Personal berichtet von Unregelmäßigkeiten im "Grand Elysée"
Am 29. Verhandlungstag im Entführungsprozess gegen Christina Block, Tochter des Hotel-Inhabers Eugen Block, haben ehemalige Mitarbeiter des "Grand Elysée" von Unregelmäßigkeiten berichtet. Die Zeugen schilderten systematische Verstöße gegen Meldevorschriften und eine monatelange kostenlose Unterbringung der späteren, mutmaßlichen Entführer.
GRAND ELYSÉE HOTEL HAMBURG
Ehemalige Hotelmitarbeiter berichten über Unregelmäßigkeiten im Hamburger Luxus-Hotel "Grand Elysée"
Der frühere Hoteldirektor, der das Haus von 2020 bis Sommer 2023 leitete, berichtete in der Hauptverhandlung vor dem Landgericht Hamburg von ungewöhnlichen Anweisungen des angeklagten Familienanwalts von Christian Block. Dieser habe zwei Einzelzimmer reserviert und verlangt, dass sich die Mitarbeiter Namen für die Gäste ausdenken sollten. Die rätselhaften Gäste entpuppten sich später als jene israelischen Staatsbürger, die in der Silvesternacht 2023 mutmaßlich die Entführung der Block-Kinder geleitet haben sollen.
Ein weiterer ehemaliger Mitarbeiter, der am Empfang des Hotels tätig war, bestätigte die irregulären Vorgänge. Die Gäste seien unter sogenannten Farbennamen wie "Grey", "Green", "Blue" und "White" eingebucht worden. "Das war schon ungewöhnlich", sagte der Zeuge laut Mopo. Es habe weder Altersangaben noch Adressen gegeben. Die Kosten für die Unterbringung seien einfach aufgelaufen, ohne dass jemand bezahlt habe. Auf Nachfragen der Mitarbeiter habe es geheißen, darum würden sich Christina Block und der Anwalt kümmern.
Die Gratis-Unterbringung könnte noch als schwere Veruntreuung verurteilt werden
Der Familienanwalt habe die Gratis-Zimmer über ein "spezielles Kontingent" verwaltet, berichtete der Zeuge weiter. Warum die Gäste ihre Rechnungen nicht bezahlen mussten, sei nie erklärt worden. Insgesamt sollen den israelischen Gästen Kosten von geschätzt 220.000 Euro erlassen worden sein. Die Vorsitzende Richterin deutete bereits im Dezember an, dass dieser Sachverhalt für den mitangeklagten Familienanwalt, der auch als Aufsichtsratsvorsitzender der Elysée Hotel AG fungierte, unter Umständen als schwere Veruntreuung gewertet werden könnte, berichtet das Manager Magazin. In diesem Zusammenhang käme auch für Christina Block eine Verurteilung wegen Beihilfe oder wegen Anstiftung in Betracht.
Die Angeklagte Christina Block sagte aus, sie habe von den Gratis-Reservierungen nichts gewusst, berichtet die Mopo aus dem Gerichtssaal. Sie habe gar nicht die Befugnis für so etwas gehabt. Die Verantwortung für die monatelange, kostenlose Unterbringung wies sie dem Familienanwalt zu.