Tobias Dittrich – Koch, Hotelier und Menschenfreund
Tobias Dittrich (Foto) führt gemeinsam mit seiner Frau Stefanie das Designhotel "Das Altmühltal" in Eichstätt. Tobias' Traum, Basketballprofi zu werden, blieb unerfüllt. Aber sein Talent und Einsatz machten ihn zu einem hochdekorierten Koch und schließlich zum Hotelier. Im Gästebuch von Hotel vor9 erzählt der begeisterte Sportler, was ihn bewegt.
Tobias Dittrich
Tauchen und Sport im Allgemeinen gehören zu den Leidenschaften von Tobias Dittrich
Was war Ihr Traumberuf als Kind?
Basketballspieler. Leider reichte irgendwann die Körpergröße (183 cm) nicht mehr für meine Position (Center) aus. Heute spiele ich mit meinem Sohn Basketball, so back to the roots.
Wie sind Sie in die Hotellerie gekommen?
Durch meine Leidenschaft zum Kochen. Angefangen mit regionaler Küche während der Ausbildung bis hin zum Küchenchef im Sternerestaurant und dann die Kombination aus Koch und Hotelier in der Selbstständigkeit mit einem Schlosshotel.
Welche Entscheidung in Ihrem Berufsleben hat Ihre Karriere besonders geprägt?
Da gibt es keine einzelne Entscheidung, es ist sicher zum großen Teil die Entscheidung sich selbstständig zu machen. Und mit dieser Entscheidungsfindung auch den Blick über den Tellerrand hinaus und sich ständig selbst zu hinterfragen und zu verbessern.
Wie sieht für Sie das Hotel der Zukunft aus?
Schwierig, der Markt wird weiterhin bereinigt werden. Die beiden Extreme von Budget am einen und Ultra Luxus am anderen Ende werden dazu gewinnen. Die Mitte wird immer kleiner werden, da hier der Kostendruck immer stärker wird.
Was lieben Sie an Ihrem Job?
Es sind zwei Dinge, die mich antreiben. Zum einen liebe ich es, Menschen Aufenthalte und Erfahrungen zu ermöglichen, die echte Emotionen und Erinnerungen schaffen. Zum anderen liebe ich es, Menschen zu fordern und zu fördern. Sprich: Ich habe Spaß nachhaltig etwas zu verändern. Ich stehe noch mit ehemaligen Kolleginnen und Kollegen in Kontakt, die erst heute merken, was Sie alles gelernt haben und nun selbst junge Talente fördern und eine Leidenschaft entwickeln, Menschen zu fördern.
Was nervt Sie am meisten?
Arroganz und die Weigerung sich selbst ständig zu verbessern. Bei der aktuellen Dynamik, in der sich unsere Arbeitswelt ändert, ist es essenziell sich immer wieder selbst zu hinterfragen und an sich zu arbeiten. Menschen, die sich jeder Veränderung verweigern, stehen einer Entwicklung entgegen und schaden so dem Betrieb und letzten Endes sich selbst.
Was kann die Hotellerie in Deutschland von Kollegen im Ausland lernen?
Aus meiner Sicht sind das einige entscheidende Dinge. Die Verbindlichkeit in Zusammenhang mit Stornierungsgebühren und den Stellenwert den die Hotellerie und Gastronomie in anderen Ländern genießt. Dort wird Gastgebertum und Essen als essenzieller Bestandteil der Kultur verstanden und gelebt. Wenn man sich anschaut, dass in Frankreich ganz selbstverständlich bei Staatsempfängen das beste Essen und die besten Weine serviert werden und unsere Politiker/innen an der Imbissbude posieren, zeigt das leider, welchen Stellenwert die Hotellerie in Deutschland genießt.
Was war Ihr prägendstes Erlebnis in einem Hotel?
Das waren sehr viele. Als wir noch an der Ostsee tätig waren, war ein Paar an Silvester 2019 bei uns zu Gast. Es hat uns durch eine Recherche im Internet wieder gefunden. Wir hatten mit unserer Art der Gastfreundschaft einen solch bleibenden Moment geschaffen, dass diese Paar mehr als 700 Kilometer Fahrt auf sich nahm, um wieder bei uns zu Gast zu sein. Das hat mich wirklich berührt. Sie brachten extra ein kleines Geschenk für unseren Sohn mit, das war wirklich schön. Und so gibt es noch einige andere besondere Menschen in unserem Leben, bei denen aus Gästen Freunde wurden. Das sind die Momente, die wir schaffen wollen.
Ein Jahr Auszeit – was würden Sie machen?
Eat. Dive. Sleep. Repeat. Zeit mit der Familie, Freunden und jede Menge Sport.
Wie schalten Sie ab?
Im Gym und beim Tauchen.
Welches Buch lesen Sie gerade?
Mehrere: Black Swan von Nassim Nicholas Taleb oder Retten wir unsere Demokratie!: Oder willst du anders leben? Von Bernd Thomsen. Die aktuelle Entwicklung weg von der Demokratie hinzu Populismus und dem Brechen sämtlicher Sitten, macht einen nachdenklich. Durch meine Arbeit auf einem Kreuzfahrtschiff lernte ich bereits früh, dass das Miteinander nur dann gut funktioniert, wenn es für alle die gleichen Regeln gibt. Ohne Ausnahmen, ohne Dogmen.
Welchen Film haben Sie zuletzt im Kino gesehen?
Zoomania 2 mit meiner Familie.
Ihr Lieblingsessen?
Gibt es zu viele.
Wohin geht’s im nächsten Urlaub?
Vermutlich an die Ostsee und alte Kollegen besuchen.
Wen würden Sie gerne mal treffen und warum?
In unsere Branche: Caroline von Kretschmann und Bodo Janssen. Beide sehr interessante Persönlichkeiten aus unserer Branche, die Führung neu denken und die Mitarbeiter an erster Stelle setzten. Spannend wären Ihre Erfahrungen, wie sie es geschafft haben, dies bei den Mitarbeitern zu implementieren. Ansonsten Musiker: Als Koch erschafft man Momente durch Erfahrung, Handwerk und Geschmack. Für mich wäre interessant zu verstehen, wie Musiker immer wieder neue Lieder und Melodien erschaffen und welche Hilfsmittel sie hierfür nutzen.
Wie und wo wollen Sie alt werden?
Mit meiner Familie. Ob das zwingend in Deutschland wäre, kann ich nicht sagen. Die Welt bietet viele schönen Orte und Menschen, das hängt auch von der Entwicklung in Deutschland ab. Wir müssen wieder dahin, dass sich Leistung wieder lohnt und nicht mehr bestraft wird.
Zur Person: Tobias Dittrich hat Koch gelernt und zehn Jahre lang mit seiner Frau Stefanie das Schloss Hohenstein bei Coburg geführt, das er mit dem Gourmetrestaurant Dittrich’s weit über die Region mit seiner exzellenten Küche bekannt machte. Dafür gab es zahlreiche Auszeichnungen, darunter die Aufnahme in den Bib Gourmand. Dittrich war unter anderem als Küchenchef im Hotel Laurentius im Taubertal tätig, dessen Restaurant mit einem Michelin-Stern prämiert wurde. Heute leitet er mit seiner Frau das Designhotel "Das Altmühltal" im bayerischen Eichstätt.