Variante migriert werden, der Zugang erfolgt direkt aus Mews heraus.
Konsolidierungswelle im Hotel-Tech-Markt schreitet voran
Die Kooperation reiht sich in eine ganze Welle von Zusammenschlüssen und Partnerschaften der vergangenen Monate ein. Mews selbst hat in den vergangenen Jahren unter anderem das kanadische PMS Hotello, den POS-Anbieter Bizzon und das KI-Startup Nomi übernommen. Siteminder kaufte 2024 das estnische Guest-Experience-Startup Guestjoy.
Doch auch die direkte Konkurrenz ist nicht untätig. Die chinesische Shiji Group bündelt seit Jahren PMS (Stay n' Touch), POS und Guest Intelligence (Reviewpro) unter einem Dach. Amadeus integrierte Travelclick für 1,52 Milliarden US-Dollar in seine Hospitality-Sparte, und Lighthouse (vormals OTA Insight) baute sich durch Zukäufe wie Hotel IQ vom Rate-Shopper zur Commercial-Plattform aus.
Der Trend der Entwicklung ist klar erkennbar. Der Wettbewerb verschiebt sich sukzessive von einzelnen Modulen hin zu Plattformen. Die Verfügbarkeit moderner KI-Anwendungen wirkt hier gerade wie ein Beschleuniger, da diese ohne einheitliches Datenmodell kaum sinnvoll funktionieren.
Pascal Brückmann