Prism entlässt massenweise Mitarbeiter in H-Hotels
Offenbar gibt es bei den 24 vom indischen Hotelkonzern Prism (ehemals Oyo) übernommenen H-Hotels eine massive Kündigungswelle. Wie die Gewerkschaft NGG gegenüber Hotel vor9 berichtet, wurde am Mittwoch der Hälfte der rund 20 Beschäftigten im Leipziger H-Plus-Hotel gekündigt. Insgesamt sollen 500 Mitarbeiter ihren Job verloren haben. Prism bestätigt die Entlassungen.
H-Hotels
Im H-Plus-Hotel Leipzig soll die Hälfte der Mitarbeiter entlassen worden sein
Die Vorgänge werden durch eine Reihe von Beschäftigten der H-Hotels-Gruppe untermauert, die sich an Hotel vor9 gewandt haben. Mitarbeiter aus verschiedenen Häusern schildern ähnliche Vorgänge wie der Gewerkschaftsvertreter Mark Baumeister aus dem H-Plus-Hotel in Leipzig und berichten zugleich von erheblichen Problemen im laufenden Betrieb.
Nach übereinstimmenden Aussagen mehrerer Beschäftigter seien Kündigungen ausgesprochen worden, ohne die lokalen Führungskräfte vorher zu informieren. Betroffen seien demnach Stellen in der Verwaltung und im operativen Betrieb sowie Personen mit Führungsverantwortung. Die Mitarbeiter hätten teilweise zuerst auf inoffiziellem Weg von den Kündigungen erfahren.
Prism bestätigt Entlassungen und räumt Probleme ein
Auf eine Anfrage von Hotel vor9 teilt Prism mit, dass die übernommenen Hotels im derzeitigen Zustand nicht tragfähig seien und ohne die "Transaktion" die Schließung der Hotels sowie der Verlust aller Arbeitsplätze gedroht hätten. Die Zahl von 500 Entlassungen wurde nicht bestätigt. Zu Zahlen wolle man sich nicht äußern.
Das Unternehmen führt weiter aus, dass alle Maßnahmen in Übereinstimmung mit dem deutschen Arbeitsrecht durchgeführt würden und dort, wo Betriebsräte bestünden, mit diesen gemäß den gesetzlichen Vorgaben zusammengearbeitet werde. Alle Hotels blieben geöffnet und würden weiterbetrieben, versichert ein Sprecher. Wie bei jeder großen Integration könne es zu Übergangsproblemen kommen.
Mitarbeiter berichten von Unsicherheit und Problemen im Betrieb
Von einer geordneten Übergabe an den neuen Betreiber könne keine Rede sein, heißt es in den Zuschriften. Sie sprechen von Unsicherheit innerhalb der Belegschaft sowie von fehlenden Informationen zu den weiteren Plänen von Prism. Die aktuelle Entwicklung stehe im Widerspruch zu früheren Ankündigungen, in denen versichert wurde, dass möglichst viele Arbeitsplätze erhalten bleiben sollten.
Die Zuschriften an Hotel vor9 zeichnen damit ein Bild, das die bisherigen Berichte über die Situation in den von Prism übernommenen H-Hotels stützt. Neben einem umfassenden Personalabbau berichten Beschäftigte von Schwierigkeiten bei der Integration von Systemen und Prozessen sowie von Belastungen im täglichen Hotelbetrieb.
"Gäste stehen mit Buchungsbestätigungen in den Hotels, aber den Hotels liegt die Buchung nicht vor", berichtet ein Mitarbeiter. Die meisten Hotels arbeiten noch mit der alten Plattform, auf die aber nicht mehr alle Buchungen automatisch eingespielt werden. Die angekündigte Synchronisierung habe nicht stattgefunden; diese müssten die Mitarbeiter in den Hotels manuell erledigen.
Frank Winter