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17. Juni 2026 | 20:18 Uhr
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Mit Mut und Konzept zum erfolgreichen Hotelbetrieb

Mit dem richtigen Konzept und an dem richtigen Standort kann die Hotellerie weiterhin ein attraktives Geschäftsmodell sein. Das beweist gerade ein branchenfremder Mittelständler, der mit dem neuen Frames Hotel in Mülheim-Kärlich erfolgreich in den Markt eingetreten ist und perspektivisch weitere Häuser eröffnen will. 

Frames Hotel

Das Frames Hotel am Rhein in Mülheim-Kärlich ist konsequent auf Geschäftsreisende und Tagungen ausgerichtet

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Wer heute in Deutschland ein neues Hotel baut, braucht gute Nerven. Steigende Baukosten, hohe Zinsen und ein intensiver Wettbewerb sorgen dafür, dass viele Investoren derzeit eher zurückhaltend agieren. Umso bemerkenswerter ist die Geschichte des Frames Hotels in Mülheim-Kärlich.

Hinter dem Projekt steht der Unternehmer Ilmi Viqa (im Bild unten rechts). Seine Unternehmensgruppe, die AWR Abbruch GmbH, ist vor allem in den Bereichen Abbruch, Recyclingbaustoffe und Baumaschinen tätig. Mit Hotellerie hatte das Unternehmen bislang wenig Berührungspunkte. Dennoch entstand direkt am Rhein ein Hotel- und Veranstaltungskomplex, der bereits im ersten Betriebsjahr wirtschaftlich überzeugende Zahlen liefert.

Die operative Verantwortung übernahm Philipp Lohse (links im Bild), der heute als Geschäftsführer der Frames Hotel GmbH fungiert. Auch er kam nicht aus der klassischen Hotellerie. Vor seinem Einstieg bei Frames war er Geschäftsführer im Umfeld des Klosters Maria Laach und hatte dort unter anderem die Neuausrichtung des Seehotels Maria Laach begleitet.

Frames Hotel Geschäftsführer Ilmi Viqa (rechts) Philipp Lohse (links)

Als Lohse zu Frames kam, waren die Weichenstellungen für den Einstieg in das Hotelgeschäft bereits gestellt, wesentliche Entscheidungen standen aber noch aus. Zwar existierten Baupläne, doch viele konzeptionelle Fragen waren offen. "Wir sind dann noch einmal sehr intensiv in die Baupläne gegangen und haben Veränderungen vorgenommen", berichtet er. Besonders die Eventhalle wurde überarbeitet. Gleichzeitig beschäftigte sich das Team früh mit der Inneneinrichtung und der Frage, wie aus einem Gebäude ein lebendiger Ort werden kann.

Konsequent auf Geschäftsreisende und Tagungen ausgerichtet

Von Anfang an stand fest, dass das Hotel nicht auf klassische Freizeitgäste setzen würde. Stattdessen entwickelte Frames ein konsequent auf Geschäftsreisende zugeschnittenes Konzept. Die Lage in unmittelbarer Nähe mehrerer Autobahnen, 230 kostenfreie Parkplätze und die Nähe zu wichtigen Wirtschaftsstandorten bilden die Grundlage dafür.

Dazu kommen 99 Zimmer, ein Rooftop-Restaurant mit Rheinblick, eine Zigarrenlounge und besagte angeschlossene Event- und Kongresshalle für bis zu 1.000 Personen. Die Seminarräume befinden sich bewusst nicht im Hotel selbst, sondern vollständig in der Veranstaltungshalle. Lohse sieht genau darin einen wesentlichen Erfolgsfaktor. Viele Veranstaltungsorte in der Region seien technisch veraltet oder nur eingeschränkt nutzbar. Frames habe deshalb versucht, möglichst viele Kompromisse zu vermeiden und den Kunden moderne Infrastruktur aus einer Hand anzubieten.

Auslastung von über 60 Prozent bei Raten jenseits von 110 Euro

Das Konzept funktioniert offenbar. Bereits im zweiten Betriebsjahr erreicht das Haus über das Gesamtjahr hinweg eine durchschnittliche Auslastung von mehr als 60 Prozent. In starken Geschäftsreisemonaten nähert sich die Belegung der Marke von 80 Prozent. Gleichzeitig erzielt das Hotel durchschnittliche Netto-Zimmerraten von mehr als 110 Euro ohne Frühstück.

"Wir sind tatsächlich sehr zufrieden damit, wie unser Geschäft angelaufen ist", berichtet Lohse im Gespräch mit Hotel vor9. Besonders erfreulich sei die Entwicklung bei den Stammgästen. Sowohl im Veranstaltungsbereich als auch bei den Übernachtungen komme inzwischen ein großer Teil der Nachfrage von wiederkehrenden Kunden. Auch wirtschaftlich liegt das Projekt nach seinen Angaben im Plan.

Für Lohse zeigt die Entwicklung, dass erfolgreiche Hotelprojekte auch heute noch möglich sind. Entscheidend seien weniger die Größe eines Unternehmens oder jahrzehntelange Branchenerfahrung als vielmehr ein schlüssiges Konzept und die Bereitschaft, bestehende Denkweisen zu hinterfragen. "Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es tatsächlich manchmal ganz gut ist, wenn man auch mit einem frischen Blick an bestimmte Dinge herangeht", sagt er. Gerade Branchenfremde stellten häufiger die Frage, warum bestimmte Abläufe so seien, wie sie seien.

Die Voraussetzungen für weitere Standorte sind bereits geschaffen

Mut gehörte ebenfalls dazu. Vor der Eröffnung hätten Marktteilnehmer und Unternehmer aus dem Umfeld prognostiziert, dass sich in Mülheim-Kärlich keine Zimmerraten von mehr als 100 Euro durchsetzen ließen. Das Team entschied sich dennoch für eine andere Positionierung. "Wir haben von Anfang an nichts Günstigeres angeboten und es hat trotzdem funktioniert", sagt Lohse.

Und so dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, dass das Frames Hotel in Serie geht. Die Marke wurde von Beginn an so entwickelt, dass sie grundsätzlich skalierbar ist. Dafür müsse nicht zwingend ein Neubau her, heißt es. "Aber wir werden auch die nächsten Frames Hotels in jedem Fall selbst betreiben, Franchise kommt für uns nicht in Frage", so Lohse.

Pascal Brückmann