Louis Steinle hat ein Faible für Luxus und Unmögliches
Louis Steinle (links) war schon als Zwerg Feel-Good-Manager und saß sonntagmorgens im elterlichen Restaurant mit den Großen am Tisch. Damit war eigentlich schon alles vorgezeichnet. Heute ist er Resident Manager im Luxushotel Chiemgauhof und bewundert die Mitarbeiter, die für einen Gast ein Ticket besorgen, obwohl es keins mehr gibt. Mehr über sich verrät er im Hotel-vor9-Gästebuch.
Familie Steinle
Louis hilft Papa Hubert schon in jungen Jahren in der Restaurantküche
Was war Ihr Traumberuf als Kind?
Hotelmanager wollte ich tatsächlich schon sehr früh werden – zumindest war das immer das Ziel. Nach dem Abitur hatte ich zunächst mit dem Gedanken gespielt, als Animateur in einem Urlaubsland zu arbeiten. Letztlich bin ich dann aber doch direkt klassisch mit Ausbildung und anschließendem Studium in die Hotellerie gestartet.
Wie sind Sie in die Hotellerie gekommen?
Ich bin in der Branche praktisch groß geworden. Meine Eltern betreiben ein eigenes Restaurant. Als kleiner Zwerg saß ich sonntags bei den Kirchgängern schon mit am Stammtisch – quasi als "Feel Good Manager". Die Gäste mit ihrer Weinschorle und ich mit meiner Apfelschorle im Weinglas. Mein erstes eigenes Geld habe ich dann hinter der Theke und später im Service verdient. Während meines Studiums bin ich jedes Wochenende nach Hause gefahren, um im elterlichen Betrieb zu arbeiten und das Studentenleben zu finanzieren.
Welche Entscheidung in Ihrem Berufsleben hat Ihre Karriere besonders geprägt?
Am prägendsten war tatsächlich eine Phase, in der ich für sechs Monate bewusst aus der Hotellerie herausgegangen bin. In dieser Zeit habe ich sehr schnell gemerkt, was mir alles fehlt: die Kollegen, die Gäste und vor allem, dass kein Tag dem anderen gleicht. Mir wurde klar, dass ich nicht in einem klassischen 9-to-5-Job von Montag bis Freitag arbeiten möchte. Spaß am Beruf und Erfüllung sind für mich deutlich wichtiger als das reine Gehalt.
Wie sieht für Sie das Hotel der Zukunft aus?
Ich liebe die Luxushotellerie und hoffe ehrlich gesagt, dass gerade hier künstliche Intelligenz nicht zu schnell die persönliche Komponente ersetzt. Individueller, aufrichtiger Service wird in Zukunft den Unterschied machen. Gleichzeitig muss die Luxushotellerie den Spagat zwischen Luxus und Nachhaltigkeit schaffen – ohne den Luxusgedanken aufzugeben. Regionale Zulieferer gehören für mich genauso dazu wie ein klassischer Turn-Down-Service am Abend, der nicht erst extra angefragt werden muss. Für mich ist das die Zukunft: natürlicher, zurückhaltender Luxus.
Was lieben Sie an Ihrem Job?
Die Menschen. Die Mitarbeiter. Die Gäste. Und die Tatsache, dass kein Tag dem anderen gleicht. Es erfüllt mich sehr, wenn sowohl Gäste als auch Mitarbeiter am Ende des Tages mit einem Lächeln das Haus verlassen und sich auf den nächsten Tag oder den nächsten Besuch freuen. Besonders schön ist es, wenn wir diese kleinen unerwarteten Momente für unsere Gäste schaffen können, mit denen sie während ihres Aufenthalts nicht gerechnet haben.
Was nervt Sie am meisten?
Der Ruf der Ausbildung außerhalb der Branche. Es wird oft nur auf Arbeitszeiten, Wochenendarbeit oder Überstunden geschaut. Viel zu selten wird darüber gesprochen, was dieser Beruf zurückgibt und welche Möglichkeiten er bietet. Modelle wie das Fachabitur im FHG-System oder die internationalen Karrierechancen werden oft unterschätzt. In welchem Beruf kann man sonst praktisch überall auf der Welt arbeiten?
Was kann die Hotellerie in Deutschland von Kollegen im Ausland lernen?
Vor allem, ihre Preise selbstbewusst durchzusetzen und sich von der "Geiz ist geil"-Mentalität zu lösen.
Was war Ihr prägendstes Erlebnis in einem Hotel?
Mich beeindrucken immer wieder Mitarbeiter, die die berühmte Extrameile gehen: einen Tisch in einem ausgebuchten Restaurant organisieren, eine Liege im vollen Beachclub finden oder Tickets für ein ausverkauftes Konzert besorgen. Besonders beeindruckend ist es, wenn Wünsche erkannt werden, bevor sie überhaupt ausgesprochen werden.
Ein Jahr Auszeit – was würden Sie machen?
Aktuell würde ich mir gar kein Jahr Auszeit wünschen. Ich bin gerade an einem Punkt im Leben, an dem ich zeigen möchte, was ich kann und noch einmal richtig Gas geben will. Die längeren Auszeiten gönne ich mir dann vielleicht im gesetzteren Alter.
Wie schalten Sie ab?
Ich bin gerne unter Leuten. Ein spontaner Abend in München, Freunde treffen und gemeinsam gut essen gehen – das ist für mich eine perfekte Möglichkeit abzuschalten.
Welches Buch lesen Sie gerade?
Ich habe gerade nach längerer Zeit wieder angefangen, "Unreasonable Hospitality" von Will Guidara zu lesen.
Welchen Film haben Sie zuletzt im Kino gesehen?
Ich bin ehrlich gesagt kein großer Kinogänger. Der letzte Film, den ich im Kino gesehen habe, war "Rocketman" über Elton John – und das ist schon einige Jahre her.
Ihr Lieblingsessen?
Schäufele mit Kartoffel- und Feldsalat von meiner Oma.
Wohin geht’s im nächsten Urlaub?
Aktuell ist noch nichts konkret geplant, aber idealerweise auf meine Lieblingsinsel Mallorca.
Wen würden Sie gerne mal treffen und warum?
Ich freue mich eigentlich immer über spontane Begegnungen und interessante Menschen. Daher habe ich keine konkrete Person auf einer Liste, die ich unbedingt einmal treffen müsste.
Wie und wo wollen Sie alt werden?
Glücklich und an einem sonnigen Ort. Das muss nicht unbedingt Mallorca sein – meine Heimat Südbaden wäre dafür genauso perfekt.
Zur Person: Louis Steinle ist in der Gastronomie im elterlichen Restaurant groß geworden. Danach machte er eine Ausbildung mit anschließendem dualen Studium im Colombi Hotel Freiburg. Im Anschluss wurde er als Guest Relations Manager Teil des Opening-Teams des Leading Hotels of the World Es Princep auf Mallorca. Anschließend Wechsel zur Münchner Hotelgruppe Geisel Privathotels als Management Trainee. Über das Schwesterhaus Das Achental und Gewinn des Awards "Next Generation Hotel des Jahres 2024" kam Steinle schließlich zum Chiemgauhof – Lakeside Retreat, wo er heute als Resident Manager tätig ist.