Firmen kaum gerüstet gegen Angriffe und Internetausfall
Deutsche Unternehmen sehen hohe Risiken durch hybride Angriffe und Internetausfälle, fühlen sich aber schlecht vorbereitet. Viele Betriebe könnten ohne Internet nur wenige Stunden arbeiten. Zwar existieren bereits Notfallmaßnahmen, doch die Mehrheit will Schutzkonzepte und Investitionen erst jetzt deutlich ausbauen, so eine Studie des Digitalverbands Bitkom.
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Viele Betriebe unternehmen zu wenig gegen hybride Angriffe und den Ausfall des Internets
Ohne Internet steht in vielen Firmen schnell alles still. Im Schnitt könnten Unternehmen ihren Betrieb bei einem Ausfall nur 20 Stunden aufrechterhalten. Jedes fünfte müsste sofort schließen, nur eine Minderheit traut sich mehr als 48 Stunden zu.
Die meisten Betriebe rechnen mit wachsenden Gefahren. Drei Viertel sehen wegen der Spannungen zwischen Russland und der NATO ein erhöhtes Risiko hybrider Angriffe, ein Großteil erwartet daraus eine ernsthafte Krise in Deutschland. Zugleich halten drei von vier Unternehmen die Bundesrepublik für unzureichend vorbereitet.
Schutz ist Chefsache, bleibt aber lückenhaft
Viele Firmen sehen sich selbst als potenzielles Ziel. Für 59 Prozent ist ein Angriff auf das eigene Unternehmen wahrscheinlich, bei 61 Prozent liegt die Verantwortung für Schutzmaßnahmen in der Geschäftsführung. Trotzdem fühlt sich kein Unternehmen sehr gut gewappnet, nur 12 Prozent sehen sich eher gut vorbereitet. Rund 38 Prozent bewerten ihren Status als eher schlecht, 40 Prozent haben bislang gar keine Vorkehrungen getroffen. Immerhin planen 35 Prozent, Maßnahmen nachzuholen, nur eine kleine Minderheit will nichts tun.
Konkrete Maßnahmen gewinnen an Bedeutung
In vielen Unternehmen gibt es bereits erste Notfallpläne. 58 Prozent verfügen über alternative Kommunikationsmittel, weitere 27 Prozent wollen nachziehen. Backups mit getesteter Wiederherstellung haben 57 Prozent eingerichtet, 15 Prozent planen dies. Ausweicharbeitsplätze oder Homeoffice-Regelungen für den Krisenfall existieren in 51 Prozent der Betriebe, ein weiteres Viertel bereitet sie vor. Zusätzliche Lagerbestände hält knapp ein Drittel vor, weitere wollen folgen. Vereinbarungen mit alternativen Lieferanten, Sicherheitsüberprüfungen in sensiblen Bereichen, Krisenstäbe und Notstromversorgungen sind zwar vorhanden, aber jeweils nur bei Minderheiten umgesetzt.
Notfallübungen finden kaum statt
Besonders selten sind Übungen. Nur jedes zehnte Unternehmen trainiert regelmäßig den Ernstfall, weitere 26 Prozent wollen das Thema angehen. Fachleute warnen, dass genau diese ersten Stunden über die Handlungsfähigkeit entscheiden.
Unternehmen wollen mehr investieren
Viele Betriebe reagieren nun mit höheren Budgets. Vier von zehn Unternehmen planen steigende Ausgaben für den Schutz vor hybriden Angriffen, fast ein Zehntel deutlich. Gut die Hälfte will das aktuelle Niveau halten, Senkungen sind nicht vorgesehen. Gleichzeitig fordern Unternehmen mehr Unterstützung von Staat und Politik. Gewünscht werden Informationskampagnen, klare Lagebilder, verpflichtende Sicherheitsstandards und Förderprogramme. Aus Sicht vieler Firmen muss Resilienz zu einem zentralen wirtschaftspolitischen Thema werden.