So verändert die KI-Suche die Hotelvermarktung
Immer mehr Reisende nutzen KI-Systeme wie ChatGPT oder Google AI für die Hotelsuche. Wer dort nicht auftaucht, wird unsichtbar. Michael Pütter (Foto) von Puetter Online Communications erklärt, wie Hotels jetzt ihre KI-Sichtbarkeit systematisch aufbauen sollten.
Puetter Online Communications
Michael Pütter, Geschäftsführer von Puetter Online Communications: "Wer SEO überspringt und nur für KI optimiert, baut auf Sand"
Herr Pütter, immer mehr Anfragen im Netz werden direkt über die KI-Vorschau beantwortet. Behält das Thema SEO-Qualität für die Webseiten von Hotels seine Bedeutung oder muss man komplett umdenken?
Michael Pütter: SEO bleibt das Fundament. Wer heute meint, er könne SEO überspringen und direkt nur für KI optimieren, baut auf Sand. Google sagt selbst klar: Für AI Overviews und AI Mode gelten die klassischen SEO-Grundlagen. SEO verliert nicht an Bedeutung, sondern verändert seinen Zweck. Heute geht es zusätzlich darum, von Systemen wie Google AI Overviews oder ChatGPT als verlässliche Quelle herangezogen zu werden. Außerdem ist die klassische Websuche noch lange nicht tot. Das Webanalyse-Unternehmen Statcounter weist für 2026 rund 82 Prozent Marktanteil für Google in Deutschland aus. Da wäre es fahrlässig, SEO kleinzureden.
Wie lässt sich für Hoteliers prüfen, ob ihr Haus in KI-Antworten vorkommt?
Der einfachste Einstieg ist ein manueller Audit. Man spielt typische Gästefragen systematisch durch – nicht nur "Hotel XY", sondern auch "bestes Wellnesshotel an der Ostsee" oder "Hotel mit Hund und Spa in der Lüneburger Heide". Wird das Hotel von der KI genannt? Wird die Website zitiert? Welche Wettbewerber erscheinen stattdessen? Microsoft hat im Februar 2026 in den Bing Webmaster Tools ein eigenes AI Performance Dashboard eingeführt, das kann man nutzen. Einen plattformübergreifenden KI-Sichtbarkeitsindex gibt es aber noch nicht.
Welche Systeme sollten Hotels priorisieren?
Erstens Google, zweitens ChatGPT, drittens Bing und Copilot, viertens Perplexity als Beobachtungsfall. Google AI Overviews erreichen bereits mehr als eine Milliarde monatliche Nutzer weltweit. Similarweb spricht für September 2025 von rund 79 Prozent globalem GenAI-Webtraffic für ChatGPT. Die wichtige Botschaft: Man baut nicht vier verschiedene Websites, sondern eine fachlich starke, technisch saubere Website, die in mehreren Systemen als gute Quelle funktioniert.
Was muss ein Hotel konkret tun?
Die Website muss für Maschinen sauber lesbar und für Menschen klar verständlich sein. Konkret heißt das: klare Seiten zu Zimmern, Lage, Zielgruppen, Preislogiken, Services, Anreise, Haustieren, Familien und Tagungen. Viele Häuser haben diese Informationen irgendwo, aber nicht so aufbereitet, dass ein System daraus ein belastbares Profil bilden kann. Strukturierte Daten nach Schema.org helfen, Ausstattungsmerkmale maschinenlesbar zu machen. Dazu eine echte FAQ-Sektion mit realen Gästefragen und ein gepflegtes Google Business Profile.
Welche Inhalte funktionieren besonders gut?
Inhalte, die konkrete Gästefragen präzise beantworten. Für wen ist das Haus geeignet? Was ist für Familien wichtig, was für Hundebesitzer? Wo liegt der Unterschied zu anderen Häusern in der Region? In KI-Systemen wird nicht nur navigiert, sondern bewertet, verglichen und empfohlen.
Mit welchem Budget sollte ein Hotel rechnen, wenn es das Thema professionell angehen möchte?
Ein Initial-Audit mit Maßnahmenplan liegt häufig bei 1.500 bis 3.500 Euro. Laufende Betreuung mit Monitoring und Content-Steuerung beginnt bei 800 bis 2.500 Euro monatlich. Wer das Thema angeht, sollte es nicht als Spielerei betrachten. Es geht um die Frage, ob das eigene Haus in neuen Such- und Empfehlungslogiken überhaupt noch sichtbar ist.
Lässt sich dann später nachweisen, dass eine Buchung über eine KI-Empfehlung kam?
Die Attribution ist noch nicht ausgereift. Es wäre unseriös, so zu tun, als könne man jede Buchung mit einem Stempel "kam aus ChatGPT" versehen. Fachkollegen haben aber bereits erste messbare Conversion-Erfolge nachweisen können. Ich würde mit einem realistischen Messmodell arbeiten: Sichtbarkeit in KI-Antworten, Referral-Traffic, Brand Searches und unterstützte Conversions. Für Hoteliers ist am Ende entscheidend: Kommen über meine gesamten Maßnahmen mehr qualifizierte Besuche und Anfragen zustande?
Das Gespräch führte Pascal Brückmann